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Thomas Helmer holte 1996 den EM-Titel mit Deutschland
Thomas Helmer holte 1996 den EM-Titel mit Deutschland © SPORT1-Grafik: Paul Haenel / Getty Images

München - Thomas Helmer begleitet die EM als Doppelpass-Moderator und SPORT1-Kolumnist. Vor dem Auftakt spricht der Europameister von 1996 über die deutschen Chancen und Favoriten.

Er weiß, wie man Europameister wird: Thomas Helmer gehörte als Abwehrchef 1996 zu den deutschen Helden, die den dritten und bis heute letzten EM-Titel mit der DFB-Auswahl holten.

Die EM in Frankreich verfolgt der ehemalige Kapitän von Bayern München als Moderator des am Sonntag (ab 11 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und in unserem Sportradio SPORT1.fm) startenden EM-Doppelpasses - und als SPORT1-Experte, der die Auftritte des Teams von Joachim Löw ab Montag in seiner Kolumne kritisch begleiten wird.

Vorher spricht Helmer im Interview über die Aussichten seiner Nachfolger, seine Favoriten und den Vergleich zur Titelmannschaft von 1996.

SPORT1: Wie groß ist die Vorfreude auf die EM und den EM-Doppelpass?

Thomas Helmer: Ich freue mich natürlich, dass es endlich losgeht. Wir haben schon in der ersten Sendung am Sonntag tolle Gäste, unter anderem Carsten Jancker und Marcel Reif. Hauptsächlich werden wir uns natürlich um die deutsche Mannschaft kümmern. Wir sind großer Favorit und man erwartet klare Siege, wie zum Auftakt gegen die Ukraine. Da muss man mal sehen, ob das so einfach ist. Ich bin sehr, sehr gespannt.

SPORT1: Ist Deutschland für Sie auch Topfavorit?

Helmer: Naja, wer als Weltmeister sagt: Ich will nicht Europameister werden, der sollte da nicht hinfahren. Das hat ja auch der Bundestrainer erklärt, dass das Finale das Ziel ist. Deswegen: Deutschland ist auf jeden Fall einer der Topfavoriten, ja.

SPORT1: Wer werden die härtesten Konkurrenten sein?

Helmer: Ich war überrascht, wie die Engländer im März gegen uns gespielt haben. Anders als sonst, nämlich relativ schnell nach vorne. Deshalb bin ich gespannt, wie diese junge englische Mannschaft nun bei der EM auftreten wird. Belgien sehen viele als Geheimfavorit, aber da muss man abwarten, wie sie mit diesem Erwartungsdruck umgehen werden. Ansonsten haben die Franzosen mit dem Heimvorteil gute Chancen und auch die Spanier haben nach wie vor ein gutes Team.

SPORT1: Könnte der WM-Titel eine Belastung für die DFB-Elf sein, weil die Erwartungshaltung nun extrem hoch und gleichzeitig der Titelhunger nicht mehr so vorhanden ist wie 2014?

Helmer: Nein, das glaube ich nicht. Es haben ja bisher nur zwei Mannschaften - Frankreich und Spanien - geschafft, hintereinander sowohl Welt- als auch Europameister zu werden. Für unsere Jungs ist das sicher eine große Motivation. Und der Weltmeistertitel hilft uns vielleicht sogar, weil die Gegner noch mehr Respekt haben. Gegen Deutschland spielt ohnehin keiner gerne, außer vielleicht die Italiener (lacht).

SPORT1: Trotz Stars wie Sammer, Klinsmann, Scholl oder Ihnen war der Slogan beim Titel 1996 "Der Star ist die Mannschaft". Geht es auch heute bei so einem aufgeblähten Turnier nur über den Teamgeist?

Helmer: Wir waren damals fußballerisch nicht so gut. Deshalb haben wir uns zusammengerissen und wussten, es geht nur so. Wenn der eine dem anderen hilft und alles andere zurückstellt, außer vielleicht seine eigenen Führungsansprüche. Dann hatten wir viele Ausfälle, das hat die Mannschaft noch mehr zusammengeschweißt. Bei der aktuellen Mannschaft sieht man aber auch, dass es eine Einheit ist. Von außen wirkt mir das manchmal fast zu harmonisch. Da hatten wir innerhalb der Truppe schon mehr zu glätten.

SPORT1: Würden Sie es bedauern, wenn Sie bei einem deutschen Sieg nicht mehr der letzte Europameister wären - oder würde Sie es gerade deshalb besonders freuen?

Helmer: Natürlich drücke ich den Jungs und auch Jogi die Daumen. Mit Oli Bierhoff und Andi Köpke habe ich 1996 zusammengespielt und ich glaube, auch von den anderen Teamkollegen ist keiner neidisch, wenn die Jungs den Pokal nach Deutschland holen. Im Gegenteil: Es wird mal wieder Zeit und es würde mich echt freuen.

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