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Thomas Müller hadert bei der EM in Frankreich bisher noch mit seinen Leistungen
Thomas Müller hadert bei der EM in Frankreich bisher noch mit seinen Leistungen © Getty Images

Saint-Denis und Evian-les-Bains - Sonst ein Torgarant, kann Thomas Müller bei der EM der hohen Erwartungshaltung bisher nicht gerecht werden. Das liegt aber nicht nur an ihm alleine.

Es gäbe genügend erprobte Taktiken aus dem Handbuch des Profi-Fußballers, um mit einer Situation umzugehen, wie sie Thomas Müller gerade erlebt.

Ein Telefongespräch simulierend an den wartenden Reportern vorbeizuspazieren beispielsweise. Oder mit den überdimensionierten Kopfhörern auf den Ohren den schnellsten Weg zum Mannschaftsbus suchen.

Doch das wäre nicht Müller. Er stellt sich auch in schlechteren Zeiten. Und gemessen an der von ihm durch Leistung hochgeschraubten Erwartungshaltung sind es gerade schlechtere Zeiten.

Auch nach zwei Gruppenspielen wartet Müller noch auf seine Torchance. Zehn Tore hat er bei WM-Turnieren schon geschossen, bei einer EM war er noch nie erfolgreich. Doch woran liegt das?

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Löw nimmt Müller in Schutz

"Uns fehlt der Esprit", sagte Müller nach dem 0:0 gegen Polen und meinte die gesamte Offensivabteilung. Dass er noch kein Tor gemacht habe, sei nicht das Problem, ihn störe, "dass ich in den zwei Spielen keine wirkliche Tormöglichkeit mit dem Team erarbeiten konnte. Das ist das, woran man zu knabbern hat."

Am Engagement liegt es nicht. Müller rennt, ackert, geht keinem Zweikampf aus dem Weg und sucht nach diesen Räumen, die manchmal nur das Thomas-Müller-Auge sieht. Doch er ist vom Spiel der DFB-Elf seltsam abgeschnitten.

Eine Tatsache, für die Müller selbst wenig kann. "Unser Spiel ist im Moment linkslastig, weil Benedikt Höwedes ein etwas defensiverer Spieler ist", analysierte Bundestrainer Joachim Löw am Donnerstag. Höwedes gab in den bisherigen Spielen den Rechtsverteidiger hinter Müller.

Löw ist sich jedenfalls sicher, dass der Knoten bei Müller und dem ebenfalls schwächelnden Mesut Özil noch aufgeht. "Sie sind vielleicht etwas glücklos gewesen. Das wird sich ändern."

"Das ist nicht der Müller, den wir kennen"

Eine Herausnahme von Müller aus der Startelf ist extrem unwahrscheinlich. Frei nach dem alten Motto von Louis van Gaal ("Müller spielt immer") hoffen Löw und die deutschen Fans darauf, dass der Bayern-Profi wieder den alten Torinstinkt beweist.

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Denn, das gehört zur ganzen Wahrheit dazu, seine schwächere Phase hält nicht erst seit EM-Beginn an. Seit dem 1. April hat Müller nur vier Pflichtspieltore geschossen. Für seine Verhältnisse fast schon lächerlich wenig.

"Das ist nicht der Müller, den wir kennen", sagte Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger im ARD-Mittagsmagazin.

Müller vermisst Dribbelkünstler

Müller selbst hat auch noch einen anderen Grund für die fehlende Torgefahr ausgemacht als Löw.

Im DFB-Team gebe es nicht die Eins-gegen-Eins-Künstler wie Franck Ribery, Douglas Costa oder Arjen Robben beim FC Bayern.

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Spieler, die durch ihre Dribblings jene Räume zugänglich machen, in denen Müller dann schon wartet. Solch einen Spieler "können wir in Deutschland nicht herzaubern", erklärte Müller. Und schob fast trotzig hinterher:

"Wenn die nächste Chance kommt, muss ich da sein."

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