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Reinhard Grindel bleibt Präsident des DFB
Reinhard Grindel bleibt Präsident des DFB © Getty Images

Beim DFB-Bundestag in Erfurt wird Reinhard Grindel in seinem Amt als DFB-Präsident einstimmig bestätigt. Ex-Präsident Wolfgang Niersbach wird nicht entlastet.

Reinhard Grindel nickte kurz, er winkte den über 250 Delegierten in der Messehalle Erfurt zu und nahm zufrieden den großen Blumenstrauß entgegen.

Die Wahl des neuen, alten DFB-Präsidenten ging am Freitag nach Monaten in der tiefen Krise bemerkenswert geräuschlos über die Bühne. Der 55 Jahre alte CDU-Politiker, der im April durch die Affäre um die Fußball-WM 2006 ins Amt gespült worden war, bekam sogar einstimmig das Vertrauen ausgesprochen. Vom Skandal war plötzlich keine Spur mehr.

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"Es weht ein absolut neuer Wind", sagte Grindel nach einem DFB-Bundestag, auf dem Skandal-Schlüsselfiguren wie Franz Beckenbauer, Wolfgang Niersbach und Mohamed bin Hammam mit keinem Wort erwähnt wurden: "Wir haben getan, was ein gemeinnütziger Verband tun kann. Alle Fragen zur Aufklärung, die wir beantworten können, sind beantwortet."

DFB verabschiedet Ethikcode

In der thüringischen Landeshauptstadt präsentierte sich der DFB als Weltmeister-Verband, der die Lehren gezogen hat aus den Wirren der WM-Affäre, die Ex-Präsident Niersbach (65) den Job gekostet hatte. Künftig wird der frühere Bundesaußenminister Klaus Kinkel (79) eine unabhängige, fünfköpfige Ethikkommission leiten, die auf eigene Faust ermitteln soll - in Fällen "illegaler oder unethischer Verhaltensweisen".

Das neue Gremium "wird uns helfen, weitere Konsequenzen aus den Vorfällen rund um die WM 2006 zu ziehen", sagte Grindel: "Wir werden in ethischen Fragen von herausragenden Fachleuten beraten."

Der FDP-Politiker Kinkel, der tatsächlich einen beeindruckenden Lebenslauf aufweist, bringe "alle Qualifikationen für diese wichtigen Aufgaben mit". Die Ethik-Urteile werden weiterhin von den Verbandsgerichten, unterstützt von Ethik-Beisitzern gefällt.

Zudem wurde ein DFB-Ethikcode verabschiedet, ein "Compliance-Management-System" soll aufgebaut werden. Um sicherzugehen, lagen auf jedem Platz der Messehalle die "10 Compliance-Regeln" des DFB.

Kostenexplosion bei DFB-Akademie

"Nur wenn unmissverständlich klar ist, wofür wir stehen, kann eine neue Sensibilität für unsere Werte und Regeln durchgesetzt werden", sagte Grindel, der sich während seiner Rede sehr um den Applaus aus dem Amateurfußball bemühte und erneut die Bedeutung der "Leuchtturmprojekte" DFB-Akademie und EURO 2024 in Deutschland betonte.

"Noch nie ist der Amateurfußball so gefördert worden wie durch das aktuelle Präsidium", sagte Grindel: "Die Einheit des Fußballs macht uns stark - und dabei soll es bleiben." Im Anschluss wurde der bereits unterzeichnete Grundlagenvertrag mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) abgesegnet, der dem DFB bis 2023 25 DFL-Millionen garantiert.

Viel mehr Geld kosten wird dagegen die geplante DFB-Zentrale in Frankfurt/Main. Statt 109 Millionen kostet die "Akademie" mindestens 125 Millionen Euro, weshalb im kommenden Jahr ein Außerordentlicher Bundestag einberufen werden muss.

Grindel und Co. wollen sich den Segen der Basis für die Kostenexplosion holen. Die DFB-Rücklagen betragen aktuell 124 Millionen Euro, in den Jahren 2018 und 2019 werden weitere, deutliche Überschüsse erwartet.

Niersbach und Co. nicht entlastet

Das alte Präsidium wurde am Freitag nicht komplett entlastet - die Fälle Niersbach und der von Ex-Generalsekretär Helmut Sandrock wurden "zurückgestellt".

Grund dafür sind die noch laufenden Ermittlungsverfahren in Deutschland und der Schweiz, durch die sich mögliche Forderungen des DFB an die frühere Führungsriege ergeben könnten. Bislang hat der Skandal den DFB 5,3 Millionen Euro gekostet, auch 2017 werden Mittel dafür zurückgestellt.

Der "Fall Niersbach" wird dabei immer mehr zur Hängepartie. Auch rund 100 Tage nach der Verkündung seiner einjährigen Sperre durch die FIFA-Ethikkommission hat der 65-Jährige nach SID-Informationen noch keine Urteilsbegründung erhalten.

Wann die FIFA-Berufungskommission eine Entscheidung fällt, ist ungewiss, und deshalb auch Deutschlands Rolle in den Gremien der UEFA und FIFA, in denen aktuell kein DFB-Vertreter sitzt.

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