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Durch den Sieg beim wilden Torfestival gegen Russland qualifiziert sich die U21 des DFB für die EM-Endrunde. Die Abwehrarbeit sorgt bei Spielern und Trainer für Kritik.

Stefan Kuntz riss die Arme jubelnd in die Höhe und atmete kräftig durch.

Das wilde 4:3 (3:2) gegen Russland hatte ziemlich am Nervenkostüm des Trainers der deutschen U21-Nationalmannschaft gezehrt. "Da bekommst du graue Haare", sagte Kuntz. Und doch überwog beim Nachfolger von Horst Hrubesch die Freude, schließlich brachte der Erfolg in Ingolstadt das Ticket zur EM-Endrunde 2017 in Polen.

Doch um im kommenden Sommer dann auch ein Titelkandidat zu sein, bedarf es noch einiger Arbeit. So quicklebendig wie das Offensivspiel des DFB-Nachwuchses auch sein mag, das Defensivverhalten war alles andere als konkurrenzfähig. "Wir müssen diesen Offensivgeist ein bisschen regulieren", sagte Kuntz. Sprich, dem Hurra-Stil ein wenig mehr Balance zuführen.

Spieler üben Selbstkritik

Die Spieler sahen das ähnlich, allen voran Kapitän Maximilian Arnold, der mit zwei Toren (11., 57./Foulelfmeter) glänzte. "Wir wissen, dass es nicht optimal war", räumte der Wolfsburger ein.

Innenverteidiger Niklas Süle aus Hoffenheim sah einige Abstimmungsprobleme, während Jungstar Leroy Sané von Manchester City resümierte: "Für uns sah das nicht so gut aus wie für den neutralen Zuschauer."

Auch beim 20-Jährigen war zu erkennen, dass die Rückwärtsbewegung nicht unbedingt seine Lieblingsbeschäftigung ist. Insgesamt wurde es deshalb spannender als nötig, weil die Russen das Spiel trotz Arnolds Doppelpack und der weiteren Tore von Serge Gnabry (34.) sowie Davie Selke (36.) bis zum Schluss offenhielten.

Kuntz dankt seinem Vorgänger

"Wir haben zu viel zugelassen", monierte Kuntz, der auch seinem Vorgänger Hrubesch Glückwünsche schickte. Noch unter dessen Leitung hatte die U21 den Grundstein für die erfolgreiche Qualifikation gelegt. "Er hat einen Riesenanteil", meinte Selke.

Trotz der enormen defensiven Mängel wurde beim neunten Sieg im neunten EM-Qualifikationsspiel aber auch deutlich, mit welch besonderer Qualität diese U21 gesegnet ist. Eine solch exquisite Ansammlung möglicher Nationalspieler hat es seit dem Europameister-Team von 2009 wohl nicht gegeben. "Es steckt wahnsinnig viel Potenzial in dieser Mannschaft", stellte Weltmeister Matthias Ginter trefflich fest.

Sané, Süle, Jonathan Tah, Mahmoud Dahoud sind nur einige Beispiele dafür. Beinahe durchweg hat diese U21 bereits internationale Erfahrung auf sehr hohem Niveau vorzuweisen. Und die Verzahnung zum A-Team von Bundestrainer Joachim Löw ist ohnehin eng. "Ich habe es nicht verstanden, wenn man sagt, manche müssen in der U21 spielen", merkte Kuntz deshalb an.

Kein Freundschaftsspiel gegen Österreich

Obwohl nun in Gruppe 7 bereits alles entschieden ist, will Kuntz die EM-Qualifikation am Dienstag beim Prestigeduell in Österreich (ab 18 Uhr im LIVETICKER) erfolgreich abschließen. "Haben sie bei Schalke gegen Dortmund schon mal ein Freundschaftsspiel gesehen?", fragte der 53-jährige Coach angesichts der besonderen Rivalität zur Alpenrepublik.

Mit dem zwölften Länderspielsieg in Folge könnte die U21 zudem ihren Rekord weiter ausbauen. Und eine makellose Quali-Bilanz hat es auch noch nicht gegeben.

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