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Jerome Boateng reagierte gelassen auf den AfD-Eklat © Imago

Augsburg - Jerome Boateng stand nach den Äußerungen von AfD-Vize Alexander Gauland beim Testspiel gegen die Slowakei im Fokus. Im Interview bezieht er Stellung.

Ohne auch nur einen Fuß auf den Rasen des Augsburger Stadions gesetzt zu haben, war Jerome Boateng schon der Mann des Tages.

Vor dem Testspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Slowakei (1:3) hatte AfD-Vize Alexander Gauland für große Empörung gesorgt. Viele Deutsche würden Boateng als Fußballspieler gut finden, "aber sie wollen einen wie Boateng nicht als Nachbarn", wurde Gauland in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zitiert.

Diese Aussagen lösten in Politik, Gesellschaft und Sportwelt breite Unterstützung für Boateng aus. In Augsburg wurde der Profi des FC Bayern stürmisch gefeiert und mit einem Transparent gegrüßt auf dem stand: "Jerome, sei mein Nachbar".

Boateng, der in der zweiten Halbzeit 20 Minuten lang auch als DFB-Kapitän agierte, äußerte sich vor dem Spiel nicht. Nach dem sportlich misslungenen Test bezog er aber Stellung.

Frage: Herr Boateng, wie war es, die Mannschaft als Kapitän anzuführen in der zweiten Halbzeit?

Jerome Boateng: Es war ja nicht das erste Mal, aber es ist immer etwas Besonderes.

Frage: An der Tribüne hing ein Transparent: "Jerome, sei mein Nachbar". War das die richtige Antwort auf die Aussagen von Herrn Gauland?

Boateng: Es war natürlich schön, von den Fans so etwas zu lesen. Aber mich hat das nicht sonderlich beschäftigt.

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Frage: Aber wie bewerten Sie das?

Boateng: Gar nicht eigentlich. Da kann ich nur drüber lächeln. Es ist traurig, dass so etwas heute noch vorkommt, aber ich glaube, heute gab es genug positive Antworten im Stadion. Zu dem Thema haben auch genug Leute etwas gesagt, ich muss dazu nichts sagen. Ich bin froh, Deutscher zu sein, ich bin stolz. Sonst wäre ich auch nicht hier und in der Mannschaft und wäre auch nicht heute und vorher schon Kapitän gewesen. Ich bin gut integriert.

Frage: In der zweiten Halbzeit war durch das Wetter kaum mehr Fußball möglich. Ist es schlecht, dass der Test dadurch ein wenig ausgefallen ist?

Boateng: Wir haben gut angefangen, aber wir haben noch viel zu tun in der Defensivarbeit. Wir können nicht gegen so eine Mannschaft die ganze Zeit hinterherrennen. Da sind wir schlecht angelaufen, haben dem Gegner viel zu sehr den Ball überlassen. Wir haben keine Zweikämpfe angenommen, dann kommt es auch zu so einem Tor. Standards müssen wir auf jeden Fall auch noch mal trainieren. In der zweiten Halbzeit war es mit den Pfützen sehr schwer und ist uns natürlich auch nicht entgegengekommen beim Versuch, eine Aufholjagd zu starten.

Frage: Für Ihren Vereinskollegen Joshua Kimmich war es ein bitteres Debüt, oder?

Boateng: Das ist Fußball, das passiert. Er sieht vielleicht ein bisschen unglücklich aus. Aber der Trainer und wir alle wissen, dass Joshua ein super Junge ist und ein sehr großes Potenzial hat. Das hat er im Training auch schon gezeigt.

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