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Frankfurt am Main - Dreierkette, mehr Flexibilität und neue Spieler. Bundestrainer Joachim Löw plant die Weiterentwicklung des DFB-Teams. Der Grat zwischen EM-Quali und Experimenten ist schmal.

Seinen größten Erfolg feierte Bundestrainer Joachim Löw in Rio de Janeiro.

2015 sucht er neue Wege nach Rom - und das obwohl das nächste Ziel eigentlich in Frankreich liegt: Paris als Endspielort der Europameisterschaft 2016.

Löw ist aber keineswegs nach dem Motto "Mailand oder Madrid - Hauptsache Italien" in die "Andreas Möller"-Falle getappt, der Weltmeister-Trainer skizziert vielmehr seine Pläne mit dem DFB-Team.

Löw mit neuem Eifer

Taktisch und personell stehen einige Neuerungen an, Löw hat nach elf Jahren und fünf Turnieren mehr Lust denn je auf diese spannende Aufgabe.

"Wir müssen uns offensiv noch weiter verbessern und wollen einen weiteren Weg nach Rom kennenlernen", blickt der Bundestrainer bei der Pressenkonferenz in Frankfurt auf die kommenden Aufgaben gegen Australien (Mi., 20.15 Uhr LIVE im Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) und in der EM-Qualifikation gegen Georgien (So., 29. März in Tiflis) voraus.

Mitte März verlängerte Löw seinen Vertrag bis zur WM 2018, das Gesicht seiner Mannschaft wird sich bis dahin verändern. Es hat sich bereits verändert.

Leistungsträger wie Miro Klose (Exklusiv-Interview mit SPORT1), Philipp Lahm und Per Mertesacker sind zurückgetreten, Mitte des Jahres könnten weitere Personalwechsel anstehen.

"Im Sommer werden die Karten neu gemischt. Emre Can, Kevin Volland und Max Meyer sind Spieler für die Zukunft. Es gibt aber eine klare Absprache mit Horst Hrubesch. Im Sommer sollen sie zuerst die U-21-EM spielen", erklärt Löw. Eine erfolgreiche U-21-EM würde die Olympiateilnahme in Rio 2016 bedeuten.

Keine Fehltritte mehr gestattet

Bei Löws Team läuft es hingegen noch nicht rund, nur sieben Punkte aus vier Spielen in der EM-Qualifikation sind ein Beleg dafür.

"Wir dürfen uns in der weiteren Qualifikation keine weiteren Punktverluste leisten. Wir wollen uns mit dem Spiel gegen Australien das nötige Feuer holen", mahnt der 55-Jähirge.

Dennoch soll der taktische Umbau ab sofort beginnen, Hauptaugenmerk gilt dabei der Defensive mit der bisher nur sporadisch angewandten Dreierkette.

Bastian Schweinsteiger steht der neuen Abwehrvariante offen gegenüber.

Schweinsteiger Comeback

"Im heutigen Fußball sollte man mehrere Systeme beherrschen. Das gilt auch für uns", betont Lahms Nachfolger als Kapitän, der zum ersten Mal seit dem Finale von Rio wieder dabei ist.

Dass dieses Experiment nicht ganz ohne Wachstumsschmerzen ablaufen könnte, nimmt Löw billigend in Kauf. Der langfristige Gewinn an Flexibilität steht für den Bundestrainer über allem.

"Wir müssen auch mal ohne viele Trainingseinheiten neue Dinge ausprobieren. Natürlich werden wir das nicht über Nacht perfekt hinbekommen. Da muss ich als Trainer auch mal Fehler akzeptieren."

Neuer wird geschont

Der Bayern-Block, der gegen Australien ohne den am Knie angeschlagenen Torhüter Manuel Neuer (Schleimbeutelentzündung) ran muss, ist die Dreierkette durch Pep Guardiola aus dem Verein bereits gewöhnt.

Auf Seiten der Dortmunder fehlt diese Erfahrung, doch der nach langer Verletzungspause zurückgekehrte Ilkay Gündogan ist neugierig.

"Der Bundestrainer hat es bei uns auch schon angedeutet, aber wir sind noch nicht in Details gegangen. Wir sind selber gespannt, was genau passiert", sagt der BVB-Mittelfeldstratege im Gespräch mit SPORT1 und ergänzt: "Es ist wichtig, neue Sachen auszuprobieren, auch damit man die Gegner überraschen kann."

Buchstaben-Klau zu Frankfurt

Neben Gündogan und Schweinsteiger steht auch Holger Badstuber vor seinem Comeback im DFB-Dress. Der Abwehrspieler kann zentral und außen verteidigen und soll nach Aussagen Löws in der Startaufstellung stehen.

Im Fall von Schweinsteiger hat sich der Bundestrainer noch nicht entschieden.

Löw entscheidet kurzfristig über Startelf

"Es ist schön, dass Bastian wieder mit an Bord ist, aber ich bin bereit, gegen Australien auch ein paar Dinge zu probieren", hält sich Löw mit der Aufstellung noch bedeckt: "Es können noch weitere Stammkräfte eine Pause bekommen. Für Sonntag sollen alle geistig und körperlich in Bestzustand sein."

Experimente gegen Australien also ja, weitere Punktverluste in der EM-Quali auf keinen Fall.

Der Grat für Löws Tüfteleien ist relativ schmal, denn für den WM-Titel kann er sich auf dem Weg zu neuen Zielen nichts kaufen.

Letzten Endes gilt wohl nur eines: Egal ob Rom oder Paris, Hauptsache flexibel.

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