Frankfurt am Main - Der DFB setzt sich hohe Ziele. Die EM 2024 soll in Deutschland stattfinden und die Nationalelf bald wieder Weltmeister werden.

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Von Frank Hellmann

Es war Wolfgang Niersbach ein aufrichtiges Anliegen, so kurz vor Heiligabend an "Demut und Dankbarkeit" zu erinnern.

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes tätigte diese Ansage einerseits vor dem Hintergrund, "dass die Welt mancherorts in den Zustand der Barbarei" zurückfalle, andererseits aber auch vor der Tatsache, dass der in allen Jahresrückblicken auftauchende WM-Triumph in Brasilien mit der Nationalmannschaft niemand in den Schoss gefallen sei.

Seine Empfehlung: "Jetzt über Weihnachten mal zu Hause auf die Couch legen, den Fernseher und das Radio ausschalten und sich kneifen und fragen, ob das alles wahr ist!"

Der DFB hatte zur abschließenden Pressekonferenz nach dem sensationellen Jahr 2014 geladen.

An Löw "nicht im Entferntesten gedacht"

Niersbach dachte erst einmal zehn Jahre zurück: "Beim EM-Vorrundenaus 2004 waren wir am absoluten Tiefpunkt angelangt. Und was wäre gewesen, wenn wir nicht als Ausrichter der WM 2006 fest gestanden hätten? Hätten wir uns da überhaupt qualifiziert?", fragte Niersbach im Sepp-Herberger-Raum der Verbandzentrale in die Runde.

Sogleich erinnerte der 64-Jährige an den "Glücksmoment", dass der damals zum Teamchef berufene Jürgen Klinsmann mit dem vom DFB präferierten Assistenztrainer Holger Osieck nichts anfangen konnte, sondern Joachim Löw vorzog. "An den hatten wir nicht im Entferntesten gedacht."

Niersbach kramte die Vergangenheit hervor, um den Blick in die Zukunft zu richten: Gerade erst sei auf der Präsidiumssitzung in Weimar ein Zehn-Jahres-Plan verabschiedet worden, der die "nächsten Meilensteine außerhalb des Tagesgeschäfts" markiere.

Einer ist die Ausrichtung der EM 2024, für die zehn Stadien benötigt werden. "Keines muss davon neu gebaut werden", sagte Niersbach, "wir sind da exzellent vorbereitet."

Für eine Olympiabewerbung von Hamburg oder Berlin hege er "Sympathie und Respekt", aber er stellte dann mal klar, "dass wir seit Oktober 2012 die Karten auf den Tisch gelegt haben."

Sollte heißen: Der DOSB muss zusehen, wie er zwei Großveranstaltungen in einem Sommer der Sportwelt vermittelt - nicht der DFB.

Niersbach will Image der FIFA ändern

Was Niersbach innerhalb der FIFA, in deren Exekutivkomitee der gebürtige Rheinländer voraussichtlich im März beim UEFA-Kongress in Wien aufrückt, bewegen will, steht für ihn außer Frage: "Ich will mich da so einbringen, dass sich das Image der FIFA ändert. Die oberste Fußball-Organisation muss für Glaubwürdigkeit, Seriosität und Integrität stehen."

Das sei derzeit ja keineswegs der Fall.

Interessant, dass DFB-Vizepräsident Rainer Koch bei der Präsentation der Kampagne "Ehrenrunde" – ab Mai wird in einem DFB-Truck der WM-Pokal bei rund 65 Amateurvereinen vorstellig – davon sprach, "dass wir alle bald den fünften Stern" wollen.

Der Rummel um den "vierten Stern" ist noch gar nicht abgeebbt, da werden gleich die nächsten plakativen Visionen entworfen.

Auch Bundestrainer Joachim Löw, der bei der Präsentation diverser Projekte nicht selbst anwesend war, hatte bereits am Tag zuvor in einem Drei-Minuten-Video des verbandseigenen Internet-TV verraten, "eine Epoche prägen und 2016 das Ding in Paris gewinnen" zu wollen.

DFB-Akademie: Bau soll 2016 starten

Damit dafür trotz des demographischen Wandels genügend Talente ausgebildet werden, soll bekanntlich bis Ende 2018 eine Akademie im Frankfurter Stadtteil Niederrad entstehen – Luftlinie nur einen Kilometer entfernt vom Verbandssitz.

Das riesige Gelände, auf dem bislang die Galopprennbahn und ein Golfplatz zu finden sind, ist bereits in Erbpacht von der Stadt an den DFB übertragen.

Dazu ist ein Architektenwettbewerb in Gang gebracht.

"Es gab 213 weltweite Bewerbungen, davon haben wir 30 ausgewählt – 20 nationale, zehn internationale", verriet Generalsekretär Helmut Sandrock. Bald soll die Zahl auf zehn Entwürfe schrumpfen, bereits im Mai nächsten Jahres soll der Gewinner gekürt werden, "dann können 2016 die Bagger anrollen."

Kommt es zu einem Bürgerbegehren?

Der Zeitplan für das 89-Millionen-Bauvorhaben - die größte Einzelinvestition der DFB-Geschichte - gilt allein deshalb als ambitioniert, weil dagegen in der Bankenstadt eine Unterschriftensammlung läuft.

Kommen die gültigen 13.600 Stimmen zusammen, und danach sieht es derzeit aus, muss die Stadtverordnetenversammlung entscheiden, ob ein Bürgerbegehren einberufen wird. Bis jetzt kam es in Frankfurt noch nie dazu.

Sandrock: "Deshalb machen wir in unvermindertem Tempo weiter."

Schließlich verfolgt Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff als Ideengeber des Großprojekts dieses Ziel: "Wir wollen das Kompetenzzentrum im Fußball sein – national, möglicherweise auch international. Das ist die Leitidee."

Damit es wirklich nicht allzu lange dauert, dass Land und Verband den fünften Stern feiern.

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