Das DFB-Team erspart Joachim Löw mit dem Sieg in Spanien unangenehme Debatten. Der Bundestrainer denkt an 2015 und holt den Libero zurück.

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Vom DFB-Team berichten Matthias Becker, Jochen Stutzky und Markus Höhner

Vigo - Der Stadion-DJ von Vigo muss es schon vorher gewusst haben.

"Thunderstruck" ("Wie vom Blitz getroffen") von AC/DC ließ er beim Warmmachen vor der Partie zwischen Spanien und Deutschland durch die Boxen wummern.

Der Blitzschlag im Dauerregen kam dann eine Minute vor Ende des Spiels aus dem rechten Fuß von Toni Kroos und ließ die Gastgeber ziemlich verdattert zurück.

"Das war ein Spiel, das normalerweise unentschieden ausgeht", gab Kroos hinterher offen zu. Dass es stattdessen ein Sieg wurde, freute vor allem Bundestrainer Joachim Löw ungemein.

"Ich denke, dass man sich keinen besseren Jahresabschluss wünschen kann", sagte Löw. Für ihn war der Siegtreffer zum Abschluss des Länderspieljahres ein Geschenk des Himmels.

Löw "hochzufrieden" mit seinem Team

Löw und einige Spieler hatten sich in den letzten Wochen ja wiederholt genötigt gesehen, darauf hinzuweisen, was 2014 passiert ist. Die Erinnerungen an die WM mit dem Finaltriumph von Rio de Janeiro kam ihnen zu kurz, da half auch die Premiere des WM-Films "Die Mannschaft" nicht (BERICHT: Die Folgen des Lahm-Aus).

Wenn es der erste Eindruck ist, der nicht rückgängig zu machen ist, dann ist es der letzte Eindruck, der hängen bleibt. Das Erfolgserlebnis in Spanien war deshalb enorm wichtig, um die Kratzer aus Spielen wie in Polen, gegen Irland und Gibraltar zumindest weitgehend wieder aus der Bilanz zu polieren.

"Hochzufrieden" sei er mit seiner Mannschaft, lobte Löw. Schließlich habe die "unter schwierigen Bedingungen" beim Europameister bestanden. Diese Einschätzung des Bundestrainers hätte ähnlich geklungen, wenn es beim 0:0 geblieben wäre.

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Wenig Glanz, viel Herz

Dass das Ergebnis nicht im Vordergrund steht, hatte Löw schließlich schon am Vortag angekündigt. Einstellung und Kompaktheit wollte er von seiner stark dezimierten Mannschaft sehen. Und die bekam er.

Die Partie gegen die ebenfalls nicht in Bestbesetzung angetretenen Spanier war nicht das, was man sich vom Kräftemessen der beiden letzten Weltmeister erhofft. Aber das DFB-Team haute sich bei wirklich garstigen äußeren Umständen in der Bruchbude von Vigo immerhin von Beginn an voll rein.

Als die anfänglichen Unsicherheiten in der völlig neu zusammengewürfelten Hintermannschaft überwunden waren, kamen die Spanier kaum noch zu einem sinnvollen Abschluss.

Spieler wie Ron-Robert Zieler, Shkodran Mustafi, Sebastian Rudy und Kevin Volland nutzten ihre Bewährungprobe im Rahmen der Möglichkeiten. Dem Bundestrainer schenkten sie die Chance, nach einem intensiven Jahr, "die nötige Ruhe" einkehren zu lassen.

Experiment Dreierkette wird fortgesetzt

Vier Monate Zeit hat Löw jetzt, um die angekündigten Veränderungen im Spiel der Nationalmannschaft mit seinem Trainer-Team zu planen. Dank des Erfolgs vom Dienstagabend kann er das tun, ohne lästige Debatten über eine anhaltende Krise des Weltmeisters führen zu müssen.

In Vigo gestatte er dem Publikum schon mal eine kleine Vorschau auf das, was er mit der deutschen Mannschaft vor hat. Taktisch flexibler soll das DFB-Team werden, die Perfektionierung der gegen Spanien zum Einsatz gekommenen Dreierkette steht ganz oben auf der Agenda.

"Das hat Spaß gemacht. Wir haben heute bewiesen, dass wir auch mal in einem anderen System spielen können", sagte Abwehrchef Shkodran Mustafi.

Löw setzt auf die Rückkehrer

Auch wenn sich Löw Gedanken über personelle Veränderungen macht, muss sich Mustafi ("Ich war, wenn man so will, der Libero") sicher keine Sorgen machen, den Cut nicht zu überstehen. Der ein oder andere aus dem Weltmeisterkader dagegen schon.

Im März erwartet Löw die meisten seiner derzeit verletzten Stammkräfte wieder zurück. "Wir werden 2015 dann wieder mit fitten Spielern zurückschlagen", kündigte er an. Dann wird es eng im Kader.

Der Bundestrainer will Tempo aufnehmen auf dem Weg zur EM 2016 in Frankreich und den verlorenen Boden in der Qualifikation zurückgewinnen. Man kann sich schließlich nicht immer darauf verlassen, dass der Blitz genau da einschlägt, wo man es braucht.

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