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Joachim Löw und Oliver Bierhoff nach dem EM-Aus 2012 gegen Italien
Schwarze Stunde: Joachim Löw und Oliver Bierhoff nach dem EM-Aus 2012 gegen Italien © dpa Picture-Alliance

Evian-les-Bains - Seit Italien als deutscher Viertelfinalgegner feststeht, ist das Elend von 2012 wieder in aller Munde. Doch Joachim Löw weiß, wie er seine zweite Chance nutzen kann.

"Ich halte nichts davon, Dinge aus der Vergangenheit herbeizuziehen. Das ist kalter Kaffee. Ein frischer Espresso ist besser", sagte Bundestrainer Joachim Löw am Dienstag auf der Pressekonferenz.

Genüsslich nippte er dabei an seinem Kaffeebecher, auf den Tag genau vier Jahre, nachdem er seine schwärzeste Stunde als Bundestrainer erlebt hatte. Am 28. Juni 2012 verlor sein Team im EM-Halbfinale 1:2 gegen Italien, er selbst wurde danach für seine Taktik hart kritisiert.

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Nun trifft Löws Mannschaft am Samstag (ab 20 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) wieder auf Italien - und der Coach hat die Chance zur persönlichen Revanche.

Heilsame Niederlage

Löw hat sich entgegen seiner Aussage durchaus länger mit der Vergangenheit beschäftigt - und die richtigen Schlüsse aus dem Italien-Trauma gezogen.

Jochen Stutzky (l.) und Thorsten Mesch berichten bei der EM 2016 für SPORT1 vom deutschen Team
Jochen Stutzky (l.) und Thorsten Mesch berichten bei der EM 2016 für SPORT1 vom deutschen Team © SPORT1 Grafik: Paul Haenel

"Es passieren Fehler, und als Trainer übernehme ich die Verantwortung", erklärte Löw, "diese schmerzliche Niederlage hat mir unheimlich weh getan, aber sie war für mich eine gute Lehre. Sie hat mir 2014 bei manchen Überlegungen geholfen."

Mit diesen Überlegungen führte Löw das DFB-Team in Brasilien zum WM-Titel. Italien schied in der Vorrunde aus.

Setzen auf die eigene Stärke

Der vierte Stern prangt seitdem auf dem Trikot, doch noch immer hat eine deutsche Mannschaft kein Pflichtspiel gegen die Squadra Azzurra gewonnen.

Nun muss Löw den Bann gegen Italien endlich brechen. Und er hat schon einen Plan, wie das gelingen kann.

2012 stellte er Toni Kroos im Mittelfeld quasi als Bewacher von Andrea Pirlo ab und nahm dadurch seiner Mannschaft einen Teil der eigenen Stärke. Die Aufstellung war ein Zeichen, sich am Gegner zu orientieren, statt auf die eigenen Stärken zu vertrauen.

Das wird diesmal anders sein, verspricht Löw.

"Wir überlegen, welche Schwächen der Gegner hat und ob wir Spieler wechseln", meinte der Bundestrainer mit Blick auf die Aufstellung, betonte aber auch: "Wenn wir unser Niveau abrufen, haben wir gute Chancen. Und ich habe ein gutes Gefühl. Wir müssen unsere Stärken ins Spiel bringen und unseren Fußball durchziehen."

Dreierkette wie im März?

So wie Ende März, als Deutschland das drittletzte Testspiel vor der EM 4:1 gegen Italien gewann.

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Löw ließ damals überraschend mit einer 3-4-2-1-Taktik spielen. Einer Dreierkette in der Abwehr und zwei Außenspielern im Mittelfeld, welche diesmal Joshua Kimmich und Jonas Hector sein könnten.

Ob Löw erneut diese Taktik wählt, ließ er offen. Das spiele "nicht die entscheidende Rolle. Wir müssen vermeiden, dass sie kontern, sonst kriegen wir Probleme."

Klingt, als habe Löw die Vergangenheit sehr wohl genau im Kopf. Mario Balotellis Siegtor vor vier Jahren fiel durch einen Konter nach einer deutschen Ecke.

Löw hat seine Lehren gezogen.

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