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München - Nach dem Fehlstart gegen Island reagiert Portugals Cristiano Ronaldo höchst beleidigt - und nennt Gründe. Oliver Kahn und der Underdog haben dafür trotzdem wenig Verständnis.

Selbst mit dem letzten Freistoß wusste Cristiano Ronaldo nichts mehr anzufangen.

In gewohnt breitbeinig-theatralischer Selbstinszenierung wie Westernheld John Wayne beim High-Noon-Duell setzte der dreifache Weltfußballer den Ball bei Portugals blamablem EM-Auftakt gegen Island (1:1) wirkungslos in die Mauer.

Dagur Sigurdsson, isländischer Handballtrainer in Diensten der deutschen Nationalmannschaft und in Frankreich vor Ort, ließ es sich nicht nehmen, seine Schadenfreude über Ronaldo per Spott-Selfie mitzuteilen.

Dass sich nach Abpfiff Hohn und Spott über den Superstar von Real Madrid ergossen, lag indes neben dem schwachen Auftritt des 31-Jährigen an dessen Arroganz-Anfall nach Abpfiff.

Ronaldo verweigerte den Skandinaviern nicht nur den Handschlag, sondern äußerte sich auch noch beleidigt über den Jubel der Isländer.

Ronaldo ätzt: Island mit kleiner Mentalität 

"Die haben gefeiert, als hätten sie die Champions League gewonnen, unglaublich", ätzte Ronaldo. "Sie haben nicht versucht zu spielen, sondern nur verteidigt, verteidigt, verteidigt. Das zeigt eine kleine Mentalität, so werden sie in diesem Turnier nichts reißen."

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Nun ja, die Insel Island zählt gerade mal 300.000 Einwohner, einen Bruchteil dessen, was Ronaldo an Followern bei Twitter hat (43,1 Millionen). Aber dafür entriss ihre Auswahl dem großen Favoriten den sicher geglaubten Sieg.

"Was erwartet er denn?", fragte Innenverteidiger Kari Arnason deshalb. "Dass Island gegen ihn wie Barcelona spielt? Er ist einfach nur ein schlechter Verlierer."

In der Tat bockte Ronaldo wie ein Kleinkind - statt die Schuld am blamablen EM-Auftakt bei sich und seinen Mitspielern zu suchen.

"Wir haben unser Bestes gegeben. Es ist aber sehr frustrierend, wenn nur eine Mannschaft gewinnen will", schimpfte der Champions-League-Sieger - und warf dem Außenseiter wegen ihres Abwehrbollwerks vor, "den Bus vor dem Tor zu parken". 

"Der Zwerg hat Ronaldo in Schach gehalten"

Damit stand Ronaldo aber weitgehend allein da. In den sozialen Netzwerken wie in den Medien setzte es heftige Kritik - auch an CR7: "Kein Glück, keine Motivation: Der Abstieg des Cristiano Ronaldo", schrieb Le Figaro.

Und Courrier de l'Ouest krittelte: "Eine kalte Dusche für Portugal. Heroisch! Der Zwerg hat Ronaldo und Portugal in Schach gehalten."

Auch Oliver Kahn zeigte sich hochgradig genervt. "Wenn ein Spieler wie er älter wird, muss er das mit der Zeit auch realisieren: Es ist langweilig, immer die gleichen Bilder zu sehen. Diese Selbstinszenierung, dieses Gehabe", monierte der frühere Welttorhüter im ZDF.

Kahn langweilt "Marketingfritze" Ronaldo

In Anspielung auf das Champions-League-Finale, als Ronaldo nach einer nicht unbedingt berauschenden Leistung den entscheidenden Elfmeter für Real Madrid verwandelte und sich anschließend mal wieder mit nacktem Oberkörper feiern ließ, stellte Kahn auch die Charakterfrage.

"Natürlich kann ich mir dann wieder das Trikot vom Leib reißen und wieder den Marketingfritzen machen. Aber gerade er, der so viel gewonnen hat und so eine Persönlichkeit ist, da wäre es doch auch möglich gewesen, mal kurz inne zu halten", meinte Kahn. "Das würde ihn wirklich groß machen."

Stattdessen komme "immer dieses mediale Gedöns, das langweilt mich."

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