vergrößernverkleinern
Bosnia and Herzegovina v Wales - UEFA EURO 2016 Qualifier
Wales lässt seinen Nationaltrainer Chris Coleman hochleben © Getty Images

So schön kann sich eine Niederlage anfühlen: Angeführt von Superstar Gareth Bale erfüllt sich Wales seinen großen Traum und beendet eine 58 Jahre lange Durststrecke.

Chris Coleman schnupperte schon mal Höhenluft.

Die Spieler der walisischen Nationalmannschaft um Superstar Gareth Bale ließen den Teammanager nach der geglückten erstmaligen EM-Teilnahme hochleben und warfen den Coach im feinen Zwirn immer wieder mit vereinten Kräften in die Höhe. Vergessen war die 0:2 (0:0)-Niederlage zuvor in Zenica gegen Gastgeber Bosnien-Herzegowina.

"Das war die schönste Niederlage meiner Karriere", stammelte 91-Millionen-Mann Bale von Real Madrid. Seinem Team ist in der Gruppe B Rang zwei hinter den ebenfalls für die EURO 2016 in Frankreich qualifizierten Belgiern nicht mehr zu nehmen.

Die Drachen profitierten allerdings vom Ausrutscher des Verfolgers Israel, der in Jerusalem gegen Zypern ein 1:2 (0:0) kassierte. Damit sind die Waliser erstmals seit der WM-Teilnahme 1958 in Schweden bei einem Fußball-Großereignis vertreten.

Bale avanciert zur Galionsfigur

57 lange Jahre hatten die Briten im internationalen Fußball kein Bein auf die Erde bekommen - eine verdammt lange Zeit. Als die Waliser im Februar 1958 das WM-Ticket für Schweden buchten, war beispielsweise Elvis Presley die Nummer eins der Charts mit Jailhouse Rock.

"Ein Traum ist wahr geworden", sagte der ehemalige walisische Nationalverteidiger Coleman, der vom Verbands-Generalsekretär über die Pleite der Israelis und damit das Lösen der EM-Tickets informiert wurde. "Ganze Spielergenerationen sind zuvor gescheitert, aber diese Gruppe hat den letzten Schritt gemeistert", resümierte Coleman, der die Nachfolge von Gary Speed angetreten hatte.

Sein Vorgänger hatte vor vier Jahren Selbstmord begangen. Coleman gelang es, das Maximum aus dem vorhandenen Spielermaterial herauszuholen. Bale avancierte zum absoluten Leader und zur Galionsfigur des walisischen Fußballs.

Dabei hatte der Coach schon an Rücktritt gedacht, nachdem sein Team zum Auftakt der Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien mit 1:6 in Serbien untergegangen war. In der Stunde des Triumphes dachte Coleman nun aber auch an Speed: "Ich wollte seine Arbeit in seinem Sinne fortführen, aber dies gelang mir nicht. Ich musste meinen eigenen Weg finden. So haben wir am Ende eine fantastische Qualifikation gespielt. Gary Speed hat aber seine Rolle gespielt, er wird sich heute mit uns gefreut und gelächelt haben."

Ramsey: "Sind nur schwer zu schlagen"

Aaron Ramsey, Mittelfeldspieler des FC Arsenal und dort Teamkollege der Weltmeister Mesut Özil und Per Mertesacker, kommentierte: "Das ist ein großer Moment für den walisischen Fußball. Wir haben Geschichte geschrieben. Unser Zusammengehörigkeitsgefühl hat den Ausschlag gegeben. Diese Mannschaft ist nur schwer zu schlagen."

Die Gegentreffer durch Milan Djuric (71.) und den Berliner Vedad Ibisevic (90.) waren am Ende in Bosnien nicht von Bedeutung. Denn in Jerusalem schossen Dossa Junior (58.) und Jason Demetriou (80.) die Tore für die Zyprer, Nir Bitton (76.) glückte lediglich der zwischenzeitliche Ausgleich für Israel.

Zypern darf derweil angesichts von zwei Punkten Rückstand auf das drittplatzierte Bosnien-Herzegowina vor dem direkten Duell am Dienstag selbst von der erstmaligen EM-Qualifikation träumen - über den Umweg der Play-offs.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel