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Italy v Spain - Round of 16: UEFA Euro 2016
Mit einer überzeugenden Leistung haben die "Azzurri" Titelverteidiger Spanien nieder gerungen © Getty Images

Saint-Denis und Montpellier - Vor der EM nur Außenseiter, verbreitet Italien nun wieder Angst und Schrecken. Bei der DFB-Elf kehren böse Erinnerungen zurück. SPORT1 zeigt, was die "Azzurri" so stark macht.

"Mamma mia, wieder Italien!"

Das dürfte sich manch ein deutscher Nationalspieler gedacht haben, als er beim lauschigen Fernsehabend im Teamquartier in Evian den überzeugenden Sieg der Italiener gegen Spanien sah.

Acht Spieler aus der Stammelf von Bundestrainer Joachim Löw haben 2012 im EM-Halbfinale von Warschau gespielt, als das DFB-Team von Italien eine Lektion bekam.

Matthias Becker (l.) und Florian Weiß berichten für SPORT1 von der EM in Frankreich
Matthias Becker (l.) und Florian Weiß berichten für SPORT1 von der EM in Frankreich © SPORT1-Grafik / Paul Hänel

"Deutschland hat bei Turnieren immer gegen Italien verloren. Jetzt haben wir die Chance, das mal umzudrehen", sagte Löw in einer ersten Reaktion. Leicht wird das aber keinesfalls. Ein Favorit ist bei dieser Partie nicht auszumachen.

SPORT1 war beim Sieg der "Squadra Azzurra" gegen Spanien vor Ort und erklärt, was die Italiener so gefährlich macht.

- Teamgeist

Blut, Schweiß, Tränen, Demut, Opferbereitschaft, Stolz – Trainer Antonio Conte und seinen Spielern ist kein Schlagwort zu pathetisch, um ihre größte Stärke zu beschreiben.

"Unser Geheimnis ist, dass wir seit Beginn an eine großartige Mannschaft sind, eine fantastische Gruppe", schwärmte Leonardo Bonucci nach dem Erfolg gegen die Spanier. Das sind mehr als nur Floskeln.

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Die "Altherren-Truppe" hat gemeinsam Spaß. Dabei kommt ihr zu Gute, dass es außer Torwart-Legende Gigi Buffon keinen wirklichen Superstar im Team gibt. Jeder kämpft für jeden, alle feiern die Erfolge zusammen.

- Trainer

Nach dem Erfolg gegen die Spanier bildete sich sofort ein riesiges Jubel-Knäuel um Antonio Conte herum. Der zukünftige Coach des FC Chelsea hat es nach der 1:4-Schmach gegen Deutschland im März geschafft, diese funktionierende Mannschaft aufzubauen.

Aus den Möglichkeiten, die er hat, holt er das Beste heraus. "Er bereitet sich sehr gut auf den Gegner vor, arbeitet sehr hart. Es ist schwierig zu erklären, was ihn so gut macht. Er weiß, wie er uns die Dinge erklären muss", sagte Torschütze Graziano Pellè über das Erfolgsgeheimnis des Trainers.

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Der würde am liebsten noch selbst mitspielen. Gegen Spanien handelte er sich eine strenge Ermahnung des Schiedsrichters ein, weil er einen aus dem Spielfeld rollenden Ball wütend wegbolzte. Beinahe 90 Minuten tanzt Conte auf dem äußersten Rand seiner Coaching Zone oder gleich außerhalb davon herum. Seine Spieler würden für ihn durchs Feuer gehen.

- Taktik

"Die Idee schlägt das Talent", erklärte Conte am Montagabend. Taktisch sind die Italiener das beste Team der EM bisher, zumindest wenn es gegen die größeren Gegner geht. Den brillanten Belgiern drehten sie im ersten Gruppenspiel komplett den Strom ab. Und auch die Spanier fanden kein Mittel, sich aus dem Plan der Italiener zu befreien.

Der war eigentlich nicht schwer zu durchschauen, aber eben perfekt umgesetzt: Ein langer Ball nach vorne, vorzugsweise auf Pellè. Der macht den Ball fest und spielt ihn auf die nachrückenden Kollegen in die Mitte. In diese Falle liefen die Spanier immer wieder.

Die Defensive der "Squadra Azzurra" sucht sowieso ihresgleichen. Andrea Barzagli, Leonardo Bonucci und Giorgio Chiellini spielen auch  bei Juventus Turin vor Buffon. Eingespielter geht es nicht. Die italienische Dreierkette weiß genau, wann sie rausrücken muss. Hinzu kommt die enorme Ballsicherheit, die immer wieder gefährliche Angriffe und Konter ermöglicht, weil sich die Italiener aus nahezu jeder Situation geschickt befreien können.

Ihr System, das sich am ehesten wohl als enorm flexibles 3-5-2 beschreiben lässt, macht es den Gegnern schwer, zur Entfaltung zu kommen. Gleichzeitig bleiben sie selbst immer gefährlich. Mit Catenaccio hat das nichts mehr zu tun.

- Effizienz

Aus 16 Schüssen, die auch wirklich aufs Tor kamen, haben die Italiener fünf Tore gemacht. Zum Vergleich: Belgien brauchte für seine acht Treffer 31 Versuche.

Die Italiener konzentrieren sich auf das, was wirkungsvoll ist. Sie sind gefährlich bei Standards und haben mit Eder und Pellè zwei Stürmer, die den Ball gut verarbeiten können und in der entscheidenden Situation die nötige Coolness mitbringen.

- Erfahrung und Cleverness

Die eingespielte Abwehr, zahlreiche Ü-30-Spieler – Conte setzt bei diesem Turnier auf Altbewährtes. Und es zahlt sich aus.

Sinnbildlich dafür: Gegen Spanien standen teilweise sieben von einer Sperre bedrohte Spieler gleichzeitig auf dem Rasen. Nur ein einziger, Thiago Motta, kassierte Gelb. Und das in einem Spiel, in dem die Italiener lange einen Vorsprung verteidigen mussten.

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