Video

Lille - Joachim Löw stellt Julian Draxler statt Mario Götze auf. Der Wolfsburger zahlt das Vertrauen zurück, krönt seine überragende Leistung und hofft auf weitere Einsätze.

Julian Draxler war überglücklich. "Mir ist heute von Anfang an viel gelungen, es ist super gelaufen, und es war ein optimales Spiel für mich", sagte er nach seinem Gala-Auftritt beim 3:0 im EM-Achtelfinale gegen die Slowakei.

Eine überragende Vorlage, ein sehenswertes Tor - Draxler war der Held des Abends, die UEFA wählte ihn zum Man of the Match. "Ich freue mich, dass ich persönlich meinen großen Teil dazu beitragen konnte, dass wir gewonnen haben", sagte er mit einem Lächeln. Dabei hatte ihn vor dem Spiel eigentlich niemand auf der Rechnung gehabt.

Joachim Löw hatte ihm völlig überraschend den Vorzug gegenüber Mario Götze gegeben, und Draxler zahlte dem Bundestrainer das Vertrauen zurück. Er bereitete das 2:0 durch Mario Gomez (43.) mit einem herrlichen Dribbling vor, in der 63. Minute krönte er seine starke Vorstellung mit einem Volleyschuss zum 3:0.

Ansage des Trainers perfekt umgesetzt

Besonders in Eins-gegen-eins-Situationen zeigte Draxler, was in ihm steckt. Immer wieder ließ er die slowakischen Abwehrspieler stehen und sorgte für Gefahr. "Es war eine klare Ansage des Bundestrainers, dass er das sehen möchte. Und wenn du spielen möchtest, dann solltest du das umsetzen, was der Trainer sehen will", erzählte der 22-Jährige.

Dass Julian Draxler ein guter Fußballer ist, war schon vor dem Sonntagabend in Lille klar. Er hatte sein herausragendes Können nur nicht immer ausgeschöpft. Gegen die Ukraine und Polen stand er in der Startelf und spielte ordentlich, doch ihm fehlte die letzte Entschlossenheit und ein Erfolgserlebnis. Gegen Nordirland saß er auf der Bank, doch Draxler hat nicht an sich gezweifelt.

Ausrufezeichen auf großer Bühne

"Es hat sehr viel mit Selbstvertrauen zu tun, vor allem, wenn mal ein Spiel dabei ist, in dem man in den ersten beiden Situationen hängenbleibt. Dann wieder und wieder reinzugehen, ist nicht so einfach", sagte er: "Dann brauchst du Selbstvertrauen und dazu einen Trainer und eine Mannschaft, die dir den Rücken stärken."

Löw setzte weiter auf Draxler, das Spiel gegen die Slowakei könnte nun der endgültige Durchbruch für den Weltmeister gewesen sein.

Auf die Frage, ob es das bisher wichtigste Spiel in seiner Laufbahn war, meinte der 22-Jährige: "Meine Karriere dauert noch ein bisschen an, aber klar war es für mich ein Ausrufezeichen, noch dazu bei einem großen Turnier." Nachdem er sich bei der "WM hinten anstellen musste, ist es schön für mich, dass ich jetzt spiele".

Er weiß, dass es im DFB-Team keine Stammplatzgarantie gibt. Aber sein Ziel sei es, "natürlich immer zu spielen". Der Wolfsburger habe "heute gute Argumente geliefert, aber jedes Spiel ist anders".

Als er vor zwei Jahren mit dem DFB-Team Weltmeister wurde, war er gerade einmal 20. Bei der WM war er Ersatzspieler, kam nur einmal, beim 7:1 im Halbfinale gegen Brasilien zum Einsatz. Bei der EM stand er ín drei von vier Partien in der Startelf. Gegen Nordirland musste er zuschauen, doch er blieb am Ball.

"Ich habe trainiert und Gas gegeben, aber ich war schon überrascht, als mir der Bundestrainer am Morgen erzählte, dass ich wieder von Beginn an spiele", verriet Draxler. "Ab da war für mich klar: Heute zählt es."

Für Benedikt Höwedes kam der Einsatz seines ehemaligen Schalker Kollegen nicht überraschend."Ich habe unter der Woche schon ein super Gefühl gehabt, weil er sehr stark im Training war. Das hat sich aus meiner Sicht abgezeichnet", sagte Höwedes: "Es ist schön, dass er sich belohnt hat."

Audio

Auch von Löw bekam er Lob. "Ich habe ihn aufgefordert, mutig zu spielen. Er hat ein gutes Spiel gemacht, aber das war auch eine Folge seines sehr guten Trainings", sagte der Bundestrainer, der einmal mehr das richtige Händchen für einen Wechsel bewiesen hatte.

Zweites Länderspieltor

Es war das zweite Länderspieltor im 22. Einsatz im DFB-Trikot für den ehemaligen Schalkers, den ersten Treffer hatte er am 2. Juni 2013 beim 3:4 gegen die USA erzielt.

Die statistischen Werte untermauerten seine starke Leistung: In der ersten Halbzeit bestritt Draxler alle sieben Dribblings erfolgreich, mehr in einem Spiel hatte bei der EM bisher nur der Waliser Superstar Gareth Bale (8 von 10 erfolgreich) vorzuweisen.

Draxler ist zudem der jüngste Spieler seit dem Spanier Cesc Fabregas 2008, dem ein Tor und eine Vorlage in einem Spiel gelang.

In der 72. Minute wurde Draxler mit viel Applaus der deutschen Fans verabschiedet, als er für Lukas Podolski vom Feld ging. 

Der Mann des Abends genoss es.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel