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Joachim Löw zeigt Shkodran Mustafi, wie groß die Abstände in der Abwehr maximal sein dürfen © Getty Images

Ascona - Dreier- oder Viererkette? Für Joachim Löw stellt sich vor der EM auch die Systemfrage in der Abwehr. Seine Spieler sind gespalten - nur einem ist es egal.

Manuel Neuer ist die Diskussion über eine Dreier- oder Viererkette beim DFB-Team gleichgültig. "Mir ist das völlig egal", sagte der Nationaltorhüter: "Hauptsache, wir haben die absolute Kontrolle."

Neun Tage vor dem EM-Auftakt gegen die Ukraine (am 12. Juni im LIVETICKER auf SPORT1) stellt sich für Bundestrainer Joachim Löw nicht nur die Frage nach dem besten Personal, sondern auch nach den besten taktischen Varianten.

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Unmittelbar nach dem WM-Titel 2014 hatte Löw Flexibilität als neues Motto ausgegeben. Darunter fällt nicht zuletzt eine mögliche Umstellung auf eine Dreierkette in der Abwehr. Löw ist dabei auch inspiriert von einem Pep Guardiola, der die Dreierkette immer wieder beim FC Bayern eingestreut hat.

Höwedes: "Müssen taktisch flexibel sein"

Insbesondere gegen defensiv eingestellte Gegner, wie in der Vorrunde Ukraine, Polen und Nordirland zu erwarten sind, kann die Dreierkette eine Option sein.

Denn so kann über die Außenbahnen mehr Druck nach vorne ausgeübt werden. "Wir Spieler müssen taktisch flexibel sein, das gehört zu unserem Job dazu", sagte Benedikt Höwedes.

Bei der WM in Brasilien hatte Löw auf eine Viererkette gesetzt, allerdings mit Höwedes als dritten gelernten Innenverteidiger neben Jerome Boateng und Mats Hummels auf der linken Abwehrseite.

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Mustafi: "Dreierkette nicht automatisch offensiver"

Die deutschen Abwehrspieler sind selbst nicht sicher, welche taktische Ausrichtung die beste Lösung ist. "Jedes System hat seine Vor- und Nachteile", sagte Shkodran Mustafi SPORT1.

"Die Frage ist doch: Was für eine Mannschaft habe ich, was für Spielertypen", sagte der Verteidiger des FC Valencia und führte weiter aus: "Eine Dreierkette ist nicht automatisch offensiver. Daraus kann auch ganz schnell eine Fünferkette werden. Wenn du nicht offensiv und risikoreich mit hohen Außenverteidigern agierst, besteht die Gefahr, dass du hinten festgespielt wirst und plötzlich aus der Dreierkette eine Fünferkette wird. Wichtig ist, wie überzeugend man ein System spielt."

Mustafi plädiert dafür, sich "nicht am Gegner zu orientieren" und das "eigene Spiel durchzuziehen".

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Rüdiger: "Jeder muss die Abläufe kennen"

Antonio Rüdiger warnt sogar vor einer Dreierkette. "Die Viererkette haben alle Spieler in sich. Die Dreierkette funktioniert nicht von heute auf morgen oder innerhalb von zwei Wochen. Jeder muss die Abläufe kennen", sagte der Verteidiger des AS Rom SPORT1.

Rüdiger verweist auf 2014: "Da ist Deutschland mit Viererkette Weltmeister geworden."

Unterschiedliche Erfahrungen

Löw hat bislang unterschiedliche Erfahrungen mit der Dreierkette gesammelt. Sehr gut funktionierte sie beim 4:1 gegen Italien im März.

Beim 1:3 am Sonntag in Augsburg gegen die Slowakei ließ sich die Dreierkette indes innerhalb weniger Minuten zweimal überrumpeln. Nach der Pause stellte Löw auf eine Viererkette um.

Vier gewinnt gegen Ungarn

Für die EM-Generalprobe am Samstag gegen Ungarn heißt es wohl: Vier gewinnt. Löw will mit dem bestmöglichen Personal und entsprechender Taktik den Ernstfall testen – und wird wohl mit einer Viererkette spielen lassen.

Gut möglich ist, dass Löw Bayern-Youngster Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger das Vertrauen schenkt. "Er ist mutig, hat keine Angst und gute Leistungen gezeigt. Ich vertraue ihm zu 100 Prozent und habe immer ein gutes Gefühl mit ihm", sagte Thomas Müller.

Kimmich Kandidat auf rechts

Kimmich traut sich die Rechtsverteidiger-Position auch selbst zu. "Es ist nicht so, dass ich ungern da spiele", erklärte der gelernte Mittelfeldspieler und ergänzte lächelnd: "Niemand steht ungern auf dem Platz."

Wer für den noch verletzten Hummels neben Boateng in der Innenverteidigung spielt, ist offen. Die Kandidaten sind Rüdiger, Mustafi und Höwedes.

Neuer kann es egal sein, für ihn zählt ohnehin nur "die absolute Kontrolle".

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