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Berlin und München - Bundestrainer Joachim Löw ärgert sich über unnötige die Pleite gegen die Briten und sieht viele Probleme - nicht nur in der Abwehr. Bis zur EM in Frankreich gibt es viel zu tun.

Nachdem Joachim Löw die letzte Frage der Journalisten beantwortet hatte, wollte der vom DFB eingeladene elfjährige Kinderreporter Leonhard vom Bundestrainer wissen, wie er denn mit der 2:3-Niederlage gegen England umgehe. (Reaktionen)

"Es war ein Testspiel, da ist eine Niederlage nicht ganz so schwer zu verkraften, damit können wir mal leben", meinte Löw zuerst etwas säuerlich lächelnd, doch dann ergänzte er: "Aber man ärgert sich schon, wenn man verliert." (Pressestimmen)

Löw hatte allen Grund sich zu ärgern. Die Niederlage war verdient, und sie war historisch: Die deutsche Mannschaft ging nach dem Zweiten Weltkrieg trotz eines Zwei-Tore-Polsters lediglich am 7. Juni 1995 im EM-Qualifikationspiel beim 2:3 in Bulgarien als Verlierer vom Platz.

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"Das war eine gute Lehrstunde für die Mannschaft", hatte Löw zuvor im TV-Interview erklärt.

Neu formierte Abwehr überfordert

"Wir wissen nach so einem Spiel, woran wir noch zu arbeiten haben“. Die neu formierte Abwehr mit Emre Can, Antonio Rüdiger, Mats Hummels und Jonas Hector ließ sich mehrmals austricksen. Der für den angeschlagenen Hummels eingewechselte Jonathan Tah hatte sich sein Länderspieldebüt sicher anders vorgestellt.

"Am Ende haben nicht mehr gut verteidigt, das hatte nicht nur mit Abwehr zu tun. Wir haben auch vorne die Engländer nicht gut angelaufen", analysierte Toni Kroos.

Zu wenige Aktionen nach vorne

Im Zentrum war Kroos zwar der Ballverteiler, Akzente nach vorn setzte er aber selten. Sein Tor kurz vor der Pause (43.) war seine erste wirklich gelungene Szene.

In der Offensive bewegte sich nur Mario Gomez gut und krönte seine gute Leistung mit dem 2:0 (57.), nachdem ihm in der ersten Halbzeit ein Treffer zu Unrecht aberkannt worden war.

Müller gesteht Motivationsprobleme

Von Thomas Müller, Mesut Özil und Marco Reus fast nichts zu sehen. Müller, der eins seiner schwächsten Länderspiele absolviert hatte, gab ganz offen Probleme mit der Motivation zu.

"Man hat bei uns in den Testspielen selten den Eindruck, dass wir an die 100 Prozent herankommen", sagte Müller. "Man ertappt sich auch immer wieder selbst dabei, dass man vielleicht den einen oder anderen Schritt ohne Ball zu wenig macht."

Gerade die Spieler, die sich des EM-Tickets sicher sein können, blieben gegen England unter ihren Möglichkeiten.

Khedira beschwört die Turniermannschaft

Die Niederlage sei zwar "dumm und unnötig gewesen", er mache sich für die EM dennoch "wenig Sorgen", meinte Sami Khedira und verwies auf die deutschen Qualitäten als Turniermannschaft. In Frankreich müsse man in jedem Spiel "90 Minuten durchziehen", forderte der Kapitän.

"Wenn‘s um die Wurst geht, können wir paar Prozent mehr mobilisieren", versprach Müller. Am Dienstag gegen Italien geht es zwar wieder nur ums Prestige, aber das Spiel wäre eine gute Gelegenheit, das Versprechen einzulösen.

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