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Auch Thomas Helmer zeigt sich begeistert von Joshua Kimmich © SPORT1/Getty Images

Thomas Helmer lobt DFB-Neuling Kimmich, hält den Vergleich mit Lahm aber für falsch. Löws Unzufriedenheit mit der Chancenverwertung kann er verstehen.

Hallo Fußball-Freunde,

die deutsche Mannschaft hat es gegen Nordirland viel besser als in den ersten beiden Spielen gemacht. Das gilt gerade für die auch von mir kritisierte Offensive - das war die Trotzreaktion, die alle erhofft hatten.

In der Vorwärtsbewegung war das Team - wenngleich gegen einen schwachen Gegner - deutlich verbessert, vor allem Özil. Mesut hat angedeutet, warum er eigentlich unverzichtbar ist, wenn er sein Potenzial abruft.

Von der Umstellung in der Startelf mit der Hereinnahme von Gomez haben sichtbar auch Götze und besonders Müller profitiert, dessen Stärken viel besser zur Geltung gekommen sind.

Ich kann allerdings die Unzufriedenheit von Joachim Löw über die schwache Chancenverwertung total verstehen. Das war das große Manko und hätte uns völlig unnötig den Gruppensieg kosten können, wenn Polen zwei Tore mehr gemacht hätte.

So aber kann das Team mit breiter Brust ins Achtelfinale gehen. Auch dank Joshua Kimmich, der sicherlich der große Gewinner des Abends war. Defensiv war er nicht wirklich gefordert, aber offensiv hat er total überzeugt.

Dafür, dass er nur zweimal beim FC Bayern als Rechtsverteidiger gespielt hat, hat er seine Sache sehr gut gemacht. Es spricht für ihn, dass er sich ein Herz genommen und diese Chance beim Schopf gepackt hat.

Aber man tut ihm keinen Gefallen, wenn man ihn jetzt schon als neuen Philipp Lahm feiert. Gerade defensiv kann er mit 21 Jahren noch gar nicht so weit sein, das hat man ja auch in dem einen oder anderen Champions-League-Spiel gesehen.

Wenn aber ein Trainer wie Pep Guardiola ihm das Vertrauen gibt, dann hat er sicher große Qualitäten. Seine große Stärke ist, dass er auf mehreren Positionen spielen kann. Deshalb hat ihn Löw auch mit zur EM genommen.

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Ich gehe davon aus, dass Kimmich auch im Achtelfinale von Anfang an spielen wird, denn der Gegner wird sicher wieder sehr tief stehen.

Gegen die Slowakei wird die deutsche Mannschaft nicht die gleichen Fehler wie beim 1:3 in Augsburg machen. Damals wurde noch viel getestet und die Bedingungen waren auch nicht optimal.

Ich glaube nicht, dass da Gefahr droht. Wir werden sicher ins Viertelfinale kommen. Und dann geht es gegen den Sieger zwischen Spanien und Italien für mich erst richtig los.

Bis zum nächsten Mal,
Euer Thomas Helmer

Ex-Nationalspieler Thomas Helmer gewann als Abwehrchef 1996 in England mit der DFB-Auswahl den bislang letzten EM-Titel. Während der Europameisterschaft in Frankreich moderiert der frühere Kapitän von Bayern München den EM Doppelpass und analysiert die deutschen Spiele in seiner SPORT1-Kolumne.

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