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Hannover - Nach der Absage des Länderspiels Deutschland gegen die Niederlande kehrt etwas Normalität und Ruhe in Hannover ein. SPORT1 blickt zurück auf den schlimmen Abend.

Am Morgen danach ist in Hannover wieder der Alltag eingekehrt. Am Hauptbahnhof stehen zwar einige Polizeiwagen, aber alles ist wie sonst auch an einem Mittwoch. Die Menschen gehen wie gewohnt zu den Zügen, fahren zur Arbeit.

Am Abend zuvor ist nichts normal. In Niedersachsens Landeshauptstadt herrscht nach der Absage des Länderspiels zwischen Deutschland und den Niederlanden Ausnahmezustand. Die Straßen sind leer, die Stimmung gespenstisch.

Am Hauptbahnhof wird noch in der Nacht eine vermeintliche Bombe entdeckt und kontrolliert gesprengt. Es war  zum Glück nur eine gut gemachte Attrappe.

Vier Tage nach den Anschlägen von Paris und Saint Denis sollte mit der Austragung des Spiels ein Zeichen gegen den Terror gesetzt werden.  Doch am Dienstagabend bekommt Hannover einen Eindruck davon, wie sich Terror anfühlt. (Spieltagsabsage? Das sagt der Experte!)

Beamte in Schutzwesten

Am Mittag ist alles ruhig. Ab und zu fahren Polizeikonvois durch die Stadt, aber das kennt man von anderen Fußballspielen. Rund um den Bahnhof und in der Fußgängerzone sind viele Beamte mit Schutzwesten unterwegs, doch das beunruhigt niemanden. Nach den Attentaten vom Freitag in Paris gibt einem die erhöhte Polizeipräsenz eher ein Gefühl der Sicherheit.

Am Nachmittag, fünf Stunden vor dem Anpfiff, ist an der HDI-Arena noch nichts los, gegenüber stehen Polizei-Bullis. Die meisten Fans sind noch in der Stadt. Plötzlich Aufregung wegen eines verdächtigen Koffers - zum Glück ein Fehlalarm. Dennoch: Erinnerungen an Paris kommen hoch.

Am frühen Abend versammeln sich Menschen zu einer Lichterkette. Jemand spielt Imagine von John Lennon. Ein paar Hundert Menschen gehen mit Kerzen und Laternen in Richtung Stadion. Sie sind kaum angekommen, da verbreitet sich die Nachricht: Das Spiel ist abgesagt!

Fassungslosigkeit in den Gesichtern der Menschen. Unverständnis, Ärger, aber keine Angst. Dann die Durchsage der Polizei: "Das Spiel wurde aufgrund einer konkreten Gefährdungslage abgesagt. Wir bitten Sie, sich vom Stadion zu entfernen."

Ungutes Gefühl in der Magengrube

In der Magengrube macht sich wieder dieses ungute Gefühl breit, wie am Freitag in Paris. Die Menschen verhalten sich sehr diszipliniert, machen sich auf den Heimweg. In einem Hotel am Maschsee, nur einen Katzensprung vom Stadion entfernt, sitzen Leute im Restaurant. Sie diskutieren, trinken, ein Mann am Fenster isst in Ruhe eine Currywurst.

Währenddessen verbreiteten sich Gerüchte über einen verdächtigen Rucksack, einen Koffer, einen Verdächtigen im Stadion und einen mit Sprengstoff gefüllten Krankenwagen.

Wir gehen zu einem Italiener am Sprengel-Museum. Ich verfolge die Pressekonferenz mit Bundesinnenminister Thomas De Maiziere, Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius und DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball über einen Livestream.

Rauball erzählt, der Mannschaft gehe es gut, die Spieler seinen schon auf dem Heimweg. Pistorius sagt, es sei keine Bombe gefunden und niemand festgenommen  worden, die Polizei werde aber verstärkt Präsenz zeigen.

Verunsicherung der Bevölkerung

De Maiziere wird gefragt, ob noch immer eine Gefährdungslage bestehe.  „Verstehen sie bitte, dass ich darauf keine Antworten geben möchte, ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern“, sagt der Minister. Zum Glück ist niemand verletzt worden, es hört sich aber wie ein "noch nicht" an.

Mit einem noch schlechteren Gefühl in der Magengrube machen wir uns auf den Heimweg. Während wir ein Taxi suchen, kommt eine Polizeistreife und leuchtet uns mit einem Suchscheinwerfer an.

Im Taxi fahren wir durch eine leere Stadt. Vier Tage nach Paris. Ein Deja-vu. Die Nacht ist kurz, das Wetter ist stürmisch. Der Zug nach München hat Verspätung. Ein umgestürzter Baum. 30 Minuten Verspätung. Echte Probleme sehen anders aus.

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