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DFB-Außenverteidiger der Zukunft
Alternativen für Löw? Benjamin Henrichs, Mitchell Weiser, Lukas Klostermann und Jeremy Toljan (v.l.) © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann/Getty Images/Imago/dpa Picture-Alliance

Hamburg und Hannover - Hector und Kimmich haben sich als Außenverteidiger im DFB-Team festgespielt, sind aber keine Spezialisten. Der DFB kennt das Problem. SPORT1 sagt, wer es beheben könnte.

Erinnern Sie sich noch an die Nationalspieler Erik Durm und Christian Günter? Oder an die DFB-Auftritte von Sebastian Jung und Oliver Sorg?

Es sei Ihnen verziehen, wenn nicht.

Anders als die für ihre Flanken und Torschüsse einst berühmt-berüchtigten Außenverteidiger Andreas Brehme und Manfred Kaltz konnten die eingangs Genannten keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Der Außenverteidiger - er ist eine seltene Spezies geworden in der Nationalmannschaft.

Lange war dieses Problem kaum jemandem aufgefallen, es gab ja einen Philipp Lahm, der rechts wie links verteidigen konnte. Doch nach seinem Rücktritt aus dem DFB-Team hinterließ der Münchner ein großes Loch.

Aus den jüngeren Generationen kam niemand mit ansatzweise vergleichbarer Qualität nach - bis jetzt.

Flick nennt Kandidaten

Denn DFB-Sportdirektor Hansi Flick hat nun endlich einige Lahm-Nachfolger auf dem Zettel.

"Dass bereits an der Ausbildung und Entwicklung von Außenverteidigern gearbeitet wurde, wird an den aktuellen Junioren-Nationalmannschaften deutlich", erklärt Flick bei SPORT1: "Hier haben wir einige Spieler mit enormen Qualitäten und Perspektive."

"Lukas Klostermann und Jeremy Toljan haben bei den Olympischen Spielen klasse Leistungen gezeigt", lobt Flick das Duo bei SPORT1 und ergänzt: "In der U21 haben wir mit Mitchell Weiser, Yannick Gerhardt und Benjamin Henrichs weitere Akteure, die auch in der Bundesliga überzeugen."

In der Tat sind Henrichs (19, Rechtsverteidiger, Bayer Leverkusen), Weiser (22, Rechtsverteidiger, Hertha BSC) und Gerhardt (22, Linksverteidiger, VfL Wolfsburg) auf einem guten Weg - gelernte Außenverteidiger aber sind auch sie ähnlich wie Kimmich allesamt nicht.

"Wollen alle Tore schießen"

Um das Problem zu erkennen, muss man zu den Anfängen gehen. Dann wird deutlich, dass fußballspielende Kinder meist offensive Mittelfeldspieler oder Stürmer als Vorbild haben. "Die wollen alle Tore schießen", sagt Jürgen Holletzek, Leiter der VfL Bochum 1848 Fußballschule bei SPORT1.

Benedikt Höwedes und Shkodran Mustafi vor der WM 2014
Benedikt Höwedes (l.) und Shkodran Mustafi mussten bei der WM 2014 als Außenverteidiger ran © Getty Images

Auch DFB-Teammanager Oliver Bierhoff spricht von einem gesamtheitlichen Problem.

"Da möchte ich den gesamten deutschen Fußball miteinbeziehen, weil häufig von den Vereinen gesagt wird, dass die Spieler bei ihnen ausgebildet werden und trainieren", sagte Bierhoff im SPORT1-Interview.

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DFB und Vereine hätten es "gemeinsam nicht geschafft, obwohl wir dieses Problem seit zehn Jahren kennen, genügend Alternativen auf dieser Position zu schaffen", gab Bierhoff zu. Jetzt seien alle Seiten gefordert, endlich Lösungen zu finden.

Bei den Klubs habe bereits ein Umdenken stattgefunden, sagt der Leiter der Bochumer Fußballschule, bei der auch "Mr. Bananenflanke" Kaltz als Jugendtrainer arbeitet.

"Wir vermitteln den Kindern und Jugendlichen, dass das Vorbereiten genauso wichtig ist wie das Toreschießen", erklärt Holletzek.

Klostermann derzeit verletzt

Allerdings wird es noch einige Zeit dauen, bis sich dieses Umdenken langfristig auswirkt.

Bis dahin muss sich Löw testen und improvisieren.

Er hat bereits angekündigt, bei den nächsten Länderspielen im November etwas auszuprobieren.

Der bei Olympia starke Lukas Klostermann (20, Rechtsverteidiger, RB Leipzig) steht wegen seines Kreuzbandrisses dann nicht zur Verfügung, wohl aber sein Gegenüber Jeremy Toljan (22, Linksverteidiger, TSG Hoffenheim) auf der anderen Seite.

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Linksverteidiger Lukas Klostermann von RB Leipzig glänzte bei Olympia auch als Torschütze © Getty Images

Rüdiger mit den größten Chancen?

Benjamin Henrichs spielte bis zu seiner Beförderung zu den Profis im Frühjahr stets im Mittelfeld. Auch Yannick Gerhardt lief sowohl bei Ex-Klub Köln wie auch jetzt in Wolfsburg immer im Mittelfeld auf, gibt nur bei den DFB-Junioren den Linksverteidiger. Der einst beim FC Bayern zum Rechtsverteidiger umgeschulte Weiser bringt da noch die meiste Erfahrung auf der defensiven Außenbahn mit.

Bleiben noch Ginter (22, Allrounder, Dortmund), der schon beim WM-Triumph dabei war, und Julian Korb (24, Rechtsverteidiger, Mönchengladbach), der in seiner Zeit bei der U21 überzeugte und mit Gladbach in der Champions League spielt.

Mittelfristig aber könnte Rüdiger bei Löw die besten Chancen als Außenverteidiger haben: Nach seiner schweren Knieverletzung ist der Italien-Legionär auf dem Weg zurück und hat auch schon wieder ein Testspiel bestritten.

Aber auch Rüdiger ist: gelernter Innenverteidiger.

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