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Mesut Özil beim EM-Auftakt gegen die Ukraine
Mesut Özil bereitete beim EM-Auftakt das 2:0 durch Bastian Schweinsteiger vor © Imago

Lille - Mesut Özil spricht im Interview mit SPORT1 über den EM-Auftaktsieg gegen die Ukraine, seine Lieblingsposition und seinen Umgang mit öffentlicher Kritik.

"Überragend." So bezeichnet Joachim Löw gern die Fähigkeiten von Mesut Özil. Auch vor dem EM-Auftakt gegen die Ukraine hatte der Bundestrainer seinen Spielmacher überschwänglich gelobt.

Özil bereitete beim 2:0-Sieg das zweite Tor durch Bastian Schweinsteiger in der Nachspielzeit mustergültig vor, doch ansonsten blieb der 27-Jährige unauffällig.

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Im SPORT1-Interview spricht Özil über den deutschen EM-Auftakt, seine Leistung und seine Lieblingsposition.

SPORT1: Herr Özil, wieso hat sich die deutsche Mannschaft gegen die Ukraine so lange schwer getan?

Mesut Özil: Vor allem, weil es das erste Spiel war. Die Platzverhältnisse waren nicht top, aber letztendlich haben wir das Spiel über 90 Minuten beherrscht. Am Ende haben wir noch einmal Glück gehabt und das 2:0 gemacht. Davor war es halt eng. Das ist normal.

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SPORT1: Sie haben Bastian Schweinsteiger den Ball zum 2:0 aufgelegt. Können Sie die Szene beschreiben?

Özil: Am Ende habe ich noch einmal diesen Sprint hingelegt und dadurch gesehen, dass Basti hinten frei ist. Ich wollte konzentriert an den Ball rangehen und habe ihn perfekt getroffen. Wir sind glücklich, dass Basti so ein Comeback gegeben hat, vor allem mit einem wichtigen Tor. Als Mannschaft sind wir sehr, sehr froh, dass wir ihn in unseren Reihen haben.

SPORT1: Was genau bewirken Schweinsteigers Präsenz und sein Tor für die Mannschaft?

Özil: Ich glaube, es war wichtig für ihn selbst. Er war eine lange Zeit verletzt und durch das Tor wird er wahrscheinlich viel mehr Selbstvertrauen haben. Wie der Bundestrainer im Vorfeld gesagt hat: Wir brauchen alle Spieler, es ist ein langes Turnier. Da brauchen wir alle fit. Basti ist ein wichtiger Spieler für uns.

SPORT1: Der Bundestrainer hat Sie vor dem Spiel extrem gelobt und gesagt, er habe keine Sekunde überlegt, ob Sie spielen oder nicht. Wie schätzen Sie Ihre Leistung ein und wie gehen Sie mit Kritik um?

Özil: Mein Ziel ist, auf dem Platz meine Leistung zu bringen. Welche Kommentare die Leute abgeben, positiv oder negativ, interessiert mich nicht. Für mich zählt einzig das, was der Trainer will. Und ich genieße sein Vertrauen und habe eine gute Leistung gebracht, denke ich, mit einem tollen Assist. Das gibt mir und der ganzen Mannschaft definitiv Selbstvertrauen.

SPORT1: Beim 4:1 gegen Italien und die zweite Halbzeit beim 2:0 gegen Ungarn haben Sie auf der Sechs gespielt. Sie haben oft gesagt, dass Sie lieber auf der Zehn spielen. Wie gefällt Ihnen die andere Rolle und welche Vorteile hat sie?

Özil: In der Offensive habe ich meine Stärken und kann sie hervorbringen. Natürlich ist es für mich auf der Sechs ein Stück einfacher, weil du einfach viel mehr Bälle und Zeit hast. Aber ich habe ja immer wieder betont: Meine Lieblingsposition ist auf der Zehn. Auf der Sechs sind wir gut besetzt. Wir haben Sami Khedira, Toni Kroos, Bastian Schweinsteiger oder auch Emre Can, die diese Position sehr gut spielen können. Mein Ziel ist es, auf der Zehn meine Leistung zu bringen und so wie heute durch einen Assist zu glänzen. Das will ich in den nächsten Spielen weiter tun.

SPORT1: Wie beurteilen Sie Mario Götzes Rolle und seine Leistung? War es schwierig, ihn in Szene zu setzen und Pässe auf ihn zu spielen?

Özil: Nein, überhaupt nicht. Für ihn ist das auch sehr, sehr wichtig. Ich glaube, als Stürmer ist es für ihn auch ungewohnt. Aber wir wissen, welche Qualitäten er hat. Er hat wieder ein starkes Spiel abgeliefert. Er hat die Bälle gut gehalten und er wollte unbedingt das Tor erzielen. Mario Götze hat seine Leistung auch gebracht.

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SPORT1: Mats Hummels hat gesagt, dass er für das zweite Spiel wieder fit sei. Wäre es wichtig, ihn schon gegen Polen im Team zu haben?

Özil: Wir sind froh, dass er fit wird. Ich weiß aber nicht, ob das zum nächsten Spiel sein wird. Wichtig ist, dass er zu 100 Prozent auf dem Platz seine Leistung bringen kann.

SPORT1: Deutschland war die erste Mannschaft, die bei dieser EM mit zwei Toren Unterschied gewonnen hat. Wie stark sehen Sie das DFB-Team im Vergleich zu den anderen Top-Mannschaften?

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Özil: Es ist noch viel zu früh. Das war das erste Spiel und das ist sowieso immer das Wichtigste. Du musst die drei Punkte holen, das haben wir getan. Es ist definitiv zu früh zu sagen: Wir sind die Topfavoriten. Man hat gegen die Ukrainer teilweise gesehen, dass man auch kleine Nationen nicht unterschätzen darf. Wir machen Schritt für Schritt und schauen von Spiel zu Spiel. Jetzt kommt erst einmal Polen und wir wollen wieder drei Punkte holen.

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