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Rio de Janeiro - Das DFB-Team verpasst einen historischen Triumph in Maracana. Einem erfahrenen Stürmer versagen im Elfmeterschießen die Nerven. Superstar Neymar wird zum Helden.

Die deutschen Fußballer haben den historischen Olympiasieg im Hexenkessel Maracana trotz aufopferungsvollen Kampfes auf dramatische Weise verpasst.

Zum Abschied von Trainer Horst Hrubesch verlor das leidenschaftlich kämpfende DFB-Team das Traumfinale gegen Gastgeber Brasilien um Superstar Neymar unglücklich mit 4:5 i.E. Nach Verlängerung hatte es 1:1 (1:1, 0:1) gestanden.

Petersen verschießt

Im finalen Shootout versagten Nils Petersen die Nerven. Kapitän Neymar höchstpersönlich verwandelte den entscheidenden Schuss vom Punkt - und machte die Revanche für das 1:7 im WM-Halbfinale 2014 zur Freude von 70.000 frenetischen Fans und Millionen Landsleuten perfekt.

"Ich habe den Jungs schon vor dem Elfmeterschießen gesagt: Was wir hier gemacht haben, ist überragend. Klar, im ersten Moment sind sie niedergeschlagen. Aber wir gehen hier als Gewinner raus, nicht als Verlierer", sagte Hrubesch in der ARD: "Ich bin rundum glücklich. Ich hätte gerne die Goldene gehabt und die Jungs auch, aber was wir geleistet haben, war toll."

Neymar (27.) hatte Brasilien zuvor schon in Führung gebracht, Deutschlands Spielführer Max Meyer (59.) ausgeglichen. Für Rekordweltmeister Brasilien war es nach drei Mal Silber das erste Gold. (Der Medaillenspiegel)

Deutschland im Pech

Meyer und Co. hatten mit drei Lattentreffern großes Pech, verließen die legendäre Arena aber mit Silber dekoriert und erhobenen Hauptes. Einen Tag nach dem erstmaligen Triumph der Frauen war Doppel-Gold möglich. Hrubeschs Elf rackerte und kämpfte, doch zwei Jahre nach dem WM-Triumph an gleicher Stelle reichte es nicht zum dritten Brasilien-Märchen.

Bei Neymars Freistoß zum 1:0 prallte der Ball von der Unterkante der Latte ins Tor, Keeper Timo Horn kam den Bruchteil einer Sekunde zu spät. "O Maraca é nosso", das Maracana ist unser, sangen die brasilianischen Fans. Daran änderten auch die Aluminiumtests von Julian Brandt (11.), Kapitän Max Meyer (31.) und Sven Bender (35.) nichts.

Prominenz auf der Tribüne 

"Möge Gott mein Land segnen", hatte der große Pelé kurz vor dem Spiel gefleht - und der Allmächtige erhörte ihn. Auf der Tribüne drückte überdies Sprintsuperstar Usain Bolt im Kreise von Neymars Familie die Daumen. Die DFB-Elf hielt mit WM-Kapitän Philipp Lahm dagegen. "Holt euch das Ding! Das Gefühl ist unbeschreiblich - das könnt ihr mir glauben", schrieb er.

In einem hitzigen, phasenweise wilden Spiel hatte die DFB-Elf vor allem im Mittelfeld Probleme. Als der erfahrene Lars Bender verletzt raus musste (67.), geriet sie mehr und mehr unter Druck. Trainer Hrubesch musste an der Seitenlinie immer wieder zur Ruhe gebracht werden.

Neymar als Anführer

Vor allem Neymar, der die Schmach von Belo Horizonte verletzt verpasst hatte, machte deutlich, dass es sich hier um eine nationale Angelegenheit handelte. Er sang die Hymne andächtig mit geschlossenen Augen mit, gab den Anpeitscher, er dribbelte und foulte. Mit seinen Tricks übertrieb er es aber.

Meyer bestrafte diese Überheblichkeit mit dem ersten sauberen Angriff in Hälfte zwei auf Zuspiel von Jeremy Toljan aus elf Metern. Nach seinem Treffer rannte der Schalker zur Eckfahne und küsste mehrfach den Bundesadler auf seiner Brust. Es war das erste Gegentor Brasiliens im Turnierverlauf (509 Minuten).

In der Schlussphase schwanden auf deutscher Seite mehr und mehr die Kräfte, Neymar verfehlte das Tor knapp (78.). In der Verlängerung rettete Horn stark gegen Felipe Anderson (106.).

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