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Paris - Nach langer Leidenszeit steht Mario Gomez vor seinem zweiten Comeback in der Nationalmannschaft. Der 30-Jährige muss sich für sein letztes großes Turnier empfehlen.

Mario Gomez wirkte, als sei er mit seinen Gedanken ganz woanders.

Ob er beim Abschlusstraining vor dem Spiel gegen Frankreich (ab 20.30 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) im Kopf hatte, dass er im Stade de France vor den Toren der französischen Hauptstadt sein vorletztes Länderspiel vor der WM 2014 absolviert hatte?

Die Antwort weiß nur Gomez selbst, doch er sah am Donnerstagabend aus, als würde er über etwas grübeln.

Im Februar 2013 wurde er beim 2:1-Sieg in Frankreich ausgewechselt. Es folgte noch ein Freundschaftsspiel sechs Monate später gegen Paraguay, doch dann verletzte er sich schwer und schaffte es nicht nach Brasilien.

Pfiffe nach der WM

Nach der WM lud ihn Bundestrainer Joachim Löw wieder ein, Gomez stand bei der Neuauflage des WM-Finales gegen Argentinien sogar in der Startelf.

Doch als er mehrere gute Torchancen ausgelassen hatte, pfiffen ihn die Zuschauer in Düsseldorf gnadenlos aus. Wieder einmal.

Schwere Zeit in Italien

Auch im Verein lief es alles andere als optimal. Nach seinem Wechsel  vom FC Bayern zum AC Florenz hatte er sich jene Knieverletzung zugezogen, wegen der er die WM verpasste.

In zwei Jahren in Italien brachte er es nur auf 27 Spiele, in denen er neun Tore erzielte. "Verkorkst" nannte Gomez am Dienstag in München seine Zeit in Italien. Dort sehen sie es ähnlich.

Mittelstürmer ein Auslaufmodell?

"Er kam als ein großer Star vom FC Bayern nach Florenz, die Leute haben viel erwartet, aber er war meistens verletzt. Wir haben nie den wahren Gomez gesehen", sagt der Journalist Alessandro Grandesso von der Gazzetta dello Sport im Gespräch mit SPORT1.

Zudem habe Gomez es bei seinem damaligen Trainer der Fiorentina, dem ehemaligen italienischen Nationalstürmer Vincenzo Montella, nicht leicht gehabt.

"Er hat nicht zu Montellas Stil gepasst", meint Grandesso, "Montella spielt mehr modernen Fußball mit beweglichen Angreifern, ein bisschen wie Löw."

Der Bundestrainer hatte in den vergangenen zwei Jahren auf Spielertypen wie Gomez verzichtet. Statt eines echten Mittelstürmers hatte Löw auf flexibles Angriffsspiel mit technisch starken Offensivspielern gesetzt.

Der Erfolg gab Löw recht, doch die Chancenverwertung ließ zuletzt in der EM-Qualifikation arg zu wünschen übrig.

In der Türkei aufgeblüht

Gomez hingegen blühte nach seinem Wechsel aus Italien in die Türkei wieder auf. Für Besiktas Istanbul traf er in den vergangenen zwölf Spielen neun Mal. Beim Tabellenführer der Süper Lig ist Gomez derzeit unverzichtbar, doch auf allerhöchstem Niveau muss er sich  erst einmal wieder beweisen.

"Es ist für viele nicht die stärkste Liga, aber ich habe meinen Rhythmus", sagte er am Dienstag in München. Der Bundestrainer weiß das Niveau des türkischen Fußballs einzuschätzen, Löw war Trainer bei Fenerbahce Istanbul, doch er wollte sich selbst ein Bild machen.

"Ich habe Mario in Istanbul gesehen, er macht einen guten Eindruck, ist austrainiert und er ist sehr selbstbewusst aufgetreten", sagte Löw am Donnerstag in Paris. Gomez habe "diese unglaubliche Motivation, es dieses Mal zu schaffen und bei der EM eine Rolle zu spielen."

Letzte Treffer im DFB-Team vor mehr als drei Jahren

Sein letztes Turnier war die EM 2012. In Erinnerung ist vor allem die Kritik von TV-Experte Mehmet Scholl an Gomez nach dem Auftaktspiel gegen Portugal.

"Ich hatte zwischendurch Angst, dass er sich wund liegt und mal gewendet werden muss", hatte der Ex-Nationalspieler über den Siegtorschützen gesagt. Dafür erntete Scholl selbst Kritik, aber auch die Auszeichnung als Fußballspruch des Jahres.

Für Gomez blieb nur der Spott, obwohl er im anschließenden Gruppenspiel beide Treffer zum 2:1 gegen die Niederlande erzielte. Es waren seine bislang letzten Tore im Nationaltrikot.

An guten Tagen tödlich

Auf die Frage, ob er sich als "tödlich" sehe, antwortete Gomez in dieser Woche: "An guten Tagen ja", auch wenn er das Wort "tödlich" nicht möge. Doch will er bei der EM dabei sein, braucht er seinen Killerinstinkt. Und er muss verletzungsfrei bleiben.

30 Jahre alt ist er inzwischen, die EM könnte sein letztes großes Turnier sein. In 60 Länderspielen hat Gomez 25 Mal getroffen, er weiß, wie es funktioniert. Doch er muss es auch im Trikot mit den vier Sternen zeigen.  

Sollte es in Frankreich noch nicht klappen, dann vielleicht am Dienstag. An die Niederlande hat er schließlich gute Erinnerungen.

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