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Thomas de Maiziere
Thomas de Maiziere wollte das Ausmaß der Gefährdung nicht weiter kommentieren © Getty Images

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere äußert sich zu den Hintergründen der Länderspiel-Absage - will aber nicht alles, was er weiß, offenlegen.

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere hat nach der Absage des Länderspiels zwischen Deutschland und den Niederlanden am Dienstagabend in Hannover keine Details zu den Hintergründen genannt. Die Absage sei "aus Gründen des Schutzes der Bevölkerung" erfolgt.

"Die Hinweise auf die Gefährdung des heutigen Fußballspiels haben sich im Laufe des Abends so verdichtet, dass wir nach Abwägung dringend empfohlen haben, dieses Länderspiel abzusagen", sagte de Maizière während einer Pressekonferenz in Hannover: "Die Quelle und das Ausmaß der Gefährdung möchte ich nicht weiter kommentieren."

Niederachsens Innenminister Boris Pistorius sagte: "Eine Austragung des Spieles wäre nicht zu verantworten gewesen."

Laut Pistorius sei aber bis zu diesem Zeitpunkt kein Sprengstoff gefunden worden.

DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball sprach von einem "traurigen Tag für Deutschland und den deutschen Fußball. Dass unsere Mannschaft zweimal in vier Tagen ein solch tragisches Erlebnis erfährt, war nicht vorstellbar", sagte Rauball: "Mein Eindruck ist, dass der Fußball in Deutschland mit dem heutigen Tage in vielen Facetten eine andere Wende bekommen hat."

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere über:

... die Gründe für die Absage des Länderspiels in Hannover:

"Die Gefährdung für Deutschland und Hannover ist hoch, die Lage ist ernst, das sage ich seit Längerem und habe ich nachdrücklich wiederholt nach dem Anschlag von Paris. Hinweise auf die Gefährdung des Fußballspiels haben sich im Laufe des frühen Abends so verdichtet, dass die Behörden des Bundes und ich nach Abwägung der Vor- und Nachteile, nach sorgfältiger Überlegung, aus Gründen des Schutzes der Bevölkerung dringend empfohlen haben, dieses Länderspiel abzusagen. Mir persönlich ist das als Bundesinnenminister und Sportminister nicht leicht gefallen."

 ... die Hintergründe:

"Ich möchte die Quelle und das Ausmaß der Hinwiese und der Gefährdung nicht weiter kommentieren, das würde Rückschlüsse auf unser Verhalten zulassen und möglicherweise dazu führen, dass Hinweisgeber keine Hinweise mehr geben. Wir alle hatten uns auf das Spiel gefreut als eine besondere Geste des Fußballs, des Landes Niedersachsen und Deutschlands sowie auch als Geste des Nationalteams weit über die sonst übliche Kameradschaft hinaus. Umso bitterer ist eine solche Entscheidung und umso schwerer ist sie uns gefallen. Aber in solch schwieriger Lage hat im Zweifel der Schutz der Menschen Vorrang - und diesem Zweifel sind wir deswegen gefolgt."

 ... eine möglicherweise anhaltende Gefährdungslage:

"Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern und unser Verhalten in Zukunft erschweren. Ich bitte die deutsche Öffentlichkeit um einen Vertrauensvorschuss gegenüber dem Landesinnenminister und gegenüber mir, dass wir gute Gründe, bittere Gründe hatten, das Spiel abzusagen."

 ... mögliche Konsequenzen:

 "Wir sind uns einig, auch und gerade nach dem heutigen Abend, dass wir nicht bereit sind, unsere Lebensweise grundsätzlich zu ändern. Wir wollen uns treffen auf großen Veranstaltungen, in Fußballstadien, auf Weihnachtsmärkten und Volksfeste feiern - und das wird so bleiben. Dennoch muss im Einzelfall immer eine Abwägung getroffen werden, die mit dem Schutz der Menschen zu tun hat."

 ... den Zeitpunkt der Entscheidung:

"Ich bin mit der Kanzlerin gemeinsam nach Hannover geflogen, und die Entscheidung ist während des Fluges und gleich nach der Landung getroffen worden. Mein erster Anruf galt Herrn Pistorius (niedersächsischer Innenminister, d.Red.), mein zweiter Herrn Rauball (DFB-Interimspräsident). Die Kanzlerin ist (daraufhin) zurück."

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