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München - Eine große Schar von Kritikern fragt sich, was Lukas Podolski im Kader für die EM 2016 zu suchen hat. Joachim Löw aber glaubt an seinen Wert für das große Ganze.

Am Morgen der EM-Nominierung haben die Kritiker von Lukas Podolski nochmal eine schöne Steilvorlage bekommen.

Einen heftigen Verriss seiner Karriere gab es da in der Zeit zu lesen, verfasst von Wolfram Eilenberger, dem Philosophen und Fußballfan.

Podolski sei "das Paradebeispiel eines Spielers, bei dem Markenanmutung und faktisches Leistungsvermögen seit mehr als zehn Jahren absurd auseinanderklaffen" schrieb er. Fragte, beinahe verzweifelt: "Warum 127 (!) Länderspiele? Wie konnte es dazu kommen?" Und konstatierte: Podolski wäre endgültig "zum Teammaskottchen degradiert", würde Joachim Löw ihn in seinen EM-Kader berufen.

Joachim Löw berief ihn. Und er verbat sich Eilenbergers Sicht der Dinge.

Löw besteht auf Podolskis sportlichen Wert

Der Bundestrainer war offensichtlich vorbereitet auf die Diskussion, die Podolskis Nominierung für den vorläufigen EM-Kader ausgelöst hat.

Er kennt sie ja auch zur Genüge, die Argumente Eilenbergers und der mittlerweile doch recht vielen Poldi-Skeptiker. Und er trat ihnen entgegen, als er bei seiner Nominierungs-PK die erste kritische Journalistenfrage heraushörte.

Zwar machte er keinen Hehl daraus, dass er sich auch von anderen Argumenten als den rein sportlichen leiten ließ. "Er ist auch eine Persönlichkeit", hielt Löw fest. Eine Persönlichkeit, "die der Mannschaft viel geben kann".

Aber Löw begründete Podolskis Nominierung doch auch explizit mit dem Leistungsprinzip. "Er hat noch einen sportlichen Wert für uns, auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen", sagte er: "Ich weiß, dass er immer noch die Leistung bringen kann, die wir erwarten."

Bei Galatasaray läuft es wieder besser

Ganz schlecht sehen Podolskis aktuelle Leistungsdaten ja auch nicht aus: 12 Tore in 29 Liga-Spielen für Galatasaray Istanbul, zwei weitere in den sechs Partien der Champions-League-Vorrunde.

Was die Statistiken aus der türkischen Liga wert sind: eine Glaubensfrage, wie so vieles bei dem bald 31 Jahre alten Podolski. Aber in der Süper Lig geht es ihm sportlich auf jeden Fall besser als bei den vorigen Stationen Inter Mailand und FC Arsenal.

Im DFB-Dress gelang Podolski seit dem Australien-Länderspiel im März 2015 zwar kein Treffer mehr, für Löw aber ist das kein entscheidender Punkt.

Löw denkt ans große Ganze

Der Bundestrainer weiß so gut wie alle anderen Beobachter, dass Podolski seine fußballerischen Beschränkungen hat, nicht umsonst wählte er die Formulierung von einer nicht näher eingegrenzten Leistung, "die wir erwarten".

Aber Löw betonte am Dienstag immer wieder, dass es ihm ums Kollektiv, ums große Ganze geht. Und für dieses große Ganze sieht er Podolski als sportlich-persönliches Gesamtpaket immer noch als Gewinn statt als Hemmnis - auch wenn er diese Sicht der Dinge gegen immer mehr Kritiker verteidigen muss.

So hatte zuletzt auch Simon Rolfes als ZDF-Experte festgehalten, dass er Podolski nicht nominieren würde.

Dessen Reaktion: ein echter Poldi. "Ich hätte den Rolfes auch nicht eingeladen", gab er zurück.

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