Video

Lille - Die deutsche Mannschaft zeigt beim EM-Start gegen die Ukraine Schwächen in der Defensive und im Spiel nach vorn. Im Kopf stimmt es. Die Lehren des Spiels.

Es war ein typisches Auftaktspiel.

Beim 2:0 gegen die Ukraine hat sich die deutsche Mannschaft zum EM-Start nicht mit Ruhm bekleckert, aber die eingeplanten und wichtigen drei Punkte geholt. (Ergebnisse und Spielplan der EM)

In der Abwehr und der Rückwärtsbewegung offenbarte das DFB-Team besonders in der Viertelstunde vor der Halbzeit große Schwächen.

Das Ergebnis kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch viel Arbeit auf Bundestrainer Joachim Löw und seine Truppe wartet.

SPORT1 nennt die Lehren aus dem deutschen Auftaktspiel.

- Defensive ohne Ordnung

Dass die Abwehr nicht eingespielt ist, war zu sehen und ist klar.

Nach den Ausfällen von Mats Hummels und Antonio Rüdiger musste Löw seine Innenverteidigung umbauen.

Shkodran Mustafi hat seine Sache gut gemacht und das Führungstor erzielt, hatte aber auch Probleme in der Abstimmung. So wie in der Szene, als er den Ball über Torhüter Manuel Neuer köpfte. Jerome Boateng musste mehrmals retten, einmal spektakulär.

"In der ersten Halbzeit hatten wir Probleme im Spiel nach vorn, haben einige Bälle verloren und sind in Konter gelaufen", sagte Löw. "Im Lauf des Spiels haben wir besser verteidigt und das Spiel klar dominiert."

Insgesamt fehlte aber der Defensivarbeit des gesamten Teams die Ordnung. Schwächen in der Rückwärtsbewegung nach Ballverlust, bei Standards und Flanken wurden mehr als offensichtlich.

- Boateng, der perfekte Nachbar

"Es ist gut, wenn man einen Jerome als Nachbarn hat in der Abwehr", lobte Löw den Abwehrchef: "Er kann gefährliche Situationen entschärfen, er hat es klasse gemacht."

Auch Boateng war zwar nicht immer Herr der Lage, aber wenn es brannte, war er zur Stelle und löschte sofort.

Video

"Es war nicht alles gut, wir hatten vor der Pause 15 Minuten lang große Probleme", sagte Boateng: "Gegen Polen müssen wir als Mannschaft besser spielen, gerade in der Defensive."

Die anstehende Rückkehr von Hummels wird auch Boateng gut tun. Dann ist hinten dicht  - so wie bei der WM. 

Auf die Frage, wie es mit einem möglichen Einsatz schon für das Spiel gegen Polen (Do., ab 20.30 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) stehe, sagte Hummels: "Es schaut gut aus." Druck macht er sich nicht, er sei "tiefenentspannt".

- Außenverteidiger weiter ein Problem

Benedikt Höwedes ist erfahren und zweikampfstark, aber nicht die Idealbesetzung auf der rechten Seite. Beim Tempo und in Sachen Technik hapert es in manchen Situationen.

Joshua Kimmich verfügt über solche Qualitäten, der Bayern-Profi wäre eine Option.

Jonas Hector zeigte bei seinem EM-Debüt eine solide Leistung, wirkte aber in einigen Situationen überfordert. Für die Position des Kölners hat Löw aber keine echte Alternative. Es sei denn, er stellt Höwedes nach links und Mustafi oder Kimmich auf rechts. Gegen stärkere Gegner wird auf den Außenpositionen die Luft sehr dünn.

Alternativ würde sich die Dreierkette mit Mustafi, Boateng, Hummels anbieten.

- Neuer: Kapitän und Garant für das zu Null

Der Welttorhüter verhinderte mit grandiosen Paraden den Ausgleich, ist auf dem Platz eine Autorität und nach dem Spiel immer der Wortführer.

"Es war wichtig, dass ich ein, zwei Mal da war", sagte Neuer: "Ich denke, dass wir gut standen. Aber wir müssen versuchen, weniger zuzulassen."

- Schweinsteiger als Chef ist wichtig

Im Stadion wurde es in der 90. Minute laut: Die Tribüne bebte, die Fans feierten. Kein Tor – nein, die Einwechslung von Bastian Schweinsteiger.

So viel Hoffnung verkörpert der WM-Held von 2014. Und diese Hoffnung zahlte der Chef zurück. Der Kapitän schoss nur wenig später die Flanke von Mesut Özil zum 2:0 ein. Die Fans erhoben ihn zum "Fußballgott". So baut Schweinsteiger weiter an seinem Denkmal.

Mario Götze (wurde für Schweinsteiger ausgewechselt) postete bei Facebook: "Schweini, du bist ein Leader!"

Mit dieser Führungsstärke und dem Respekt der Gegner ist Schweinsteiger enorm wichtig für die Mannschaft.

- Kreativzone noch unkreativ

Die defensive Spielweise der Ukraine deckte auf: Die Offensivabteilung sucht noch nach dem Schlüssel gegen destruktive Gegner. Dummerweise erwartet den Weltmeister wohl des Öfteren ein Gegner in Abwehrhaltung.

Mesut Özil hatte die Vorschusslorbeeren des Bundestrainers vom Vortag im Spiel nicht verdient, Thomas Müller lieferte eines seiner schwächeren Spiele im DFB-Trikot ab, Julian Draxler war zwar bemüht, aber kein gleichwertiger Ersatz für den verletzten Marco Reus.

Löw muss der Kreativzone mehr Ideen mit auf den Weg geben. Zu oft gab es keine Lösung, das ukrainische System auszuhebeln.

- Flaute im Sturm

Götze oder Gomez? Vor dem Spiel vielleicht die häufigste Frage. (EM-Torjäger)

Nach dem Spiel wäre die Entscheidung für Mario Gomez vielleicht doch besser gewesen. Vor allem, weil auffällig viele hohe Flanken ins Zentrum geschlagen wurden.

Mario Götze war zwar aktiv, hatte aber keinen einzigen gefährlichen Abschluss. Die Unterstützung seiner Hintermänner war allerdings auch dürftig.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel