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Bundestrainer Joachim Löw (l.) hat mit seinem Team vor dem EM-Start noch einige Baustellen zu bearbeiten © SPORT1-Grafik: Getty Images/Imago

Gelsenkirchen - Im Angriff flexibel, in der Verteidigung mit leichten Schwächen. SPORT1 zeigt, wo der Weltmeister für die EM gewappnet ist und wo Verbesserungsbedarf besteht.

Das 2:0 gegen Ungarn wird nicht in die Fußballgeschichte eingehen. Es war ein Pflichtsieg, ein typischer letzter Test vor einem großen Turnier.

"Der Sieg gibt Stabilität und ein gutes Gefühl für die nächste Woche", sagte Bundestrainer Joachim Löw. "Wir wissen aber auch, dass wir an dem ein oder anderem Thema intensiv arbeiten müssen."

Positiv: Nach mehr als einem Jahr blieb die deutsche Mannschaft wieder einmal ohne Gegentor.

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SPORT1 zeigt, wo der Weltmeister für die EM 2016 gerüstet ist und wo es noch Schwachstellen gibt.

Flexibel wie nie

Mario Götze auf der Neun, Mesut Özil auf der Zehn, dann Mario Gomez auf der Neun, Götze auf der Zehn und Özil auf der Sechs neben Toni Kroos – gegen Ungarn wirbelte der Bundestrainer seine Mannschaft und Taktik noch einmal kräftig durcheinander.

Auf der linken Seite empfahl sich Julian Draxler. Leroy Sane, Andre Schürrle und Lukas Podolski stehen als Alternativen bereit. In der Defensive gibt es verschiedene Optionen, den Ausfall des angeschlagenen Mats Hummels zu kompensieren.

"Wir haben die Flexibilität für unterschiedliche Systeme und Formationen", erklärte Löw: "Wir haben mehrere Varianten, und das ist auch gut."

Götze oder Gomez? Götze und Gomez!

In der zweiten Halbzeit harmonierten Gomez als Neuner und Götze als Zehner sehr gut. Auch bei der EM ist diese Variante vorstellbar.

"Ich bin mit beiden zufrieden und werde da von Spiel zu Spiel entscheiden", meinte Löw.

Zu wenige Torchancen trotz drückender Überlegenheit

Das DFB-Team begann furios, doch Draxlers Tor wurde fälschlicherweise zurückgepfiffen. Danach gab es zwar gute Ansätze, doch es dauerte fast 40 Minuten bis zur Führung. Die deutsche Elf dominierte klar, aber es sprang nur ein weiterer Treffer heraus.

"Aus dem guten Spiel, das wir teilweise zeigen, müssen wir noch mehr klare Chancen ziehen", merkte Toni Kroos zu Recht an.

Toni Kroos ist der Chef

Der Spanien-Legionär hatte die meisten Ballkontakte (85 bis zu seiner Auswechslung in der 69. Minute), gewann 75 Prozent seiner Zweikämpfe und leitete das 1:0 ein.

Bei Real Madrids Champions-League-Sieg am vergangenen Wochenende lief nach Kroos‘ Auswechslung kaum noch etwas im Mittelfeld der Königlichen zusammen, und auch im DFB-Team ist er der Lenker und Taktgeber.

Schweinsteiger ist der Kapitän, der um den Anschluss kämpfen muss, Kroos steht voll im Saft und ist der Chef auf dem Platz.

Berliner Mauer macht hinten dicht

In der Abwehr zeigte Antonio Rüdiger als Hummels-Ersatz eine gute Leistung neben Jerome Boateng. Die beiden gebürtigen Berliner machten nach leichten Startproblemen hinten den Laden dicht. Auch im Spiel nach vorn zeigte Rüdiger gute Ansätze - abgesehen von seinem vergebenen Kopfball. 

Schweinsteiger ist noch nicht so weit

Etwas mehr als 20 Minuten dauerte Bastian Schweinsteigers Comeback. Sein Einsatz hat aber gezeigt: Helfen kann Schweinsteiger der Mannschaft in der aktuellen Verfassung noch nicht.

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"Ich bin noch nicht für 90 oder 120 Minuten fit. Aber vor der WM 2014 konnte ich fast nichts machen, jetzt schon einiges", sagte Schweinsteiger im ZDF.

Löw meinte: "Es war gut, dass er auf dem Platz war. Er gibt dem Team Sicherheit mit seiner Persönlichkeit, aber muss im Training immer weiterarbeiten.

Außen hakt es noch

Auf der linken Abwehrseite zeigte sich Jonas Hector wieder verbessert, bereitete das 1:0 vor. Gegen internationale Klasse-Gegner muss sich der Kölner noch beweisen. Emre Can durfte erstmals links ran, hinterließ aber keinen bleibenden Eindruck.

Rechts spielte Benedikt Höwedes 90 Minuten. Der Schalker, der nach verschiedenen Verletzungen erstmals seit mehr als einem Jahr wieder in der Startelf stand, ließ defensiv nichts anbrennen, schaltete sich aber kaum in die Offensive ein. Doch dies wird bei der EM gegen tief stehende Gegner gefragt sein.

Joshua Kimmich scheint bessere Chancen zu haben. "Ich glaube, Kimmich kann dort spielen, er kann nach vorne eventuell manche Dinge machen", sagte der Bundestrainer, der sich aber noch "einiges offen lassen" will.

Dennoch: Knapp eine Woche vor dem ersten EM-Spiel gegen die Ukraine hat Löw noch keine Lösung gefunden.

Anfälligkeit für Konter

In der Anfangsphase setzten die Deutschen den ballführenden Ungarn kaum oder gar nicht unter Druck, das Spiel nach hinten war zu lässig. So etwas kann gegen starke Gegner ins Auge gehen.

Die defensiven Laufwege müssen besser werden –  vor allem, wenn das DFB-Team so hoch verteidigt.

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