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Mesut Özil trägt im DFB-Team die Nummer Zehn Deutschland Nordirland
Mesut Özil trägt im DFB-Team die Nummer Zehn © Getty Images

München - Schönwetterspieler? Ach was. Mesut Özil befindet sich vor dem Nordirland-Spiel in der vielleicht besten Form seiner Karriere. SPORT1 erklärt warum.

Der alte Ruf, er holt Mesut Özil immer noch ab und zu ein.

Vor einigen Wochen etwa, nach dem 1:1 seines FC Arsenal in der Champions League gegen Paris St. Germain, machte in den englischen Medien ein Video die Runde, in dem ein Gunners-Fan den deutschen Spielmacher in der Luft zerriss.

Eine "Verschwendung von Platz" sei der deutsche Spielmacher - und Schlimmeres, was an dieser Stelle nicht wiedergegeben werden soll.

Geschimpfe über Özil, wenn ein Spiel nicht nach Wunsch verläuft: Es ist über die Jahre eine liebgewonnene Gewohnheit geworden, in England wie in Deutschland. Allzu oft hört man es in letzter Zeit aber trotzdem nicht mehr. Weil er immer seltener Gründe dafür liefert.

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Özil ist Dreh- und Angelpunkt

In der Premier League feierte er zuletzt fünf Siege hintereinander mit Arsenal, gekrönt von einem Traumtor beim 3:0-Triumph über den FC Chelsea, den sein Trainer Arsene Wenger als "eine der besten Vorstellungen der letzten Jahre" feierte.

Bei Wenger ist Özil mittlerweile unumstrittener Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld. Ebenso im DFB-Team, bei dem im WM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland mit der nächsten Glanzvorstellung gerechnet werden darf.

Zum 3:0 über Tschechien trugen Özils Pässe mal wieder entscheidend bei, als "bester Özil aller Zeiten" wurde er danach von Journalisten gefeiert. SPORT1 erklärt warum.

- Etabliert als Zehner:

Obwohl Özil mit 83 Länderspielen (21 Tore, 37 Vorlagen) mittlerweile Löws erfahrenster Akteur ist: Lange Zeit spielte er im DFB-Team selten auf seiner stärksten Position als klassischer Spielmacher.

Erst seit dem Ende der WM 2014 ist er auf die Zehner-Rolle abonniert, spielte sie in 17 der 20 Einsätze seitdem - und kam darin zu voller Entfaltung.

Seit dem Rücktritt von Lukas Podolski trägt Özil auch die Rückennummer 10. Was ihm wichtig ist: "Legenden wie Zinedine Zidane, Diego Maradona und Pele haben diese Zahl auf dem Rücken getragen, ich bin wirklich glücklich darüber."

Was Özil in der Nationalelf ebenfalls zugutekommt: Mit den meisten seiner Mittelfeldkollegen versteht er sich blind, mit Sami Khedira, dem ehemaligen Real-Kollegen, und Toni Kroos kreiselte der Ball gegen Tschechien zeitweise wie von selbst.

"Man sieht ja, dass wir super klarkommen miteinander", sagte Özil dazu SPORT1: "Wir haben Spaß, helfen uns gegenseitig, so soll es ja auch sein."

- Mehr als nur Schönspieler:

Bis heute hängt Özil ein Ruf als Schönwetterspieler nach - siehe oben -, es gelingt ihm aber immer besser, dieses Bild zu korrigieren.

Statistiken weisen ihn immer wieder als Arsenals lauffreudigsten Spieler aus, als emsigen Passgeber und immer bereite Anspielstation sowieso.

Özil definiert sich längst nicht mehr nur über die genialen Momente, die ihn schon immer ausgezeichnet haben: Er rackert beständig, auch ohne Ball und in der Defensive. Gegen Tschechien etwa verblüffte er das Publikum mit einem Blitz-Sprint vom gegnerischen Strafraum zurück zur Mittellinie, um dem Gegenspieler dort den Ball abzujagen.

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- Suche nach den letzten Prozenten:

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat Özil in letzter Zeit Ernährung und Training etwas umgestellt und zwei Kilo Gewicht verloren, was ihn noch leichtfüßiger macht.

Özil soll sich auch im Alltag noch etwas mehr Disziplin angewöhnt haben. Generell habe ihm der Wechsel zu Arsenal langfristig gut getan, er sei selbstständiger geworden (nach dem Wechsel hörte er auf, sich von seinem Vater beraten zu lassen), traue sich mehr vor die Kameras, taucht also auch abseits des Spielfeldes weniger ab.

Kein Wunder, dass Özil dabei ist, auch seine langfristige Zukunft bei Arsenal zu planen. Es laufen Verhandlungen über eine Verlängerung seines bis 2018 laufenden Vertrages - angeblich zu traumhaften Bezügen.

Die Times berichtete von einem angestrebten Wochengehalt von 250.000 Pfund, was etwa 14,5 Millionen Euro Jahresgehalt wären.

In seiner aktuellen Form ist Özil dafür in guter Verhandlungsposition.

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