vergrößernverkleinern
Bobby Wood (r.) trifft zum Siegtor für die USA
Bobby Wood (r.) trifft zum Siegtor für die USA © Getty Images

Köln - Nach starker erster Hälfte baut der Weltmeister im Testspiel in Köln nach der Pause deutlich ab. Ausgerechnet ein Deutschland-Legionär schießt die Amerikaner zum Sieg.

Auf den Tag ein Jahr vor dem EM-Start haben Jürgen Klinsmann und die USA Schwächen der deutschen Weltmeister gnadenlos aufgedeckt.

Mit anfangs spielstarker Offensive, aber auch sehr wackliger Defensive verlor das DFB-Team gegen die Amerikaner in Köln ohne mehrere Stammspieler mit 1:2 (1:1) - und das verdient.

In sehr überzeugenden ersten 35 Minuten gelang der deutschen Nationalmannschaft von Bundestrainer Joachim Löw trotz bester Gelegenheiten nur das 1:0 durch Mario Götze (12.) - glänzend vorbereitet vom Mönchengladbacher Debütanten Patrick Herrmann, der seine Chance drei Tage vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar nutzte.

Neuformierte Viererkette wackelt

Dann riss allerdings der Faden, vier Minuten vor der Pause traf Mix Diskerud zum Ausgleich. Die junge deutsche Viererkette mit Sebastian Rudy, Antonio Rüdiger, Shkodran Mustafi und Jonas Hector war nicht nur in dieser Szene schlecht organisiert.

In der zweiten Halbzeit waren die USA die bessere Mannschaft gegen ein phasenweise konfuses DFB-Team.

Torhüter Ron-Robert Zieler rettete kurz vor dem Abpfiff gegen den freistehenden Michael Bradley (82.), gegen den Schuss von Bobby Wood (Erzgebirge Aue/87.) war er aber machtlos (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER).

Khedira trifft nur die Latte

Sami Khedira köpfte in der Nachspielzeit nur an die Querlatte des US-Tores (90.+4).

"Uns sind irgendwann die Kräfte geschwunden, wir konnten nicht mehr so richtig reagieren", sagte Löw: "Die USA waren bissig und besser im Spiel." Götze schloss sich dieser Meinung an und kritisierte die schwache Chancenauswertung.

"Wenn wir frühzeitig die Tore machen, sieht das anders aus", sagte der Torschütze in der ARD: "Das war ungünstig. Wir müssen am Samstag besseren Fußball spielen, dann kommen wir auch nicht in die Bredouille."

Debütant Herrmann überzeugt

Zunächst ohne Lukas Podolski, der in "seinem" Stadion auf der Bank Platz nehmen musste, schien der Weltmeister die von Löw geforderte Spannung aufgebaut zu haben und begann druckvoll.

Nach einem Seitenwechsel Herrmanns und einer Ablage von Götze, der im Sturm den Vorzug vor Max Kruse bekam, hatte Mesut Özil die erste Chance.

Fünf Minuten später hatte US-Keeper Brad Guzan gegen Götzes Schuss aus zehn Metern keine Chance. Herrmann war über den halben Platz marschiert und hatte Götze mustergültig bedient. Überhaupt war der 24-Jährige von seinem Klubkollegen Fabian Johnson anfangs nicht zu stoppen, er begeisterte die 40.348 Zuschauer in der bei weitem nicht ausverkauften Arena.

Zieler erhält Vorzug im Tor

Die US-Boys, die im Juli erneut den Gold Cup gewinnen wollen, versteckten sich nicht, spielten nach vorne aber zunächst hektisch und ungenau. Sie kamen somit kaum zu Chancen.

Diskerud (10.) verfehlte das Tor von Zieler, der in Abwesenheit von Manuel Neuer zum dritten Mal in Folge den Vorzug vor Roman Weidenfeller bekommen hatte.

Herrmann hätte die starke erste Halbzeit seiner Länderspiel-Karriere fast mit seinem ersten Tor gekrönt, doch nach einem Lupfer-Pass von Özil traf er den Ball nicht richtig (26.). Götze scheiterte nach einem weiteren schönen Zuspiel Özils freistehend an Guzan (SERVICE: Statistiken zum Spiel).

USA drehen auf

Der mit großem Applaus begrüßte Klinsmann hatte die drei Bundesliga-Spieler Johnson, Timothy Chandler (Eintracht Frankfurt) und John Brooks (Hertha BSC) in die Startelf beordert. Sie bildeten drei Viertel der Abwehrkette. Der Ingolstädter Alfredo Morales saß dagegen zunächst ebenso auf der Bank wie Wood.

Zur Halbzeit begann die Wechselorgie, was den Spielfluss hemmte. Löw brachte den gerade zu Juventus Turin gewechselten Khedira und nun auch Podolski, der zur Freude des Kölner Publikums die Kapitänsbinde von Bastian Schweinsteiger übernahm. Später kamen auch Christoph Kramer, Max Kruse und Karim Bellarabi zu ihrem Einsatz.

Viel lief aber nicht mehr zusammen, zudem tauchten die Amerikaner ab und an gefährlich im deutschen Strafraum auf - hätte sich Mustafi nicht in einen Schuss Chandlers geworfen, wäre es schon das 1:2 gewesen (56.).

Die deutsche Mannschaft ließ sich erst zehn Minuten später wieder vorne blicken, als Khedira mit dem Kopf nicht richtig an eine Flanke des nun unauffälligeren Herrmann kam. Zwingender blieben die Gäste.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel