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München - Bundestrainer Joachim Löw stellt Mario Götze für die EM einen Freifahrtschein aus, deutet aber ein Ende seiner Geduld mit Bayerns Sorgenkind an. Wird der BVB zum Ausweg?

An der Seite von Marco Reus wirkte die Trainingseinheit für Mario Götze ziemlich tiefenentspannt. Von trüben Gedanken keine Spur.

Beim Dehnen mit dem alten BVB-Kumpel hatte der Held des WM-Endspiels wohl auch Gelegenheit, über dies und das zu klönen. Womöglich sogar über die eigene sportliche Situation beim FC Bayern.

Die ist bekanntlich höchst schwierig. Bei Trainer Pep Guardiola steht Götze auf dem Abstellgleis und darf zumeist nur noch zuschauen. Zuletzt in der Partie beim 1. FC Köln (1:0), obwohl die Münchner zahlreiche Stammspieler schonten.

Umso mehr genießt der 23-Jährige deshalb den Freifahrtschein beim DFB-Team vor dem Länderspiel gegen England (Sa., ab 20.15 Uhr im LIVETICKER).

Löw: "Lohnt sich immer, ihn zu unterstützen"

Bundestrainer Joachim Löw meinte: "Bei uns in der Nationalmannschaft hat Götze in den letzten Jahren auch nicht immer von Anfang an gespielt."

Man kann das Schonfrist nennen, Götze zehrt von den Verdiensten der Vergangenheit. Löw fügte deshalb an, er werde "auf jeden Fall bei der EM auf ihn zählen. Dass junge Spieler mal durch das Tal der Tränen gehen, ist normal. Aber es lohnt sich immer, Mario zu unterstützen. Denn er kann Dinge, die andere nicht können."

Kein Platz also gegenwärtig für Zweifel und Skepsis - auch wenn Götze kaum Spielpraxis hat, nach seinem Comeback nach langer Verletzungspause nur 54 von 720 möglichen Minuten zum Einsatz kam.

Müller glaubt an Götze

Ähnlich hatte es im exklusiven SPORT1-Interview auch schon Thomas Müller ausgedrückt: Götze werde bei der "EM eine sehr gute Rolle spielen und wichtig für die Mannschaft sein".

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"Bis zur EM ist noch ein langer Weg. Mario kommt aus einer sehr langen Verletzung. Ich denke, wir werden ihn in den nächsten Wochen wieder spielen sehen", ergänzte Müller.

Allerdings: Bei den Bayern scheint das allenfalls nur dann noch realistisch, wenn bei Guardiola auf der Saison-Zielgeraden der ganz große personelle Notstand ausbricht und gar keine Alternativen mehr blieben.

So irreparabel erscheint die Verbindung zwischen dem Trainer und dem Offensivspieler, dessen Vertrag an der Isar noch bis Juni 2017 läuft. Ob lediglich Missverständnis oder nicht: Eine Klärung will mittelfristig auch Löw.

Der Bundestrainer sagt zwar (noch) diplomatisch: "Ich kann die Situation bei den Bayern bedingt aus der Ferne nachvollziehen."

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Fitness-Defizit unverkennbar

Ein Stück weit hat Löw aber Verständnis dafür, dass Guardiola auf Götze verzichtet: "Mario war viele, viele Wochen verletzt. Insofern sind die Entscheidungen des Trainers nachvollziehbar. Denn der FC Bayern muss alles gewinnen. Die Bayern haben einen Trainer, der eine klare Vorstellung hat. Es herrscht großer Konkurrenzkampf."

Nicht anders verhält es sich aber beim DFB-Team. Löw selbst habe im Training auch gemerkt, "dass Mario, was Fitness und Form betrifft, noch nicht da ist, wo er vor seiner Verletzungspause war. Da merkt man deutlich, dass die Spielpraxis fehlt."

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Was geht da mit dem BVB?

Der Bundestrainer kündigte deshalb an, er werde "sicher in den nächsten Tagen mal in Ruhe mit ihm sprechen. Da werden wir zusammen ein paar Gedanken entwickeln und versuchen, zusammen eine Lösung zu finden. Aber ich kann schwer beurteilen, wie seine weitere Zukunft aussieht."

Vielleicht liegt die ja tatsächlich bei Ex-Klub Borussia Dortmund. Auch wenn die BVB-Fans das ablehnen und Hans-Joachim Watzke genervt ist über die neuerlichen Spekulationen hinsichtlich einer Rückholaktion.

"Das", kommentierte der BVB-Geschäftsführer einen entsprechenden Bild-Bericht, "ist das übliche Theater in der Länderspielpause".

Aber manchmal kann es ja schon erbaulich sein, sich bloß über Theater zu unterhalten. Wie Götze und Reus.

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