Video

Tiflis - Thomas Müller, Marco Reus und Mario Götze setzen beim Sieg in Georgien Glanzpunkte. Doch Bundestrainer Joachim Löw hat nach dem Arbeitssieg auch Grund zur Kritik.

Dass in Georgien die Uhren etwas anders ticken, liegt nicht nur an der Zeitverschiebung. Zwei Stunden ist das Land im Kaukasus eher dran als Deutschland, vor der Umstellung auf Sommerzeit waren es sogar drei.

In Tiflis sorgte die Uhr auf der Videowand am Sonntagabend allerdings für Verwirrung. Zunächst war sie drei Minuten hinter der tatsächlichen Spielzeit zurück, dann stand es plötzlich 0:2, obwohl die deutsche Nationalmannschaft doch erst ein Tor geschossen hatte.

Doch die Verwirrung dauerte nur kurz. Kaum hatten die georgischen Fans mit ihren Pfiffen auf den falschen Spielstand hingewiesen, da stand es tatsächlich 2:0 für die Gäste.

Thomas Müller sorgte für eine beruhigende Pausenführung, die das DFB-Team in der zweiten Halbzeit verwaltete und die fest eingeplanten drei Punkte mitnahm.

Souveräner Sieg

Es war ein verdienter Sieg und eine souveräne Vorstellung des DFB-Teams auf dem Weg zur Europameisterschaft in Frankreich.

"Wir haben das Spiel klar dominiert und hatten es absolut im Griff", sagte Bundestrainer Joachim Löw. "Mit der ersten Halbzeit war ich sehr zufrieden, wir haben konzentriert, dynamisch und mit Druck aufs Tor gespielt."

Besonders Müller, Marco Reus und Mario Götze taten sich dabei hervor, das georgische Defensiv-Bollwerk auszuhebeln.

Schon nach vier Minuten traf Reus nach Müllers Vorarbeit die Latte, später schoss Müller knapp vorbei, Götze legte einmal schön für Reus auf, doch der verzog.

Götze greift in die Trickkiste

Dann griff Götze tief in seine Trickkiste, lupfte den Ball im Strafraum über die georgischen Abwehrspieler und legte ihn Reus perfekt auf, ein Traumtor zum 1:0.

"Da war auch Glück dabei", sagte Götze mit einem Grinsen: "Es waren vier, fünf, sechs Beine dazwischen, bis der Ball zu Marco gekommen ist."

Reus zeigt Klasse, Müller findet Schlüssel

Reus zeigte, warum er einer der großen Stars der WM hätte werden können, wenn er sich im vergangenen Juni nicht am Tag vor dem Abflug verletzt hätte. Müller fand Lücken in der georgischen Abwehr, die auch Götze im ersten Durchgang nicht in den Griff bekam.

"Der Schlüssel war, dass wir immer wieder flach hinter die Mittelfeld-Reihe gespielt haben und uns dann drehen", erklärte Müller. Doch nach dem Seitenwechsel ebbte das Offensivspiel deutlich ab.

Reus traf nach einer Stunde noch einmal das Aluminium, viel mehr hatte auch der Bundestrainer nicht auf seinem Zettel zu vermerken.

Löw kritisiert Chancenverwertung

"Nach der Pause haben wir das Spiel zu sehr verwaltet und den Zug zum Tor verloren. Was mir gefehlt hat, ist, dass wir das dritte oder vierte Tor machen", übte Löw dann doch leichte Kritik. "Wir haben insgesamt in der Qualifikation zu wenige Tore geschossen. Aber im Herbst kommt für uns die entscheidende Phase, wenn wir die Rückspiele gegen Polen, Schottland und Irland haben." 

Dennoch herrschte nach der Partie dank Müller, Reus und seinem Kumpel Götze Zufriedenheit. "Wir verstehen uns auf und neben dem Platz. Aber auch mit Mesut, man hat gesehen, dass wir Spaß hatten. Wir haben offensiv enorme Möglichkeiten", sagte Götze.

Nur Özil schöpfte sein Potenzial nicht aus, wieder einmal. Der Arsenal-Profi gab zwar den Pass vor Müllers 2:0, leistete sich aber viele einfache Fehler und fiel im Vergleich zu seinen Mitspielern ab.

Zurück zur Viererkette

Hinter der Offensivreihe zeigten Rückkehrer Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos solide Leistungen, Jerome Boateng und Mats Hummels hielten die Abwehr mit Sebastian Rudy und Jonas Hector auf den Außenpositionen sicher zusammen. Das Experiment mit der Dreierkette ist also vorerst auf Eis gelegt.

"Wir haben zu Null gespielt, das war gut. Aber gegen eine Mannschaft, die sehr tief steht, ist es schwierig, die Räume zu finden. Wir haben vorne den einen oder anderen einfachen Fehler gemacht", meinte Schweinsteiger.

"Wir wollen damit weiter machen"

Manuel Neuer, der nicht ein einziges Mal ernsthaft eingreifen musste und in der ersten Halbzeit nur dadurch auffiel, dass er einen Einwurf ausführte, fand es "ärgerlich, wenn du die klaren Chancen nicht nutzt, weil du dich dann richtig in Fahrt spielen kannst. Aber bis zum Abschluss war es okay, wir wollen damit weiter machen."

Im Juni steht zunächst ein Testspiel gegen die USA auf dem Programm, dann sollen in der EM-Qualifikation gegen Gibraltar die nächsten Pflichtpunkte eingefahren werden.

Das Spiel findet übrigens im portugiesischen Faro statt. Auch dort gehen die Uhren anders, denn in Portugal ist man eine Stunde hinter der deutschen Zeit zurück.

Video
teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel