vergrößernverkleinern
Thomas Helmer zeigt in seiner Kolumne Verständnis für die Kritik von Jerome Boateng © SPORT1-Grafik: Picture Alliance

Auch Thomas Helmer sieht das große Manko der deutschen Mannschaft bei der EM in der fehlenden Torgefahr. Der Doppelpass-Moderator empfiehlt Löw einen Wechsel.

Hallo Fußball-Freunde,

Dank der Einladung des DFB für die Europameister von 1996 war ich gegen Polen live im Stade de France. Aber das Spiel fand ich eher überschaubar, um es vorsichtig zu formulieren.

Die positive Erkenntnis war sicher, dass wir mit Manuel Neuer und Jerome Boateng zwei Weltklasseleute in der Defensive haben, auch die Leistung von Mats Hummels im ersten Spiel nach der Verletzungspause war völlig in Ordnung.

Aber wir hatten kein Tempo, wenn es nach vorne ging. Deshalb konnten sich die Polen immer wieder ordnen und standen dann sehr gut. Der eine oder andere deutsche Offensivspieler ist im Moment offenbar nicht in Topform.

Thomas Müller ist ein bisschen überspielt, ihm fehlt die Frische. Mesut Özil war genauso schwach wie im ersten Spiel. Er sollte eigentlich der Taktgeber sein, doch davon ist im Moment nichts zu sehen. Und die Idee mit Mario Götze als einziger Spitze sehe ich nach wie vor skeptisch.

Deshalb war die Kritik von Boateng an der Offensive auch völlig berechtigt. Wenn das einer sagen darf, dann er. Von seiner Leistung her sowieso, aber auch vom Standing in der Mannschaft, das steht außer Frage.

Video

Ich finde, dass wir momentan ein bisschen sehr berechenbar sind für die Gegner. Jogi Löws Alternativen für die Startelf sind allerdings begrenzt. Bastian Schweinsteiger ist noch nicht so weit.

Leroy Sane kann ich mir als Überraschungsmoment vorstellen, aber nicht von Anfang an. Am ehesten sehe ich Mario Gomez als Option, weil er sehr groß, robust und kantig ist.

Gegen Nordirland wird es nun ein sehr wichtiges Spiel, denn wir brauchen ja mindestens einen Punkt. Doch unser Anspruch muss eigentlich ein anderer sein.

Das Ergebnis gegen Polen sehe ich da weniger als Problem, Sorgen macht mir eher die fehlende Torgefahr. Das ist unser großes Problem. Thomas Müller hat gesagt, die Mannschaft sei besser als 2014. Ich sehe das momentan noch nicht so. 

Bis zum nächsten Mal,
Euer Thomas Helmer

Ex-Nationalspieler Thomas Helmer gewann als Abwehrchef 1996 in England mit der DFB-Auswahl den bislang letzten EM-Titel. Während der Europameisterschaft in Frankreich moderiert der frühere Kapitän von Bayern München den EM Doppelpass und analysiert die deutschen Spiele in seiner SPORT1-Kolumne.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel