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Shkodran Mustafi - Photocall
Shkodran Mustafi wechselte nach der WM im vergangenen Sommer nach Valencia © Getty Images

Köln - Shkodran Mustafi spricht vor dem Test gegen die USA im SPORT1-Interview über seine Rolle und die Probleme im DFB-Team. Er brennt darauf, mit Valencia Champions League zu spielen.

Shkodran Mustafi hat sich ganz nach oben gearbeitet.

Von der U 15 an hat der Abwehrspieler alle Auswahlteams des DFB durchlaufen bis zur A-Nationalmannschaft, mit der er im vergangenen Sommer in Brasilien Weltmeister wurde.

Nach der WM wechselte er aus Italien von Sampdoria Genua zum FC Valencia, mit dem er die Qualifikation zur Champions League erreichte.

Beim spanischen Topklub hat er seinen Platz in der Innenverteidigung sicher, in der Nationalmannschaft spielt er dort, wo ihn Bundestrainer Joachim Löw braucht. Im Testspiel gegen die USA (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER und in unserem Sportradio SPORT1.fm) darf er sich wahrscheinlich auf seiner Lieblingsposition im Abwehrzentrum beweisen.

Im SPORT1-Interview spricht der 23-Jährige über die Stärke der spanischen Liga und seine Vorfreude auf die Champions League, die anfänglichen Probleme des DFB-Teams in der EM-Qualifikation und nimmt Stellung zu einer möglichen Rückkehr nach Deutschland.

SPORT1: Herr Mustafi, vor fast einem Jahr sind Sie mit der Nationalmannschaft in Brasilien Weltmeister geworden. Ist das mittlerweile so richtig bei Ihnen angekommen?

Shkodran Mustafi: So richtig realisiere ich das immer noch nicht. Dazu hat man auch nicht die Zeit, ich muss das aber auch abhaken, denn ich habe noch andere Ziele. Erst mal muss man doch im Verein seine Leistung bringen und sie bestätigen. Wenn ich nach dem Spiel gegen Gibraltar Zeit habe, ein bisschen runterzukommen, lasse ich mir sicher noch mal alles durch den Kopf gehen.

SPORT1: Die beiden Länderspiele gegen die USA und Gibraltar liegen nach der abgelaufenen Saison nicht gerade optimal. Stört Sie der Termin und wie bauen Sie die Spannung wieder auf?

Mustafi: Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich die Spiele auch nicht auf diesen Monat legen. Aber uns sind die Hände gebunden und - mal ehrlich - es gibt auch keinen Grund zu meckern. Beide Spiele sind wichtig. Gegen die USA müssen wir uns als Mannschaft einspielen und gegen Gibraltar müssen wir unbedingt die drei Punkte holen.

SPORT1-Redakteur Thorsten Mesch mit Shkodran Mustafi

SPORT1: Sie haben mit Valencia die Qualifikationsspiele für die Champions League erreicht und waren im Meisterkampf das Zünglein an der Waage. Gegen Real Madrid haben Sie vier Punkte geholt, gegen den FC Barcelona keinen…

Mustafi: Ich hätte natürlich gerne gegen Barca mehr Punkte geholt, wir haben zuhause in der Nachspielzeit verloren und auswärts in der ersten und letzten Minute ein Tor kassiert. Außer gegen Barcelona haben wir aber gegen die großen Vereine vier oder mehr Punkte geholt.

SPORT1: Barca hat die Meisterschaft, den Pokal und die Champions League gewonnen. Wie groß ist der Abstand zu den anderen Vereinen?

Mustafi: Ich habe mir die Tabelle noch einmal genau angeguckt und war erstaunt. Hinter Barca (94) und Real Madrid (92) hatten Atletico (78), Valencia (77) und Sevilla (76) so viele Punkte, in anderen Ligen wäre man damit mindestens Vizemeister geworden. Das Niveau in La Liga ist unheimlich hoch, man darf sich keine Ausrutscher erlauben. Barca ist eine super Mannschaft und hat das Triple geholt, aber im Endeffekt hatten sie nur zwei Punkte Vorsprung auf Real.

SPORT1: Wie beurteilen Sie Barca und die Liga im Vergleich zu anderen Ländern?

Mustafi: Ich bin extrem glücklich, dass ich den Schritt nach Spanien gemacht habe, weil das Niveau einfach extrem hoch ist. Selbst ein Spiel beim 13. oder 14. der Tabelle ist schwer. Wenn man sieht, gegen wen sich Barca in der Champions League durchsetzen musste, ist das doch ein klarer Beleg, dass die spanischen Mannschaften auf Top-Niveau spielen.

SPORT1: Können Sie sich vorstellen, in absehbarer Zeit den Verein zu wechseln und vielleicht in Deutschland zu spielen?

Mustafi: Wenn ich irgendwann merken sollte, dass der Zeitpunkt kommt, an dem der nächste Schritt erforderlich ist, mache ich mir Gedanken, wohin es am sinnvollsten ist zu wechseln. Wenn irgendwann ein Wechsel in die Bundesliga ratsam scheint, dann würde ich das auch entscheiden. Aber solange ich in Valencia dazulernen kann, kommt ein Wechsel für mich nicht in Frage.

SPORT1: Hatten Sie mit den Startschwierigkeiten der Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation gerechnet?

Mustafi: Viele Fans denken vielleicht, wir sind jetzt die Nummer eins der Welt und jetzt wird alles einfach. Aber es ist genau anders herum. Wir sind Weltmeister geworden, und das zu bestätigen ist eigentlich die schwere Aufgabe. Wenn die anderen Mannschaften hören, dass sie gegen Deutschland spielen, dann machen sie das Spiel ihres Lebens und wollen mit aller Macht ein gutes Ergebnis erzielen.

SPORT1: Hat die Mannschaft die Rücktritte von Miroslav Klose, Philipp Lahm und Per Mertesacker schon kompensiert oder wirken sie noch nach?

Mustafi: Es ist nicht einfach, in die Fußstapfen dieser Spieler zu treten, egal für wen. Die Zeit mit ihnen war für mich Gold wert, einfach weil sie so viel erlebt haben. Man muss den anderen Spielern Zeit geben, man darf nicht erwarten, dass einer wieder 16 WM-Tore schießt. Die Erwartungen sind uns egal, wir konzentrieren uns auf unsere Ziele.

SPORT1: Tauschen Sie sich mit anderen Legionären aus, wie zum Beispiel mit Marc-Andre ter Stegen oder Emre Can, der in Liverpool den Durchbruch geschafft hat?

Mustafi: Ich freue mich für Marcs Erfolge in Barcelona und gratuliere ihm herzlich zum Sieg in der Champions League. Mit ihm habe ich mich ein paar Mal unterhalten, von Emre habe ich ab und zu mal etwas gehört. Der Kontakt ist da, aber nicht regelmäßig. Ich kann mich sehr gut in ihre Lage versetzen, auch was die anstehende EM der U 21 angeht, in der ich ja vor kurzem noch selbst gespielt habe. Wenn jemand mal einen Rat braucht, bin ich gerne da. Es ist nicht so, dass ich jetzt in der A-Nationalmannschaft bin und mich jetzt nur noch mit Mario (Götze) oder Sami (Khedira) unterhalte.

SPORT1: In Valencia spielen Sie in der Innenverteidigung, im Nationalteam mussten Sie Außenverteidiger spielen. Welche ist Ihre favorisierte Position?

Mustafi: Ich spiele gerne Innenverteidiger, aber am Ende entscheidet der Trainer. Wo der mich hinstellt, dort spiele ich auch. Daran wird sich auch nach 50 oder 60 Länderspielen nichts ändern.

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