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Fanzone in Paris
Am Eiffelturm befindet sich während der EM die größte Fanzone des Landes für 90.000 Menschen © Getty Images

Paris und Evian-les-Bains - Kurz vor Beginn der EM will noch keine Feierlaune aufkommen. Das Thema Sicherheit überstrahlt alles. Die Fans müssen sich auf lange Wartezeiten einstellen.

DJ-Superstar David Guetta setzte sein breitestes Ibiza-Lächeln auf. "Vielleicht sollte jeder hier mal zwei Gläser Champagner trinken", empfahl er bei der Eröffnungs-Pressekonferenz zur EM im Stade de France den anwesenden Journalisten und Funktionären.

Jetzt ist es wahrlich nicht so, dass diese beiden Berufsgruppen sich so etwas zwei Mal sagen lassen müssen. Doch am Vorabend der EM-Eröffnung herrscht in Paris und Frankreich viel, aber sicher keine Champagnerlaune.

Matthias Becker (l.) und Florian Weiß berichten für SPORT1 von der EM in Frankreich
Matthias Becker (l.) und Florian Weiß berichten für SPORT1 aus Paris © SPORT1-Grafik / Paul Hänel

Die Streiks im Land, das Wetter der letzten Wochen und natürlich das über allem schwebende Thema Sicherheit - der Sport spielte bislang eine untergeordnete Rolle. Streiks sind in Frankreich nichts Ungewöhnliches und die Sonne ist auch pünktlich vor dem Eröffnungsspiel Frankreichs gegen Rumänien rausgekommen in Paris. Doch die dunkle Wolke der Terrorbedrohung lässt sich nicht vertreiben.

Regierung bietet Terrorwarn-App an

"Wir haben alles getan und erreicht, um die bestmögliche EM ausrichten zu können", sagt Organisationschef Jacques Lambert zwar und verspricht: "Unabhängig von den Vorfällen wollen wir uns darauf konzentrieren, dass das für alle ein besonderes Ereignis wird."

Jochen Stutzky (l.) und Thorsten Mesch berichten bei der EM 2016 für SPORT1 vom deutschen Team
Jochen Stutzky (l.) und Thorsten Mesch berichten vom DFB-Team für SPORT1 © SPORT1 Grafik: Paul Haenel

Aber ob das gelingt? Die Schlagzeilen werden von den Sicherheitsthemen dominiert. Am Mittwoch brachte das Innenministerium pünktlich zum Turnierstart eine Terrorwarn-App heraus. Diese alarmiert ihre Nutzer via Push-Meldung und feuerrotem Display, falls sie per Geo-Lokalisierung in der Nähe eines Anschlagsorts ausgemacht wurden.

Zusätzlich hält sie Tipps für das Verhalten im Fall von Terror-Anschlägen, Nuklear-Unfällen, Dammbrüchen oder Gift-Attacken bereit.

Die Terrorwarn-App des französischen Innenministeriums
So sieht der Bildschirm der Terrorwarn-App des französischen Innenministeriums aus © Screenshot SPORT1

Fans müssen viel Zeit mitbringen

Die EM-Organisatoren und die Ausrichterstädte haben einen Apparat installiert, der seinesgleichen sucht. Insgesamt knapp 100.000 Sicherheitskräfte sollen für ein friedliches Fußballfest sorgen. Die Regierung verlängerte den Ausnahmezustand.

Die mehreren Millionen Fans, die in den Stadien und den Fanzonen erwartet werden, müssen sich auf intensivste Kontrollen einstellen. Überall wird es zwei Sicherheitsringe geben. Einen ersten mit Durchsuchungen nach Sprengstoffen, Pyrotechnik und Waffen, der bereits in einiger Distanz zum Veranstaltungsort stattfindet. Der zweite Check ist dann an den Arenen und Fanzonen, wo die Eintrittskarten kontrolliert werden. Zudem gibt es nochmal Stichproben und an strategisch wichtigen Punkten Röntgenkontrollen, wie sie an Flughäfen üblich sind.

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Wer ein Spiel in der Arena oder vor einer Großbildleinwand verfolgen will, muss Zeit mitbringen. "Diese Prozeduren werden länger dauern, deshalb sollten alle mit Zeitreserve ankommen, etwa drei bis vier Stunden vor Anpfiff", empfiehlt OK-Chef Lambert.

Sorge um die "weichen Ziele"

Eine Streichung der Fanzonen sei auch deshalb kein Thema gewesen, weil in diesen klar abgegrenzten Bereichen die Kontrollen leichter möglich sind. Heißt im Klartext: In Fanzonen und vor allem in Stadien lassen sich die Fans noch am besten beschützen.

Die größte Sorgen machen sich die Organisatoren um die sogenannten "weichen Ziele", also die Nahverkehrsmittel, die tausenden Bars und Cafes in Paris und spontane Menschenansammlungen. Und um die Mannschaften, die allesamt ebenfalls von Sicherheitskräften begleitet werden.

Militärkontrollen beim deutschen Teamquartier
Die Militärkontrollen beim deutschen Teamquartier © SPORT1

Der deutsche Nationalspieler Jerome Boateng sorgt sich dennoch um seine Familie und will sie nicht mit in die Stadien nehmen. Anders Benedikt Höwedes. "Wenn es machbar ist, werden sie auch ins Stadion kommen. Ich stehe ja mit auf dem Platz und verspüre auch keine Angst", sagte der Schalker bei einer Medienrunde.

Sollte es zu konkreten Hinweisen auf geplante Anschläge kommen, bleibt die Austragung von Spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausdrücklich eine Option.

EM-Stimmung noch ausbaufähig

Das alles hebt die Laune natürlich nicht unbedingt. Die Einwohner von Paris bevölkern zwar wie eh und je die tausenden Cafe- und Restaurant-Terassen, als hätte es die Anschläge im November nicht gegeben.

Dass hier in etwas mehr als 24 Stunden eine EM angepffifen wird, sieht man aber eigentlich nur, wenn man sich an einem der Stadien aufhält oder die zentralen Sehenswürdigkeiten wie den Eiffelturm besucht. Hier wird DJ Guetta mit einem Gratiskonzert am Abend auch die erhoffte EM-Party einläuten.

Das werde "einer der größten Momente" in seinem Leben, versichert er. Für die EM-Organisatoren wird es der erste Härtetest für ihr Sicherheitskonzept.

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