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Reinhard Grindel hat beim DFB einige Probleme zu lösen © SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann / Getty Images

München - DFB-Präsident Reinhard Grindel hat trotz einiger Erfolgsmeldungen nach wie vor zahlreiche Probleme wie den Frust der Amateure und den ungeklärten Skandal um die WM-Vergabe 2006.

Seit sieben Monaten ist er der oberste Chef im deutschen Fußball.

Und DFB-Präsident Reinhard Grindel hat die Zeit zwischen seiner Inthronisierung im April und der einstimmigen Wiederwahl Anfang diesen Monats genutzt, um Nägel mit Köpfen zu machen.

Mit Bundestrainer Joachim Löw wurde der Vertrag früh wie nie vorzeitig bis zur EM 2020 verlängert, der für den Zusammenhalt zwischen Profis und Amateuren so wichtige Grundlagenvertrag mit der DFL ausgedehnt, und auch der Kontrakt mit Ausrüster adidas mit einer Verdoppelung der Einnahmen auf 50 Millionen Euro pro Jahr verlängert.

Dennoch bleiben noch einige Baustellen für die erste volle Amtszeit Grindels, der zu diesen Punkten am Sonntag im Volkswagen Doppelpass (ab 11 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) Stellung beziehen wird.

- Freifahrtschein für Löw

Der Hauptgrund für die schnelle und sehr frühzeitige Festlegung, mit dem Bundestrainer bis zur nächsten EM weiterzumachen, war der DFB-Bundestag in Erfurt. Grindel wollte mit einem klaren Erfolgsnachweis zur Wiederwahl antreten.

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Der seit zehn Jahren amtierende Löw dürfte daher für seine Unterschrift mit einem erhöhten Jahresgehalt von angeblich vier Millionen Euro belohnt worden sein. Zudem gibt es laut Sportbild eine beidseitige Ausstiegsklausel, die vermutlich bei einem frühzeitigen WM-Aus 2018 greifen würde.

Allerdings beäugen vor allem die mächtigen Landesverbandsvorsitzenden die Arbeit der Nationalmannschaft skeptisch. Dabei stört sie weniger das üppige Gehalt, sondern vielmehr die große Autonomie der DFB-Auswahl.

Zahlreiche Amateurvertreter wüssten gerne, was genau der Bundestrainer und sein Betreuerstab außerhalb der großen Turniere machen und zu welchen Kosten. Doch durch die großen Erfolge ist der Weltmeistercoach derzeit unantastbar, zumal weit und breit auch kein Nachfolger in Sicht ist.

Das sagt Grindel: "Joachim Löw ist der beste Trainer, den wir uns für unsere Nationalmannschaft vorstellen können."

- Frust bei den Amateuren

Eigentlich müssten die Amateurvertreter zufrieden sein, schließlich erhält der DFB durch den neuen Grundlagenvertrag von der DFL rund 2,5 Millionen Euro im Jahr zusätzlich zweckgebunden für Projekte und wird die Landesverbände mit deutlich mehr Geld als bisher unterstützen.

Trotzdem brodelt es an der Basis. Denn die DFL gibt von den rund 1,5 Millarden Euro Einnahmen aus dem neuen TV-Vertrag gerade mal drei Prozent an den Verband weiter. Nicht nur für das ehemalige DFB-Präsidiumsmitglied Engelbert Kupka, zu Bundesligazeiten Präsident der Spvgg Unterhaching, sind das nur "Peanuts".

Diese Ziele haben Löw und der DFB bis 2020

Gleichzeitig plant der größte Sportverband der Welt einen gewaltigen Neubau der DFB-Akademie, deren Kosten immer weiter steigen und aktuell auf rund 125 Millionen Euro geschätzt werden.

Die Kritiker werfen dem Verband darüber hinaus vor, er kümmere sich zu sehr um den Spitzenfußball und vernachlässige die alltäglichen Nöte der überwältigenden Mehrheit der rund sieben Millionen Mitglieder. Als ein Beispiel dienen die Pläne der Topklubs, erst in der zweiten Runde oder später in den DFB-Pokal einzusteigen.

Das sagt Grindel: "Noch nie ist der Amateursport so gefördert worden wie durch das jetzt zuständige Präsidium."

- Schatten des WM-Skandals bleibt

Grindel kam ungeplant an die DFB-Spitze, weil sein Vorgänger Wolfgang Niersbach im Zuge des Skandals um die ungeklärten Millionenzahlungen bei der Vergabe der Heim-WM 2006 zurücktreten musste.

Angekündigt war ein kompletter Neuanfang, doch Strukturen und auch viele handelnde Personen sind die gleichen wie zuvor. So war der neue Generalsekretär Friedrich Curtius, Chef über die rund 280 hauptamtlichen DFB-Mitarbeiter, zuvor acht Jahre lang Niersbachs Büroleiter.

Gleichzeitig sind die genauen Hintergründe des gekauften Sommermärchens trotz der über fünf Millionen Euro teuren Arbeit der Kanzlei Freshfields nach wie vor ungeklärt, und der DFB zeigt wenig Elan bei der weiteren Aufklärung.

Grindel sagte sogar eine Einladung vor den Sportausschuss des Deutschen Bundestags zur WM 2006 im Dezember mit der Begründung ab, er habe andere Termine und bezweifle zudem die Zuständigkeit der Volksvertreter. Mittlerweile hat er aber sein Kommen für Januar zugesagt.

Das sagt Grindel: "Es gibt beim DFB keine offene Baustelle mehr. Wir haben alle Fragen beantwortet, die wir beantworten können."

- Internationale Abhängigkeiten

Der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino hat schon in den ersten Monaten seiner Antszeit massive Kritik auf sich gezogen, viele sehen in ihm bereits eine Neuauflage von Sepp Blatter. Der DFB aber hält sich mit der Beurteilung des neuen Bosses im Weltfußball auffällig zurück.

Ebenso wie Infantino gab Grindel auch dem neuen UEFA-Präsidenten Alexander Ceferin seine Stimme.

Dabei ist auch der Slowene aufgrund einiger dubioser Machenschaften in der Vergangenheit und seiner Unterstützer um den russischen Sportfunktionär Witali Mutko umstritten.

Doch Grindel wollte offenkundig auf der Seite des sicheren Siegers stehen, angeblich will er selber bald ins Exekutivkomitee von FIFA und UEFA einziehen. Und der DFB braucht bei der Bewerbung um die EM 2024 jede Unterstützung.

Die Ausrichtung des Turniers gilt als enorm wichtig, um 18 Jahre nach der Heim-WM auch mit Steuergeldern die dann dringend benötigten Infrastrukturmaßnahmen möglich zu machen, vor allem bei den Stadien.

Das sagt Grindel: "Ich bin ganz sicher, dass die Einheit von Amateuren und Profis durch dieses Leuchtturmprojekt gestärkt wird. Die EM wird den Fußball in Deutschland in eine Dynamik versetzen."

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