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Düsseldorf - Das Länderspiel gegen Finnland wird für Bastian Schweinsteiger der letzte Auftritt im DFB-Trikot sein. Vorher gewährt der Kapitän seltene Einblicke in sein Seelenleben.

Bastian Schweinsteiger posierte lächelnd für ein paar Selfies. Ein paar nette Worte mit Fans hier, Autogramme dort.

Leger im grünen T-Shirt genoss er den Auftritt bei seiner letzten Pressekonferenz als Nationalspieler vor dem Freundschaftsspiel am Mittwoch gegen Finnland (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER) sichtlich. Er wirkte gelöst, gereift, war redselig und offen.

Was insofern ein wenig ungewöhnlich ist, da das Frage- und Antwortspiel mit den Medien auf dem Podium nicht immer seine Lieblingsbeschäftigung war, wenn überhaupt nur eine Pflichtübung. Was er die Anwesenden gerne auch mal spüren ließ, oft mit kurzen Antworten oder kargen Aussagen.

Doch diesmal war alles anders.

Schwelgen in der Vergangenheit

Der 32-Jährige gewährte seltene Einblicke in sein Seelenleben. Er schwelgte in vergangenen Zeiten, nahm die Zuhörer mit auf eine kleine Zeitreise, teilte Emotionen und Gedanken der letzten zwölf Jahre, in denen er vom blondierten Spaßvogel zum ergrauten Leitwolf reifte.

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Sein erstes Länderspiel am 6. Juni 2004 gegen Ungarn ("leider verloren, aber ein besonderer Moment") zum Beispiel. Oder der WM-Titel ("die Krönung"), der lustigste Moment (Lukas Podolski lag bei der WM 2006 "wie ein toter Hund im Bett, das Handy war ihm aus der Hand gefallen").

Oder aber der Zeitpunkt unmittelbar vor dem WM-Finale, als Schweinsteiger die Mannschaft einstimmte ("Männer, jetzt geht’s los") und Thomas Müller erwiderte: "Nicht jetzt, sondern erst in fünf Minuten".

Schweinsteigers Uhr in der Nationalmannschaft läuft gegen Finnland unwiderruflich ab, ob es nun für eine Halbzeit reichen wird oder etwas mehr, darauf wollte er sich nach eineinhalb Monaten ohne Spielpraxis nicht festlegen.

Aufblühen im Kreise des DFB

Es dürfte ihm aber auch egal sein. Einmal noch darf er angesichts seiner schwierigen Situation bei Manchester United im Umfeld der Mannschaft aufblühen, die Wertschätzung spüren. Noch einmal die Kapitänsbinde überstreifen, der Nationalhymne lauschen, bis dieses Kapitel für ihn nach 121 Länderspielen endgültig beendet sein wird.

Auch wenn es, wenn sein Körper immer mitgespielt hätte, 175 Einsätze hätten sein können, er wäre also schon längst Rekordnationalspieler. Doch auch das ist in diesen Tagen vollkommen egal. "Es ist schade, dass ich diese Zahl nicht erreicht habe. Ich bin aber trotzdem sehr glücklich, wie viele Spiele ich machen konnte."

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Rat an die Jugend

Schweinsteiger nutzte stattdessen die Bühne, auf der sich für ihn ein kleiner Kreis schloss. 2014 bekam er in Düsseldorf von Bundestrainer Joachim Löw die Binde, rund zwei Jahre später gibt er sie wieder ab. Nicht ohne den jungen Spielern etwas mit auf den Weg zu geben.

"Ich hoffe, dass sie verstehen, dass es auf die Tugenden ankommt. Gerade wir werden im Ausland wegen unserer mentalen Stärke beneidet, und die müssen bei uns immer eine Rolle spielen", sagte Schweinsteiger.

Anforderungen an den neuen Kapitän

An wen er den Staffelstab weiterreichen wird, weiß er noch nicht. Dafür aber, auf welche Anforderungen es ankommen wird. "Er darf nicht an sich selbst denken, sondern an die Allgemeinheit. Er muss zum richtigen Zeitpunkt das Wort ergreifen und vorangehen", sagte er.

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Er selbst ging auch ohne Binde immer voran, nun tritt er als Großer ab. Ziemlich sicher aber vor halbleeren Rängen, nur rund 20.000 Karten wurden für das Spiel in Mönchengladbach bislang verkauft.

Genießen wird er es trotzdem.

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