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Dublin - Mats Hummels verteidigt sich und erklärt seine Kritik nach Dortmunds Pleite in München. Der Abwehrspieler bekommt Unterstützung vom Bundestrainer, doch das Thema ist noch nicht vom Tisch.

Als Mats Hummels seine letzte Antwort gegeben hatte, sagte DFB-Pressesprecher Jens Grittner: "Sehen Sie, der Mats kann darüber lachen." Doch Hummels fiel ihm ins Wort: "Nein!"

Dass er gern das Stilmittel der Ironie benutzt, hatte er gerade in Bezug auf seinen Tweet vor dem Abflug nach Dublin mit dem Hasthag #Motzki erklärt.

Vergleich mit Sammer

"Ich weiß, dass Matthias Sammer den Namen weg hatte. Ich wurde im Freundeskreis schon so genannt und habe den Namen einfach übernommen", verriet der 26-Jährige. Er gehe "mit solchen Themen immer ironisch um."

Doch ganz so witzig fand er die große Aufregung über seine Kritik nach dem 1:5 von Borussia Dortmund beim FC Bayern dann doch nicht.

"Keine Grenze überschritten"

"Ich habe mit keinem Wort eine Grenze überschritten", sondern "auf mannschaftstaktische Fehler hingewiesen", stellte der Dortmunder klar, der sich seine Interviews nach der BVB-Pleite in München extra noch einmal angeschaut hatte. Er habe "nichts gesehen, was an meinen Aussagen großartig erschütternd war", meinte er.

Hummels betonte, dass er "keinen persönlich genannt und auch mich nicht ausgenommen habe, das wurde aber anders geschrieben." Er sei es aber ohnehin "gewohnt, dass meine Worte so benutzt werden, wie sie für Schlagzeilen gut sind. Die Messlatte für das, was ein Skandal ist, sei "sehr niedrig geworden", schloss er seine Medienschelte.

Löw springt Hummels zur Seite

Rückendeckung hatte der Innenverteidiger zuvor von Joachim Löw bekommen. "Seine Aufgabe als Kapitän ist es, Klartext zu sprechen. Ich glaube, dass ein Kapitän das Recht hat, seinen Unmut auszudrücken", hatte der Bundestrainer sich auf die Seite seines meinungsstarken Abwehrspielers geschlagen. Hummels habe "die Mannschaft kritisiert, nicht einzelne Spieler. Was er gesagt hat, war nachzuvollziehen", sagte Löw.

Hummels konnte sich über die Unterstützung durch den Bundestrainer freuen, doch aus der Welt ist die Angelegenheit damit noch längst nicht.

Gespräch mit BVB-Boss Watzke steht noch aus

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke hatte im SPORT1-Interview angekündigt, dass er mit Hummels ein Gespräch unter vier Augen führen werde.

"Ich halte ganz viel davon - und ich hoffe, dass auch Mats das irgendwann so hält - dass wir diese Dinge intern aufarbeiten. Das werden wir tun", hatte Watzke gesagt.

Ob ihn Watzke schon zum Rapport bestellt habe, wurde Hummels in Dublin gefragt. "Nein, wir haben noch nicht gesprochen Das wird intern in Dortmund geregelt", antwortete er.

Beim BVB waren Hummels' Worte nach der bitteren Pleite in München überhaupt nicht gut angekommen.

"Mats sollte als Kapitän Vorbild sein und voran gehen - insbesondere in der Thematik Selbstkritik", hatte Sportdirektor Michael Zorc der Bild gesagt.

"Bereit, sich unbeliebt zu machen"

Simon Rolfes, selbst jahrelang Kapitän in Leverkusen, mahnte Hummels zur Vorsicht. "Man muss in der Wortwahl immer aufpassen, weil jedes Wort natürlich auf die Goldwaage gelegt wird", sagte der Ex-Nationalspieler. Es sei aber "wichtig für eine Mannschaft, dass es einen Spieler gibt, der seine Meinung sagt."

Der ehemalige Bundesligatrainer Christoph Daum nannte Hummels' Kritik sogar verantwortungsvoll. "Im Sinne des Mannschaftserfolges", meinte Daum, sei Hummels "bereit, sich unbeliebt zu machen."

BVB-Vereinskollege Ilkay Gündogan hatte Hummels am Montag auf der DFB-Pressekonferenz ebenfalls in Schutz genommen, der Debatte zwischen den Zeilen aber auch neue Nahrung geliefert. Am Dienstag saßen beide auf dem Flug nach Dublin lachend nebeneinander.

Neue Freunde dürfte Hummels seine Motzki-Kritik aber wohl nicht eingebracht haben.

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