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München - Über den Auftritt von Mario Götze in Norwegen gehen die Meinungen auseinander. Er selbst sieht sich auf einem guten Weg - die Daten sagen etwas anderes.

Es war nicht der Abend des Mario Götze, mal wieder nicht.

Die 72 Minuten, die der Neu-Dortmunder beim souveränen 3:0-Sieg gegen Norwegen in Oslo auf dem Platz stand, lasen sich auf dem Statistikbogen jedenfalls nicht wie ein Bewerbungsschreiben für künftige Einsätze.

Kümmerliche 17 Ballkontakte und einen Torschuss hatte Götze als Arbeitsnachweis zu verzeichnen, als er von Julian Brandt abgelöst wurde. Die Statistik weist ihn beinahe als Phantom aus. Auf dem Platz war er kaum zu sehen.

Was der vor Selbstvertrauen strotzende Brandt derzeit im Übermaß besitzt, ist bei Götze in den vergangenen Monaten und Jahren verloren gegangen: Unbekümmertheit und Spielfreude, gepaart mit einem Schuss Genialität.

So nutzte der Leverkusener Olympiaheld die verbliebenen 20 Minuten, um Werbung in eigener Sache zu machen: Brandt hatte am Ende nur einen Ballkontakt weniger als Götze - und zwei Torschüsse mehr.

Statistiken sprechen gegen Götze

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Götzes Zweikampfbilanz (nur zwei von neun gewonnen) reihte sich nahtlos ins statistische Bild ein und passt zu den kritischen Worten, die TV-Experte Jens Lehmann bei RTL geäußert hatte: "Er gibt mir das Gefühl, dass er nichts macht. Ich habe keine Sprints gesehen, ich habe nichts gesehen."

Lehmann erhielt bei seinem gnadenlosen Richterspruch allerdings nicht ungeteilten Zuspruch von allen Seiten. In der Beurteilung von Götzes Leistung herrschte zwar Einigkeit darüber, dass das deutsche (Kombinations-)Spiel weitgehend an ihm vorbei gelaufen war. (Müller trifft - das Problem bleibt)

"Man schafft Räume für die Mitspieler"

Andererseits: Hatte sich Götze nicht aufgeopfert, damit andere glänzen konnten? Das jedenfalls war die Meinung der Beobachter, die durchaus einen Mehrwert im Spiel des 24-Jährigen erkannt hatten.

Götze, erneut als "falsche Neun" eingesetzt, stand gegen die hünenhafte Abwehr der Skandinavier zwar auf verlorenem Posten - doch er ließ sich davon nicht beirren und sorgte mit seinen Laufwegen zumindest für Unruhe im gegnerischen Strafraum. 

"Wenn der Gegner tief steht, ist es enorm schwer, an Bälle zu kommen", erklärte Götze. "Aber man schafft Räume für die Mitspieler".

Unzufrieden mit seiner Leistung schien er keineswegs. Auf die Frage von SPORT1, bei wieviel Prozent er sich sehe, schmunzelte Götze. "Bei 99,9."  

Er fühle sich gut, auch wenn er gerne ein Erfolgserlebnis gehabt gätte. "Ein Tor hat noch gefehlt, das hätte ich gerne gemacht, da es wichtig ist, wenn man als Stürmer aufgestellt wird."

Freude auf Zukunft in Dortmund

Unbestritten ist jedoch, dass Götzes Auftritt gegen die zweitklassigen Norweger nicht als Maßstab taugt.

In der Nationalmannschaft bekommt er weiter das volle Vertrauen des Bundestrainers geschenkt. Auch weil Joachim Löw sich keine Alternativen für den Sturm berufen hatte. Löw will "wieder ein Lächeln in seinem Gesicht" gesehen haben. Götze brauche noch Zeit, der Wechsel nach Dortmund sei aber wichtig gewesen.

Seine Rückkehr zum BVB soll die alten Tugenden wiederbeleben, den Spaß am Fußball zurückbringen, der ihm beim FC Bayern verlorengegangen war. Doch im Verein steht der Siegtorschütze des WM-Endspiels vor zwei Jahren am Scheideweg. Zuletzt hatte BVB-Trainer Thomas Tuchel ihn nicht einmal in den Kader für den Bundesligastart gegen Mainz berufen.

Doch Götze gibt sich zuversichtlich. "Ich kehre nach Dortmund zurück, um zu spielen. Ich freue mich auf das was kommt", sagte er zu SPORT1.

"Hat er irgendwelche Statistiken gesehen?"

Am Ende versuchte er noch, Lehmanns Kritik zu kontern. "Hat er irgendwelche Statistiken gesehen? Ich glaube, dass es nicht einfach war für mich, da wir viel über Außen gespielt haben", sagte Götze bei Sport Bild.

Das Problem: Auf Statistiken konnte er sich an diesem Abend nicht berufen.

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