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Sportpsychologe Jens Kleinert sieht die Folgen der Anschläge von Paris für die Psyche der DFB-Spieler nicht unproblematisch. Die Gefahr eines Traumas sieht er aber nicht.

Vor dem Freundschaftsspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Niederlande in Hannover (ab 20.15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) hat sich Sportpsychologe Jens Kleinert bei SPORT1 über die mentale Verfassung der deutschen Nationalspieler geäußert.

Kurzzeitig wurde nach den Terroranschlägen von Paris über eine Absage der Partie nachgedacht, doch am Sonntag entschlossen sich die Verantwortlichen des DFB, dass die Partie stattfindet.

"Es ist ganz wichtig, dass alle im gesamten Team der Meinung sind, dass das Spiel stattfinden soll. Man muss da wirklich dazu stehen und es darf nicht von außen aufgezwungen werden", sagte Kleinert, Professor für Sport- und Gesundheitspsychologie an der Deutschen Sporthochschule Köln .

Die Anschläge von Paris seien zwar "ein wichtiges und bewegendes Ereignis, aber kein Trauma", erklärte der Psychologe. Die Geschehnisse am Rande des Länderspiels gegen Frankreich können laut Kleinert zwar "eine starke Auswirkung haben, aber das ist eher selten. Man erfährt solche starken Auswirkungen nur bei traumatischen Erlebnissen, davon ist nicht auszugehen", sagte er SPORT1.

Angstgefühl kann schnell zurückkehren

Kleinert rechnet damit, dass die Nationalspieler ein solches Erlebnis "in ihrem Kopf behalten werden, nicht an der bewussten Oberfläche des Kopfes, sondern tief drin und es hängt immer von der Situation ab, ob so etwas wieder aufflackert".

Der Psychologe macht sich Sorgen, wie die Akteure künftig reagieren werden, wenn auf der Tribüne in Zukunft Pyrotechnik gezündet wird. "Ich möchte dann kein Spieler sein, wenn nur ein Böller im Stadion gezündet wird", sagte er SPORT1. "Solche Momente können den Gedanken an Paris schnell wieder zurück holen, aber im Normalfall bleibt es im Inneren der Psyche drin und die Spieler laufen nicht bewusst damit herum."

Konzentrationsschwächen sieht Kleinert bei den DFB-Spielern nicht. "Nationalspieler können sich sehr stark konzentrieren, das ist deren Job. Das Ereignis ist weiter da, in den meisten Fällen wird es nicht das Handeln beeinflussen, aber es kann Situationen geben, wo man dann doch abgelenkt ist", warnte er.

Ein ausführliches Interview mit Jens Kleinert sehen Sie heute Abend ab 18.30 bei Bundesliga Aktuell LIVE im TV auf SPORT1.

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