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Bordeaux - Als es darauf ankommt, ist Manuel Neuer im EM-Viertelfinale gegen Italien einmal mehr da. Trotz seiner Glanztaten warnt er vor weiterem Nervenkitzel.

Noch während die Frage gestellt wurde, schüttelte Manuel Neuer immer wieder den Kopf.

Nein, so etwas Verrücktes wie das Elfmeterschießen von Bordeaux gegen Italien hatte selbst Neuer noch nicht erlebt: "Und ich hab schon ein paar Elfmeterschießen mitgemacht."

18 Schützen waren nötig, bis Deutschland seinen Italien-Fluch besiegt hatte.

"Dass auch so viele Schützen drankommen, war ein richtiges Drama. Dieses Elfmeterschießen hat so auch zu dem Duell Deutschland gegen Italien gepasst", sagte Neuer.

Am Ende war der Torwart-Gigant der Mann des Abends.

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Viermal Sieger

Zwei Elfmeter gehalten, zwei Fehlschüsse provoziert - und das fast auf den Tag genau zehn Jahre nach dem letzten Turnier-Elfmeterschießen, dem Viertelfinal-Drama gegen Argentinien bei der Heim-WM 2006.

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Damals war der Zettel im Stutzen von Jens Lehmann weltberühmt geworden. Neuer kam ganz ohne Zettel aus, der hätte aber wohl eh nichts genutzt.

"Ich habe mich natürlich vorbereitet, aber ich hab keinen von denen gehalten, auf die ich mich vorbereitet habe", erklärte Neuer: "Die Italiener wussten, dass ich meine Hausaufgaben gemacht habe."

Zum Man of the Match gewählt

Wieder einmal war Neuer da, als es am meisten darauf ankam, wurde auch zum "Man of the Match" ernannt.

"Ich verstehe ja, dass einzelne Spieler herausgehoben werden müssen. Aber beim Elfmeterschießen kann ein Torwart eben auch nur gewinnen", frotzelte Kollege Mats Hummels.

120 Minuten lang bekam Neuer abgesehen von Leonardo Bonuccis Elfmeter nahezu keinen gefährlichen Ball aufs Tor. "Sie können nur gegen Standards ein Tor gegen uns erzielen" meinte der 30-Jährige.

Beim Rasenschach von Bordeaux war er ansonsten vor allem als Anspielstation gefragt, wenn die deutsche Mannschaft versuchte, dem Pressing der Italiener zu entgehen und das Spiel sauber aufzubauen. Neuer spielte 49 Pässe - immerhin fünf mehr als Feldspieler Thomas Müller. 90 Prozent davon kamen an den Mann.

Uralt-Rekord geknackt

Ganz nebenbei knackte Neuer auch noch den uralten Zu-Null-Rekord von Sepp Maier. Bis zu Bonuccis Elfmeter in der regulären Spielzeit blieb Neuer 527 Minuten bei großen Turnieren ohne Gegentor. Es war das erste seit dem bedeutungslosen 1:7 der Brasilianer im WM-Halbfinale vor zwei Jahren.

Die "Strafe" für Serienkiller Bonucci? Im Elfmeterschießen revanchierte sich Neuer. "Den Bonucci wollte ich nicht zweimal treffen lassen, deshalb hab ich ihn gehalten", sagte er.

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Deutsche Bilanz hält

Deutschland bleibt damit seit dem allerersten Elfmeterschießen - der Niederlage im EM-Finale 1976 gegen die Tschechoslowakei - unbesiegt vom Punkt.

Neuer könnte auf weiteren Nervenkitzel trotzdem verzichten. "Jedes Spiel zählt für sich, man kann sich nicht darauf verlassen, dass Deutschland automatisch weiterkommt, wenn es in ein Elfmeterschießen geht", warnte er.

Zumal, wenn gleich drei Spieler verschießen. Vielleicht hätte der Bayern-Keeper direkt selber schießen sollen, so wie im Champions-League-Finale 2012 gegen Chelsea.

"Wenn sich keiner mehr gemeldet hätte, hätte ich geschossen", sagte Neuer.

Musste er aber nicht - weil er selber gegen Bonucci hielt.

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