Das Prestigeduell zwischen Spanien und Deutschland findet einen fragwürdigen Rahmen. Nur Fußballromantiker können sich freuen.

Es gibt ja einige, die dem Fußball der 80er-Jahre nachtrauern.

Zugige Betonschüsseln statt moderner Hochglanz-Arenen, eine ehrliche Bratwurst für schmales Geld und keine bescheuerten Gewinnspiele und Aktionen auf dem Rasen vor dem Spiel.

Nun: Hoffentlich waren viele dieser Leute am Dienstagabend in Vigo.

Denn das Duell zwischen Weltmeister Deutschland und Europameister Spanien war eine Zeitreise in genau diese, längst vergessene Tage.

1982 wurde das Estadio Balaidos für die WM in Spanien renoviert.

Bekannt wurde es in Deutschland bisher einzig dadurch, dass bei eben jener WM der deutsche Schiedsrichter Walter Eschweiler beim Zusammenstoß mit einem Spieler dort einen Zahn verlor.

Seitdem hat sich am Stadion wenig geändert. Immerhin, es wurde per W-Lan ans Internet angebunden.

Am Vorprogramm wurde in den letzten Jahrzehnten jedenfalls nicht groß geschraubt. Van Halen, Guns 'n Roses ? hätte der Stadion-DJ auch noch den "Final Countdown" von Europe aufgelegt, wäre mancher Beobachter wohl vollständig in die Erinnerung an die erste große Liebe damals in der siebten Klasse abgetaucht.

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Auch am Stadionkiosk (Hot-Dog: 2,50 Euro, immerhin), auf Plastikstühlen umgeben vom nackten Beton, muss sich niemand über zu viel Hochglanz beschweren. Viel eher vielleicht darüber, dass das Wellblechdach mit dem strömenden galizischen Regen nicht fertig wird und einen guten Teil davon an die Zuschauer darunter weitergibt.

Die Einheimischen wussten wahrscheinlich, dass ihr Stadion bei dem Wetter keinen Ausflug wert ist. Fast 7.000 Plätze blieben frei.

Und da beginnt der Ernst der Sache: Warum der spanische Verband ein zumindest nominell derart prestigeträchtiges Spiel an einen derart ungeeigneten Austragungsort vergibt, wird sein Geheimnis bleiben. Man habe das "zur Kenntnis genommen", sagte Bundestrainer Joachim Löw vor der Partie, es sei schon okay so.

Ein bisschen Genugtuung wird der späte Sieg trotzdem gewesen sein. Es war übrigens der erste auf spanischem Boden seit den 80er-Jahren.

Und so schließt sich der Kreis ja dann doch noch irgendwie.

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