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Lens - Im brisanten Duell mit Albanien stellt die Schweiz die Weichen früh auf Sieg - und spielt mehr als eine Halbzeit in Überzahl. Trotzdem wird es am Ende noch mal eng.

Xhaka schlägt Xhaka: Im ersten Bruderduell der EM-Geschichte hat Granit Xhaka dank seines bisherigen Gladbacher Teamkollegen Yann Sommer mit der Schweiz einen Zittersieg gegen Albanien und den 18 Monate älteren Taulant gefeiert.

Mit sieben Bundesliga-Profis in der Startelf gingen die wackeligen Schweizer beim 1:0 (1:0) in Lens am Samstag ihren ersten Schritt Richtung Achtelfinale, ein Kopfballtor von Hoffenheims Fabian Schär (5.) hatte sie früh auf die Siegerstraße gebracht.

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Bedanken mussten sich die Eidgenossen in erster Linie aber bei Sommer: Nachdem er schon zuvor mehrfach stark pariert hatte, machte der 27-Jährige kurz vor Schluss auch die Riesenchance der Albaner zum Ausgleich durch den eingewechselten Shkelzen Gashi (87.) zunichte. (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER)

Sommer: "Glücklich, dass ich helfen konnte"

"Ich bin glücklich, dass es gut gelaufen ist - und dass ich der Mannschaft so helfen konnte, dass wir das Spiel gewinnen konnten", sagte der Gladbacher nach dem Spiel im ZDF.

Vor 33.805 Zuschauern musste Albanien nach einer Gelb-Roten Karte gegen Lorik Cana (37.) über eine Halbzeit in Unterzahl auskommen, erspielte sich aber auch mit einem Mann weniger die eine oder andere gute Gelegenheit - letztlich aber ohne Erfolg.

Der Außenseiter muss seine Punkte in der Gruppe A nun gegen Frankreich und Rumänien holen. (Ergebnisse und Spielplan der EM 2016)

Das Duell der Xhaka-Brüder endete nach 61 Minuten: Taulant Xhaka wurde auf albanischer Seite ausgewechselt, reagierte stinksauer und feuerte eine Trinkflasche in Richtung Ersatzbank.

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Granit, 23, und Taulant, 25, beide geboren in Basel, begegneten sich schon beim Aufwärmen an der Mittellinie. Sie nahmen sich herzlich und lange in den Arm. "Nichts kann uns jemals entzweien. Du wirst immer mein Vorbild sein", hatte Granit, der im Sommer für 45 Millionen Euro von Gladbach zum FC Arsenal wechselt, zuvor bei Facebook geschrieben.

Mama Xhaka trägt spezielles T-Shirt

Nun versuchten beide, die erstaunlich große Aufregung um das erste Bruderduell zu vergessen. Die stolze Mama Elmaze wollte sich auf der Tribüne nicht für eine Seite entscheiden: Sie trug ein T-Shirt mit jeweils der Hälfte der Schweizer und der albanischen Flagge.

Die Mutter der Xhaka-Brüder Taulant und Granit (r.) drückte beiden Söhnen die Daumen © Imago

Es dauerte ganze elf Sekunden, ehe Granit seinem Bruder den Ball abluchste, drei Minuten, ehe er zu einer beidbeinigen Flugeinlage ansetzte, und keine fünf bis zum Schweizer Führungstor.

Albaniens Torhüter Etrit Berisha verschätzte sich bei einem Eckball des früheren Bayern-Profis Xherdan Shaqiri, Schär köpfte ein. Es war das schnellste Tor der Schweizer bei einer EM - aber auch erst das sechste. (DATEN: EM-Torjäger)

Auch nach einer dicken Gelegenheit von Haris Seferovic, der Eintracht Frankfurt vor dem Bundesliga-Abstieg gerettet hatte, waren die Schweizer spielbestimmend.

Albanien machte dicht und hielt mit enormem Willen dagegen, viel mehr hatte der Außenseiter bis zur ersten Chance durch Taulant Xhaka (26.) auch nicht zu bieten. Fünf Minuten später musste allerdings Sommer in höchster Not gegen Armando Sadiku retten.

Canas Handspiel bringt Albanien in Unterzahl

Ein dummes Handspiel Canas kurz vor dem eigenen Strafraum und der folgerichtige Platzverweis beendeten das Aufbäumen zwischenzeitlich. Immerhin blieb dem EM-Debütanten zunächst das 0:2 erspart - Blerim Dzemaili knallte den fälligen Freistoß an den Pfosten (38.), Seferovic scheiterte weitere drei Mal am nun hervorragenden Berisha (43./53./66.).

Albanien aber gab sich nicht geschlagen, Sadiku traf das Außennetz (77.). Die Schweizer gingen fahrlässig mit ihrer Überzahl um und waren hinten regelmäßig schlecht geordnet - was Gashi kurz vor Schluss vollkommen freistehend vor Sommer aber nicht bestrafte.

Lens war am Spieltag ganz in Rot getaucht. Das lag vor allem an den reise- und sangesfreudigen Albanern, die sich zu Zehntausenden ins nordfranzösische Departement Pas-de-Calais aufgemacht hatten. Die vermeintlichen "Verräter" wie Granit Xhaka und Shaqiri pfiffen sie nieder.

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