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Kaiserslautern - Das Freundschaftsspiel gegen Australien zeigt die Schwächen in der deutschen Nationalmannschaft auf, nicht nur in der Abwehrkette. Doch der Bundestrainer bleibt gelassen und setzt auf den Faktor Zeit.

Joachim Löw lächelte ganz kurz, bevor er zur Analyse ansetzte.

Vor dem Testspiel gegen Australien hatte der Bundestrainer Experimente angekündigt, doch nach dem 2:2 gegen Australien gab es statt lachender nur lange Gesichter.

"Wir haben die Dinge nicht so umgesetzt, wie wir sie umsetzen wollten. Im ganzen Spiel haben wir in der Defensive nicht den Zugriff bekommen", lautete Löws wohl wichtigste Erkenntnis.

Die Abwehr wackelte arg und im Abschluss fehlte die Konsequenz. Wieder einmal. (REAKTIONEN: "Es muss sich keiner Sorgen machen")

Ob mit einer Dreierkette bei gegnerischem Ballbesitz, wie in der ersten Halbzeit, oder einer Viererkette nach der Pause - die deutsche Abwehr gab ein konfuses Bild ab.

Ungewohnte Dreierkette

Das lag einerseits an der zunächst ungewohnten taktischen Formation, andererseits aber auch an der personellen Konstellation, denn Benedikt Höwedes in der Mitte und Shkodran Mustafi sowie Holger Badstuber auf den Außenpositionen werden so wohl nie wieder zusammen bei einem Länderspiel auf dem Platz stehen.

"Man kann nicht erwarten, dass alles nach nur einer kurzen Trainingseinheit gleich funktioniert", sagte Löw und erklärte, er habe auch der veränderten Personalsituation Rechnung tragen wollen. (NEWS: Alles zum DFB-Team) 

Ohne Jerome Boateng und Mats Hummels hatte er seine Mannschaft auf den Rasen geschickt. Dafür gab Badstuber nach fast zweieinhalb Jahren sein Comeback im DFB-Team.

Badstuber bei Comeback leicht verletzt

Dem Bayern-Profi merkte man die fehlende Spielpraxis an. Die Abstimmung mit den Abwehrkollegen passte nicht, er leistete sich auch einen kapitalen, aber nicht bestraften, Stockfehler.

In der Pause blieb Badstuber in der Kabine. "Er hatte eine leichte Entzündung im Ansatz des Hüftbeugers", sagte Löw: "Es ist nicht so dramatisch, aber wir wollten kein Risiko eingehen."

Ob es an seiner Verletzung lag? Beim 1:1 der Australier sah Badstuber mit an, wie der junge Kölner Jonas Hector das Kopfballduell gegen James Troisi verlor und Ron-Robert Zieler sich im Tor vergeblich streckte.

Zuvor hatten Mesut Özil und Sami Khedira nach einem Einwurf die Flanke von Nathan Burns nicht unterbunden. Eine klassische Fehlerkette, nicht nur der Abwehrspieler.

Viel Hektik, wenig Klarheit

"Das Spiel war insgesamt ein bisschen hektisch“, analysierte Löw, "die erste Halbzeit war aus unserer Sicht ganz ordentlich, in der zweiten Halbzeit hat die Klarheit gefehlt."

Dazu fehlte die Entschlossenheit im Abschluss. Marco Reus schoss kurz nach seinem durch Khedira vorbereitetem Führungstor freistehend aus sechs Metern am Tor vorbei. 

Danach spielte sich das DFB-Team kaum Chancen heraus, was auch daran lag, dass Mesut Özil sein Können wieder einmal nur äußerst sporadisch aufblitzen ließ.

"Nach der Führung hätten wir es cleverer machen müssen und unsere Möglichkeiten nutzen müssen", sagte Mario Götze, der mit Reus in der ersten Hälfte den Angriff gebildet hatte.

"Potenzial nach oben"

Insgesamt habe die Mannschaft noch "Potenzial nach oben, was die Arbeit gegen den Ball betrifft".

Die Dreierkette müsse man noch trainieren, aber "gegen Georgien wird es ein anderes Spiel", meinte Götze.

Der Münchner gab auch einen kleinen Einblick in das Gefühlsleben der Spieler nach dem tragischen Flugzeugunglück einer Germanwings-Maschine in Südfrankreich.

"Es war ein Thema in der Mannschaft", sagte er. Vor dem Spiel gab es eine Schweigeminute, Höwedes trauerte um die toten Schüler aus seiner Heimatstadt Haltern.

Löw weiß um den Ernst der Lage

Der Test gegen Australien sei trotz der schwierigen Rahmenbedingungen gut gewesen, um etwas auszuprobieren, war der Tenor unter den Spielern. "In der Qualifikation kannst du das nicht mehr“, meinte Christoph Kramer.

Am Sonntag in Georgien ist ein Sieg Pflicht. Mit nur sieben Punkten aus den ersten vier Gruppenspielern belegt Deutschland in der EM-Qualifikation nur Platz drei.

"Wir wissen um den Ernst der Lage, aber es muss sich keiner um uns Sorgen machen", sagte Löw.

Er  wird weiter experimentieren, vielleicht auch in Georgien und im Juni in Faro gegen Gibraltar, wenn auch nicht so radikal wie gegen Australien.

"Ich bin bereit, in solchen Spielen das Risiko einzugehen", erklärte er. Veränderungen wie die Dreierkette brauchen ihre Zeit, betonte Löw: „Es wird Monate dauern, auf Knopfdruck wird das nicht so nicht funktionieren."

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