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Nürnberg - Das DFB-Team besiegt Gibraltar. Joachim Löws Mannschaft präsentiert sich jedoch nicht weltmeisterlich. Müller trifft doppelt.

Vom DFB-Team berichten Martin Volkmar, Matthias Becker, Jochen Stutzky und Onur Özdamar

Pflichtsieg statt Zauberfußball:

Die deutsche Nationalmannschaft hat Fußball-Zwerg Gibraltar erwartet problemlos bezwungen, dabei aber wenig weltmeisterlichen Glanz versprüht.

Das Team von Joachim Löw blieb beim mageren 4:0 (3:0) weit von dem erwarteten Schützenfest entfernt und zeigte vor allem in der zweiten Hälfte eine schwache Vorstellung.

Immerhin verbesserte sich die DFB-Auswahl durch den zweiten Erfolg in der EM-Qualifikation mit jetzt sieben Punkten auf den dritten Platz der Gruppe D.

Gleichwohl benötigt das Team, das am Dienstag zum Jahresabschluss in Spanien antritt, im kommenden Jahr eine deutliche Steigerung zur direkten Teilnahme an der Endrunde 2016 in Frankreich.

Doppelpack von Müller

In der einseitigen Partie erzielten Thomas Müller (12., 29.) und Mario Götze (38.) bei einem Eigentor von Yogan Santos (67.) die Treffer für die Gastgeber.

Dass es nicht zu einem Torfestival oder gar dem höchsten Länderspielsieg (16:0 gegen Russland 1912) reichte, lag in jedem Fall nicht am Publikum.

Die 43.520 Zuschauer im ausverkauften Frankenstadion, möglicherweise aufgrund der Talfahrt des 1. FC Nürnberg heiß auf Spitzenfußball, unterstützten die deutsche Elf trotz des überschaubaren Niveaus (DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Gibraltar erwartet defensiv

Die Amateurtruppe aus der britischen Kronkolonie zog sich ähnlich wie in einem Erstrundenspiel im Pokal meist mit allen Spielern an den eigenen Strafraum zurück, um so ein Debakel zu verhindern.

Bundestrainer Löw hatte daher wie angekündigt sein WM-System umgestellt und wesentlich offensiver aufgestellt. Jerome Boateng war phasenweise einziger Defensivakteur, da sich die beiden Außenverteidiger Erik Durm und Shkodran Mustafi immer wieder nach vorne einschalteten.

Allerdings sah es manchmal so aus, als ob sich die zahlreichen Offensivakteure gegenseitig im Weg stehen würden. Und dennoch hatte der Weltranglisten-Erste genug Einschussmöglichkeiten, scheiterte aber meist an der fehlenden Präzision im Abschluss.

Gästehilfe zum Führungstor

So bedurfte es nach fünf vergebenen Großchancen der Hilfe von Gibraltar, um in Führung zu gehen. Nach einer eher harmlosen Flanke des sehr agilen Mustafi lenkte Gästekeeper Jamie Robba den Ball an den eigenen Pfosten, Müller staubte mit seinem 25. Länderspieltor ab (12.).

Doch auch danach zeigten sich die Gibraltarer nicht geschockt, so dass es weitere 17 Minuten bis zum zweiten Treffer dauerte. Nach Flanke des ansonsten eher schwachen Lukas Podolski, der erstmals seit der WM wieder in der Startelf stand, staubte erneut Müller ab.

Die schönste Kombination der ersten Hälfte führte dann nach 38 Minuten zum 3:0, als Götze nach Doppelpass mit Max Kruse zu seinem 13. Tor im DFB-Trikot vollendete. Aber der krasse Außenseiter steckte nicht auf und kam nach 43 Minuten zur ersten Ecke.

Zu diesem Zeitpunkt war Gibraltar besser als die Brasilianer, die im WM-Halbfinale mit 0:5 in die Pause gingen.

Neuer verhindert Gegentor

Und zwei Minuten später wäre Liam Walker fast ein historischer Treffer gelungen, als er nach einem deutschen Fehlpass aus rund 30 Metern von links direkt abzog. Manuel Neuer konnte den Schuss im Zurücklaufen gerade noch abwehren.

Nach dem Wechsel änderte sich wenig am deutschen Einbahnstraßen-Fußball, allerdings sorgten unnötige Abspielfehler und oft überhastete Distanzschüsse für noch weniger Torgefahr. Da passte es ins Bild, dass das 4:0 aus einem Eigentor resultierte (67.).

Der erst kurz zuvor eingewechselte Santos traf nach scharfer Hereingabe von Podolski ins eigene Netz. Löw hatte zu diesem Zeitpunkt bereits in Kevin Volland einen weiteren Stürmer für den unauffälligen Sami Khedira gebracht (60.).

Hector 74. Debütant unter Löw

Nach 71 Minuten gab er dann Neuling Jonas Hector vom 1. FC Köln die Chance, der zum 74. Debütanten unter Löw avancierte. Für etwas Aufregung sorgte aber erneut Walker, der Neuer prüfte.

Beim deutschen Team kam nach 79 Minuten auch noch Lars Bender für Toni Kroos zu seinem Einsatz, dem Spiel nach vorne gab das aber auch keinen neuen Schwung.

Die tapferen Gäste brachen kräftemäßig bis zum Schluss nicht ein und verteidigten die für sie fast schon ruhmreiche Niederlage bis zum Abpfiff. Danach gab es sogar vom bis dahin so positiven Publikum Pfiffe für den Weltmeister.

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