vergrößernverkleinern
Joachim Löw
Joachim Löw hat noch keine ideale Abwehrformation gefunden © Getty Images

Berlin und München - Bundestrainer Joachim Löw hat in der Defensive viel probiert, vor allem bei den Außenverteidigern. Doch er hat noch keine Lösung gefunden. Die Zeit bis zur EM wird knapp.

Wenn es nach der 2:3-Niederlage gegen England überhaupt Gewinner in der deutschen Hintermannschaft gab, dann vielleicht Shkodran Mustafi und Jerome Boateng.

Mustafi, weil er 90 Minuten nur auf der Bank saß. Boateng, weil er wegen seiner Muskelverletzung nicht im Kader stand.

Die nicht überraschende Erkenntnis der Pleite von Berlin: Boateng ist im Zentrum nicht zu ersetzen, die Außenpositionen fallen im Vergleich zur Innenverteidigung sogar noch eklatant ab.

Ein Nachfolger für Philipp Lahm ist weit und breit nicht in Sicht, Bundestrainer Joachim Löw läuft bis zur EM die Zeit davon.

Bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien spielte der Bayern-Kapitän die ersten vier Spiele auf der Sechs, erst ab Spiel Nummer fünf übernahm er hinten rechts für Mustafi und alles war gut.

"Außenpositionen sind die Schwachpunkte"

"Die Außenpositionen sind unsere Schwachpunkte“, sagte Ex-Nationalspieler Steffen Freund im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1. Bei der EM brauche man stärkere Spieler.

Die Verlierer hießen vor allem Emre Can und Jonas Hector. Can und Hector konnten als Rechts- bzw. Linksverteidiger nicht überzeugen. Innen kam Antonio Rüdiger nicht nur beim spektakulären 2:2 durch Jamie Vardy zu spät.

Schlafmützig und fahrig

Jonathan Tah, der in der zweiten Halbzeit den angeschlagenen Mats Hummels in ersetzte, freute sich zwar über sein Nationalmannschaftsdebüt und machte keinen gravierenden Fehler, ärgerte sich aber dennoch.

"Wir hätten einfach wacher sein müssen, dann hätten wir die Gegentore vielleicht nicht gekriegt", sagte Tah zu SPORT1.

Schlafmützig und fahrig präsentierte sich das DFB-Team als Ganzes, doch die Abwehrprobleme traten wieder offen zu Tage.

Notlösungen statt Spezialisten

Can spielt beim FC Liverpool unter Jürgen Klopp im Mittelfeld eine starke Saison. Bei Löw ist er auf der rechten Abwehrseite nur eine Notlösung. Mit dieser Aufgabe war der 22-Jährige gegen die schnellen und entschlossen auftretenden Engländer aber überfordert.

Weder Can, noch Matthias Ginter oder Sebastian Rudy, die beide in ihren Vereinen meistens im Mittelfeld eingesetzt werden, drängen sich auf. Auch Rüdiger und Mustafi hatten sich schon auf rechts versucht.

"Wir haben viel probiert, und wir werden vielleicht auch noch etwas probieren", hatte Löw vor dem Spiel gesagt. Er habe "viele Möglichkeiten", müsse sich aber "nicht für die EM festlegen". Eine Rückkehr von Lahm sei auf jeden Fall "keine Option".

Löw: "Hector ist gesetzt"

Nicht besser ist die Lage auf der linken Seite. "Jonas Hector ist im Moment bei uns gesetzt", hatte der Bundestrainer erklärt. Doch Hector, in Köln zuletzt häufig im Mittelfeld aufgeboten, bekam seine Grenzen aufgezeigt.

Der Schalker Benedikt Höwedes, der bei der WM als Linksverteidiger ausgeholfen und überzeugt hatte, hat seit Dezember nicht gespielt. Der Dortmunder Erik Durm, bei der WM noch im Kader, wurde zuletzt nicht eingeladen, sein Vereinskollege Marcel Schmelzer spielt beim BVB eine gute Saison, bei Löw spielt er aber keine Rolle mehr.

Seit Lahms Rücktritt versucht sich der Bundestrainer nach dem Prinzip "trial an error". Eine Lösung hat er noch nicht gefunden.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel