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Joachim Löw bei der Ankunft im Trainingslager in Ascona
Für Joachim Löw beginnt mit dem Trainingslager in Ascona die heiße Phase der EM-Vorbereitung © DFB/GES Sportfoto

Ascona - In Ascona bereitet sich das DFB-Team auf die EM vor. Wunden lecken, Teamgeist stärken und das Personalpuzzle: SPORT1 blickt auf die Aufgaben des Bundestrainers.

Angenehmer hätte das EM-Trainingslager für die deutsche Nationalmannschaft kaum beginnen können.

Sommerliche 25 Grad herrschten, als das DFB-Team am Dienstagabend in Ascona am Schweizer Nordufer des Lago Maggiore eintraf. Etwa 100 Touristen bereiteten den Spielern einen freundlichen Empfang, ehe sie hinter der Absperrung im Luxus-Hotel El Giardino verschwanden.

Mit dabei - und auch das eine gute Nachricht - waren die angeschlagenen Bastian Schweinsteiger und Mario Götze, die ursprünglich am Mittwoch mit einem Tag Verspätung nachreisen sollten.

Bundestrainer Joachim Löw hat bei der Vorbereitung auf die am 10. Juni in Frankreich beginnende EM ohnehin nicht viel Zeit (Der EM-Spielplan zum Ausdrucken).

SPORT1 fasst Löws wichtigste Ansatzpunkte zusammen.

Teamgeist

Bis zur EM will Löw einen Teamgeist schaffen, der die Mannschaft wie bei der WM vor zwei Jahren zum Titel trägt. Zusammenhalt und Wir-Gefühl sind dem Bundestrainer besonders wichtig. Nicht zuletzt deshalb hat Löw die Tür für Schweinsteiger und Lukas Podolski offen gelassen.

Löw weiß: Schweinsteiger ist als Kapitän mit seinem unbändigen Siegeswillen besonders wichtig, verkörpert diese Mentalität auch abseits des Platzes. Darüber hinaus schätzt Löw Schweinsteigers taktischen Rat.

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Podolski war bei den vergangenen Turnieren stets auch Stimmungskanone. Allerdings reist der Stürmer erst verspätet an, kämpft am Donnerstag noch mit Galatasaray gegen Stadtrivale Fenerbahce um den türkischen Pokal (ab 20.10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVETICKER).

Ob es für Schweinsteiger und Podolski zur EM-Teilnahme reicht, ist aus unterschiedlichen Gründen fraglich. Schweinsteiger hat nach seiner zweiten Innenbandverletzung seit Mitte März kein Spiel mehr bestritten und kämpft um sein rechtzeitiges Comeback. Podolskis sportlicher Wert ist inzwischen umstritten.

Darüber hinaus muss Löw es schaffen, die Spieler der Erzrivalen FC Bayern und Borussia Dortmund einzuschwören. Dies ist für Löw allerdings nicht neu und ihm auch in den vergangenen Jahren gelungen.

Bei den Dortmundern Marco Reus, Julian Weigl und Mats Hummels, der nach der EM im Bayern-Dress auflaufen wird, ist nach dem verlorenen Pokal-Finale zudem mentale Aufbauarbeit zu leisten.

Regeneration und Fitness

Nach dem kräftezehrenden Pokal-Finale von Berlin müssen vor allem die Spieler des FC Bayern und von Borussia Dortmund wieder zu Kräften kommen.

Dies gilt umso mehr für Toni Kroos und Podolski. Kroos ist mit Real Madrid noch am Samstag im Champions-League-Finale in Mailand gegen Atletico (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) gefordert.

Zum Wettlauf gegen die Zeit wird die Vorbereitung für Schweinsteiger. Seit Wochen hat der Mittelfeldspieler von Manchester United privat mit einem Trainer der Red Devils an seiner Fitness gearbeitet.

Löw hat immer wieder betont, wie wichtig ihm sein Kapitän ist: "Vor jedem Turnier gibt es verletzte Spieler. Schweinsteiger war auch vor der WM 2014 verletzt, dazu Sami Khedira. Und diese Spieler waren dann maßgeblich am Titelgewinn beteiligt."

Ein Sorgenkind ist zudem Mario Götze, der das Pokalendspiel wegen einer gebrochenen Rippe verpasste und auch sonst bei den Bayern nur wenig Spielpraxis bekam.

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Sami Khedira kämpft mit Wadenproblemen und Benedikt Höwedes kuriert noch die Folgen eines Muskelfaserrisses aus. Weniger schlimm ist es bei Hummels, der in seinem letzten Spiel für Dortmund am vergangenen Samstag in Berlin mit muskulären Problemen ausgewechselt werden musste.

Taktik

Löw wird das Trainingslager auch nutzen, um am taktischen Feinschliff zu arbeiten. Gerne simuliert Löw Spielsituationen, um bestens auf die EM-Gegner Ukraine, Polen und Nordirland vorbereitet zu sein.

Dazu wird wie schon vor der WM 2014 in Brasilien die U20-Auswahl als Sparringspartner dienen.

Darüber hinaus stehen die Länderspiele am 29. Mai in Augsburg gegen die Slowakei (ab 17.30 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) und am 4. Juni in Gelsenkirchen gegen Ungarn an (ab 17.45 Uhr in LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm sowie im LIVETICKER)

Frischer Wind

Zwar besteht der Stamm des noch 27 Spieler umfassenden vorläufigen EM-Kaders aus den Weltmeistern von 2014. Doch Löw gibt auch den jungen Senkrechtstartern der abgelaufenen Bundesliga-Saison eine Chance.

Dies gilt für Dortmunds defensiven Mittelfeldspieler Julian Weigl, Bayerns Defensivspezialist Joshua Kimmich, Schalkes Wirbelwind Leroy Sane und Leverkusens Offensivkraft Julian Brandt.

Bei allem Augenmerk auf einen guten Teamgeist will Löw so auch den Konkurrenzkampf schüren.

Die Qual der Wahl

Bei der Bekanntgabe des endgültigen EM-Aufgebots wird es zu vier Härtefällen kommen. Das Trainingslager könnte zum internen Ausscheidungskampf Jung gegen Alt werden.

Sollte es für Schweinsteiger nicht reichen, stünde Weigl auf seiner Position bereit. Kimmich, der bei den Bayern als Innenverteidiger einen abgebrühten Eindruck hinterlassen hat, könnte Höwedes den Rang ablaufen.

Sollten Sane und Brandt den Bundestrainer überzeugen, stünden Podolski, Andre Schürrle oder auch Karim Bellarabi auf der Kippe.

Vier von ihnen muss Löw noch aussortieren, 23 dürfen am Ende mit nach Frankreich. Die SPORT1-User haben eine klare Meinung darüber, wer es schwer haben wird: die beiden erfahrenen Podolski und Schweinsteiger.

Schweinsteiger steht im SPORT1-Voting derzeit nur auf dem 23. Platz und würde den Sprung in den endgültigen Kader noch knapp schaffen. Sein Kumpel Podolski könnte zu Hause bleiben, geht es nach den SPORT1-Usern - er rangiert in ihrer Gunst nur auf Rang 26.

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