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Tiflis - Bastian Schweinsteiger spielt in Georgien erstmals seit dem WM-Finale im DFB-Team und führt es als Kapitän an. Für seine Mitspieler ist er ein Vorbild. Die Fans liegen ihm zu Füßen.

Bastian Schweinsteiger hat im WM-Finale von Rio de Janeiro Heldenstatus erlangt, er hat sich mit jeder Faser seines Körpers ins Spiel gehauen, keinen Zweikampf gescheut. Am Ende hielt er den WM-Pokal in den Händen.

Schweinsteiger hat schon viel erlebt in seiner Karriere und große Erfolge gefeiert. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er Weltmeister, zweimal WM-Dritter und einmal Vize-Europameister, mit dem FC Bayern sammelte er sieben Meisterschaften und DFB-Pokale und gewann vor zwei Jahren in London die Champions League.

Kuschelattacke vor EM-Qualifikation in Georgien

Aber am Samstag in Tiflis kam eine neue Erfahrung dazu.

Beim Abschlusstraining vor dem EM-Qualifikationsspiel am Sonntag gegen Georgien (ab 17.30 Uhr im LIVETICKER) trabte er locker auf dem Rasen herum und schoss ein paar Bälle, als plötzlich ein junger Mann auf ihn zulief und sich vor ihm auf den Boden kniete.

Schweinsteiger wirkte kurz etwas verdutzt, der Sicherheitsmann des DFB ging schon auf ihn zu, doch es gab keinen Grund zum Eingreifen. Der Flitzer stand wieder auf, umarmte Schweinsteiger, gab ihm einen georgischen Schal und beide lächelten.

Beinahe benommen von dem, was er gerade getan hatte, trottete der Fan vom Platz, dann wurde der Jugendliche von einem Ordner aus dem Innenraum geführt.

Die kuriose Szene nahmen alle mit Humor, sie zeigt auch, welchen Status Bastian Schweinsteiger in der Welt des Fußballs hat. Der 30-Jährige ist in Deutschland ein Star, im Ausland sogar noch mehr - ein Superstar. Das merkt man besonders bei Auswärtsspielen der Nationalmannschaft oder des FC Bayern. Den Namen Schweinsteiger liest man dann meist besonders häufig auf den Trikots der Fans.

Löw setzt auf Schweinsteiger

Am Abend wird sein Name im Stadion von Tiflis auf der Videowand stehen, wenn die deutsche Startaufstellung angekündigt wird. Für Schweinsteiger wird es ein besonderer Moment, obwohl er mittlerweile schon 108 Länderspiele auf dem Buckel hat. Denn erstmals seit dem WM-Triumph wird er wieder für das DFB-Team auflaufen und zum ersten Mal wird er die Mannschaft als offizieller Kapitän auf den Platz führen.

"Klar, natürlich wird Bastian beginnen", sagte Bundestrainer Joachim Löw am Samstag. Beim Test gegen Australien habe er den Bayern-Profi "bewusst rausgenommen, weil er zuletzt viele Spiele gemacht hat nach seiner Verletzungspause".

Für Schweinsteiger ist es "eine Ehre, Kapitän zu sein. Ich sehe es als Herausforderung und freue mich sehr darauf."

Auch Manuel Neuer und Co. vor Rückkehr

Neben ihm werden weitere fünf Weltmeister zurück in der Startelf erwartet, darunter auch Torhüter Manuel Neuer und die am Mittwoch geschonten Thomas Müller, Jerome Boateng, Mats Hummels und Toni Kroos. Sie sollen dafür sorgen, dass es gegen Georgien nicht den nächsten Ausrutscher gibt, der Weltmeister drei Punkte auf dem Weg zur EM in Frankreich mitnimmt und weiter vom nächsten großen Triumph träumen darf.

"Gerade solche Momente, wie ich sie in London oder Rio hatte, würde ich gerne noch einmal erleben", sagt Schweinsteiger: "Das macht mich noch hungriger auf Erfolg."

Nachdem er mit den Bayern schon alle erdenklichen Titel eingefahren hatte, klappte es im vergangenen Juli in Rio endlich auch mit dem Nationalteam.

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Langjährige Weggefährten: Bastian Schweinsteiger (l.) und Lukas Podolski © getty

Schweinsteiger strukturiert das deutsche Spiel

Doch seit der WM befindet sich die Mannschaft im Umbruch, mit Miroslav Klose, Per Mertesacker und Philipp Lahm sind drei Leistungsträger und absolute Führungsfiguren zurückgetreten. Schweinsteiger ist zusammen mit Lukas Podolski am längsten dabei, doch während Podolski nur noch Ergänzungsspieler ist, spielt Schweinsteiger in Löws Team immer noch eine tragende Rolle. Er ist der Mann, der Struktur ins Spiel der DFB-Auswahl bringt.

Doch seine Karriere in der Nationalmannschaft geht allmählich auf die Zielgerade, in den vergangenen Jahren hatte er häufig mit Verletzungen zu kämpfen, verpasste fast alle Testspiele.

Doch als er wirklich gebraucht wurde, war er zur Stelle. Als Orientierungspunkt für seine Mitspieler, als ordnende Hand im Mittelfeld und als aufopferungsvoll kämpfender Leitwolf. Damals, in jener magischen Nacht von Rio.

In Tiflis werden mehr als 50.000 Georgier im Stadion ihr Team nach vorn peitschen. Wieder so ein Abend, an dem Schweinsteiger seine ganze Erfahrung ausspielen kann.

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