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Die Kritik an Joachim Löw und seine Umstellung gegen Italien ist nicht gerechtfertigt © SPORT1/Imago

Bordeaux - Experten werfen dem Bundestrainer vor, sich zu sehr an Italien angepasst zu haben. Aber genau das ist seine Aufgabe, die er gut gelöst hat. Kommentar zum Viertelfinale.

Sie haben gezittert, sie haben gelitten – und am Ende hat es doch gereicht. Deutschland hat Italien geschlagen. Bei einem großen Turnier. Als es darauf ankam.

Joachim Löw tilgt damit auch den letzten dunklen Fleck in seiner Laufbahn als Bundestrainer, die ihm schon zwei Mal bittere Enttäuschungen gegen die Squadra Azzurra eingebracht hat.

Natürlich ist im Elfmeterschießen immer Glück dabei. Gerade wenn es so verläuft wie dieser epische Schlagabtausch vor der italienischen Fankurve in Bordeaux. Doch der Verlauf zeigt eben auch, dass das DFB-Team diesen Sieg gegen Italien auf jeden Fall haben wollte, dass sie den Fluch gegen den Angstgegner endlich vertreiben wollten.

Neben dem ohnehin herausragenden Manuel Neuer übernehmen Spieler wie Joshua Kimmich und Jonas Hector Verantwortung und haben ihre Nerven im Griff. Wenn die eigentlichen Leader wie Thomas Müller, Mesut Özil und Bastian Schweinsteiger Schwächen zeigen, ist die zweite Reihe wie Kimmich, Hector und auch Julian Draxler zur Stelle.

Das beweist, dass diese Weltmeister-Mannschaft das Sieger-Gen in sich aufgenommen hat und weiter trägt. Auch das ist ein Verdienst von Löw und seinem Trainerteam.

Die Kritik von Experten wie Mehmet Scholl an der Umstellung auf eine Dreierkette läuft ins Leere. Ja, Löw hat sich am Gegner orientiert. Aber das ist auch sein Job.

Die Dreierkette wurde in den letzten zwei Jahren immer wieder eingesetzt – unter anderem auch sehr erfolgreich im März gegen Italien. Hätte er das bewährte System beibehalten und wäre gescheitert, wäre ihm Arroganz vorgeworfen worden, nicht auf die Stärken der Italiener einzugehen.

Natürlich bietet das Drama von Bordeaux auch Ansätze zur Kritik. Die vor allem nach dem Ausgleich einfallslosen Angriffsbemühungen wird auch Löw in der Analyse noch mal ansprechen.

Unter dem Strich bleibt aber, dass er in sechs großen Turnieren mit dem DFB-Team immer das Halbfinale erreicht hat.

Das soll ihm erstmal jemand nachmachen.

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