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Bastian Schweinsteiger nach dem WM-Finale 2014
Bastian Schweinsteiger wird gegen Polen wohl sein 112. Länderspiel absolvieren © Getty Images

Frankfurt am Main - Bastian Schweinsteiger war oft verletzt, doch im entscheidenden Moment da. Für Joachim Löw und Klub-Trainer Louis van Gaal ist der DFB-Kapitän immens wichtig.

Joachim Löw weiß, was er an Bastian Schweinsteiger hat. Wenn es um alles geht, ist er zur Stelle.

So war es im WM-Finale 2014 gegen Argentinien, als der Mittelfeldchef die deutsche Mannschaft mit einer aufopferungsvollen und beeindruckenden Leistung zum Titel führte. Jeder erinnert sich an den blutenden Schweinsteiger auf dem Rasen des Maracana in Rio de Janeiro.

Was viele aber vielleicht vergessen haben, ist Schweinsteigers Weg ins Endspiel. Der Mittelfeldspieler hatte nach einer von Verletzungen überschatteten Saison in der Vorbereitung auf die WM zunächst fast nur Lauftraining absolviert. In Brasilien verpasste er den Auftaktsieg gegen Portugal, erst nach und nach steigerte Löw Schweinsteigers Spielzeit.

Doch als es um Alles oder Nichts ging, war Schweinsteiger da. In den K.o.-Spielen gegen Algerien und Frankreich stand er bereits in Löws Startelf, ebenso beim historischen 7:1-Halbfinalsieg gegen Brasilien.

"Alles in die Waagschale werfen"

Am Freitag gegen Polen (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) und am Montag in Schottland (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) geht es zwar nicht um alles, aber um sehr viel: die Qualifikation für die Europameisterschaft.

Mit einem Sieg gegen Polen würde das DFB-Team die Tabellenführung übernehmen und drei Tage später den entscheidenden Schritt für die Teilnahme an der Endrunde machen.

"Zwei wichtige Spiele liegen vor uns, darauf freut man sich. Wir wollen voll angreifen und werden alles in die Waagschale werfen", kündigte der Kapitän am Dienstag in Frankfurt an.

Löw lobt Siegeswillen und Führungsqualitäten

Dass Schweinsteiger die Mannschaft nach Frankreich führen wird, davon ist auch der Bundestrainer überzeugt.

"Ich brauche ihn dann, wenn es für uns wichtig ist. Dann weiß ich, dass er führt und Verantwortung übernimmt und Siegeswillen zeigt wie kein anderer", sagte Löw zuletzt im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Doch Wille allein reicht nicht, das wissen der Bundestrainer und auch sein verlängerter Arm auf dem Rasen. Der Körper muss auch mitspielen.

Schweinsteiger kann die Mannschaft nur anführen, wenn er wirklich fit ist - und das war er in der Vergangenheit eben häufig nicht.

Immer wieder warfen kleinere oder größere Blessuren den mittlerweile 31-Jährigen zurück, im Verein und in der Nationalmannschaft verpasste er etliche Partien.

Trainer sind gefordert

"Bastian hat viele große Turniere und viele Jahre bei einem Spitzenverein hinter sich. Der Kraftaufwand war enorm. Vielleicht brauche ich ihn nicht mehr in jedem Testspiel", meinte Löw.

Schließlich müsse man "bei Spielern über 30, die über Jahre hinweg einer unglaublich hohen Belastung ausgesetzt waren, als Vereins- oder Nationaltrainer auch wissen, wann man ihnen eine Pause zugesteht".

Löw weiß genau, wie er die Belastung zu dosieren hat, schließlich begleitet er Schweinsteiger schon seit 2004 in der Nationalmannschaft. Auch Louis van Gaal kennt seine Stärken und Schwächen aus dem Effeff. Von 2009 bis 2011 trainierte er Schweinsteiger beim FC Bayern, seit Mitte Juli coacht er ihn bei Manchester United.

Van Gaal setzt auf seine Nummer 31

Trotz einiger Anlaufschwierigkeiten setzt der Niederländer voll auf seine Nummer 31. "Ich will Schweinsteiger langsam heranführen", erklärte der Niederländer zuletzt.

Bastian Schweinsteiger spielt bei ManUnited keine Rolle mehr
Schweinsteiger trägt auch in Manchester die Nummer 31 © Getty Images

Bisher konnte der Ex-Münchner dem Spiel der Red Devils nicht seinen Stempel aufdrücken. In der bekannt hitzigen englischen Boulevardpresse wurden seine ersten Kurzauftritte kritisch beurteilt. Am Wochenende absolvierte Schweinsteiger erstmals ein Spiel über 90 Minuten, doch er leistete sich einen Fehler und United handelte sich prompt die erste Saisonniederlage ein.

Doch der DFB-Kapitän blickt nach vorn. "Ich habe bei United jeden Tag eine neue Herausforderung. Das bringt mich weiter", betont er. Sein Vereinstrainer, von dem Schweinsteiger am Dienstag sagte, er habe "sein Herz immer noch am rechten Fleck", gewährt ihm die Zeit, die er zur völligen Eingewöhnung in England braucht.

Denn auch van Gaal weiß, was er an Schweinsteiger hat: "Er ist ein Spieler, der auf dem Platz coacht. Wir brauchen ihn in unserem Team."

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