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Mario Gomez liegt mit 27 Toren in der ewigen DFB-Torjägerliste auf Platz 17, zwei Tore hinter Andreas Möller © Getty Images

Ascona und Augsburg - Seit seiner Rückkehr bringt sich Mario Gomez entspannt und mit Selbstvertrauen ins DFB-Team ein. Seine Rolle unter Joachim Löw bei der EM ist aber offen

Diesen Punch des Torjägers hatte Mario Gomez ja schon immer. Vor der EM ist der 30-Jährige nun mit dem türkischen Meistertitel und 26 Saisontoren für Besiktas Istanbul zur deutschen Nationalmannschaft zurückgekehrt.

Dieses Selbstbewusstsein, das insbesondere einem Stoßstürmer in den Sekundenbruchteilen vor dem Abschluss zugute kommt, dringt Gomez derzeit aus jeder Pore.

Doch da ist noch etwas anderes, das den Gomez von 2016 ausmacht: eine beinahe buddhaeske Gelassenheit.

"Ich bin in einer Phase, in der nichts mehr sein muss, aber kann", sagte Gomez nun dem kicker. Soll heißen: Gomez setzt sich selbst nicht mehr so unter Druck. Er hat nicht mehr das Gefühl, sich immer und überall beweisen zu müssen. Er hat gelernt zu genießen.

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Einziger Torschütze gegen Slowakei

Im Vorbereitungs-Länderspiel gegen die Slowakei klappte das schon ganz gut. Beim 1:3 in Augsburg wusste Gomez als einer von wenigen zu gefallen und konnte Pluspunkte bei Bundestrainer Joachim Löw sammeln.

Gomez erzielte das einzige Tor, wenn auch nur per Elfmeter. Es war sein 27. Treffer für den DFB, damit belegt er in der ewigen Torjägerliste nun Platz 17.

Bei seinem Schuss rutschte Gomez zwar aus und verlor den Stand, traf aber dennoch.

Eher dunkle DFB-Vita

Früher wäre sein Strafstoß wohl jämmerlich krepiert oder der Ball unkontrolliert in die Wolken geflogen. Gomez und das DFB-Team, das hat bei den vergangenen Großturnieren ja selten gut zusammen gepasst.

Mario Gomez bei der EM 2008
Bei der EM 2008 sorgte Mario Gomez mit einem kuriosen Fehlschuss für Schlagzeilen © Imago

Von der EM 2008 bleibt Gomez' vergebene Großchance gegen Österreich in Erinnerung. Bei der WM 2010 war er nach seinem ersten Jahr beim FC Bayern und Problemen mit Louis van Gaal in einem mentalen Tief.

Bei der letzten EM vor vier Jahren hatte Gomez TV-Experte Mehmet Scholl und dessen polemische Kritik, Gomez habe sich "wund gelegen", auf den Plan gerufen. Und beim WM-Titel in Brasilien war Gomez nach zwei Jahren zum Vergessen in Florenz nur Zuschauer.

Gomez: "In meiner Entwicklung viel weiter"

Diesmal nun, so hofft es Gomez, soll alles anders werden, besser eben.

"Ich sehe mich in meiner Entwicklung viel weiter. Wichtig ist, dem Team zu zeigen: Der ackert, macht Räume frei, bewegt sich gut, ist frei im Kopf und nicht nur auf den Abschluss aus", erklärte Gomez und fügte hinzu: "Ich habe mir bei Besiktas eine Power erarbeitet, die mich wieder variabler macht. Der Abschluss wird immer meine Stärke sein, aber ich kann auch wieder marschieren ohne Ende."

All das hat er gegen die Slowakei bis zu seiner Auswechslung in der Halbzeit wegen leichter Adduktorenprobleme angedeutet.

Grundsatzfrage im Sturm

Ein Stammplatz ist für Gomez bei der EM in Frankreich durchaus nicht ausgeschlossen, aber auch nicht selbstverständlich. Dass Rekord-Torschütze Miroslav Klose seine DFB-Karriere mit dem WM-Titel beendet hat, macht die Vakanz im Sturm größer.

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Doch es ist auch gut möglich, dass Löw dort auf einen eher spielenden Part setzt, etwa mit Thomas Müller, Mario Götze oder Marco Reus.

Das weiß auch Gomez: "Ich sage nicht: Ich bin der Einzige auf dieser Position, deshalb muss ich spielen. Im Gegenteil: Die deutsche Mannschaft hat in den letzten Jahren eindrucksvoll gezeigt, dass man eben nicht unbedingt diesen klassischen Mittelstürmer braucht."

Löw wirkt nicht zu 100 Prozent überzeugt

Löws Äußerungen über Gomez nach dem Spiel gegen die Slowakei waren nicht von hundertprozentiger Überzeugung geprägt.

"Mario ist ein Stürmer der letzten Aktion. Wenn er richtig eingesetzt wird, ist er brandgefährlich", sagte der Bundestrainer, schränkte aber zugleich ein: "Er war in den letzten Jahren nicht so häufig bei uns, die Laufwege müssen noch abgestimmt werden."

Vor allem sagte Löw auch: "Mario ist nicht der spielende Mittelstürmer."

Stammplatz oder Joker?

Es ist deshalb denkbar, dass Löw Gomez erstmal als Joker vorsieht. Als Option, wenn spielerische Mittel nicht greifen.

Gomez könnte damit leben und sagt: "Keiner hat mehr an mich geglaubt. Ich hatte immer auf dem Schirm: Die Mannschaft, die Weltmeister wurde, kann auch Europameister werden. Und da will ich mit dabei sein."

In welcher Rolle auch immer. Gomez ist gekommen, um zu helfen.

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