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Matthias Becker freut sich als Vor-Ort-Reporter für SPORT1 auf die K.o.-Phase © SPORT1 Grafik: Getty Images

Paris - Die EM in Frankreich war lange eine zähe Veranstaltung. Kritik ist an vielen Stellen berechtigt, doch zum Start der K.o.-Runde gibt es auch positive Erkenntnisse.

Es war ein zäher Start in diese EM 2016 in Frankreich.

Zu Beginn wurde über fast alles geredet, nur nicht über Fußball. Die Angst vor Terroranschlägen, die schlimmen Krawalle in Marseille und Lille, der Streik in Frankreich - alles ernste und wichtige Themen. Viel Lust auf dieses Turnier haben sie nicht gemacht. In der Hauptstadt Paris fragte man sich manchmal, ob hier tatsächlich ein Fußball-Großereignis stattfindet, so wenig präsent war die EM.

Als dann in vielen Gruppenspielen auch noch der Unterhaltungswert sehr überschaubar war, haben viele die EM schon als Reinfall abgeschrieben. Wegen des aufgeblähten Teilnehmerfelds und des sonderbaren Modus war viel Taktiererei möglich.

Pünktlich zum Beginn der K.o.-Runde hat die EURO aber endlich wirklich angefangen. Das deutsche Chancenfestival gegen Nordirland, das verrückte Finish in Gruppe F und der Drama-Sieg der Iren haben dem Turnier Leben eingehaucht.

Es gibt immer berechtigte Gründe, am Gastgeber und der UEFA Kritik zu üben. Die Beratungsresistenz der französischen Sicherheitsbehörden im Umgang mit ausländischen Hooligans hat viele internationale Sicherheitsexperten entnervt.

Auch die Beschwerden über das 24er-Teilnehmerfeld sind zum Teil berechtigt. Dass selbst die Türkei nach zwei gruseligen Spielen noch bis fünf Minuten vor Ende des letzten Spiels aufs Weiterkommen hoffen durfte, ist zwar schön für die Fans, sportlich aber nur schwer zu rechtfertigen.

Doch das erweiterte Feld bringt eben auch neue Farbtupfer ins Spiel. Niemand wird nach der Vorrunde ernsthaft behaupten können, dass Wales, Island und Ungarn nichts bei der EM zu suchen haben. Nordirland hat zwar sportlich nichts in der K.o.-Runde verloren, sorgt mit seinen herausragenden Fans aber für gute Stimmung, wo es auch hinkommt.

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Und es gibt nach zwei Wochen in Frankreich auch noch weitere positive Erkenntnisse. So ist die Stimmung in den Stadien, abgesehen vom schändlichen Auftritt der russischen Krawallmacher in Marseille und einiger Ungarn am gleichen Ort, hervorragend.

Die Anhänger feiern zu 99 Prozent ein Fußballfest auf den Rängen - und die sind im Gegensatz zu früheren Turnieren auch zu 99 Prozent besetzt. Selbst beim Duell zwischen Island und Österreich im riesigen Stade de France waren nur eine Handvoll freier Sitze auszumachen.

Zudem sind die Franzosen sehr freundliche Gastgeber. Die meisten geben sich für die internationalen Gäste sogar die Mühe, englisch zu sprechen. Wer schon mal als Tourist in Frankreich war weiß, dass sie das sonst eher ungern machen.

Nachdem jetzt auch noch das Wetter langsam mitspielt, ist es an der Zeit, sich auf den Rest der EM zu freuen.

Die Zeit der Gähn-Spiele ist vorbei. Kroatien gegen Portugal, Italien gegen Spanien -  das sind schon im Achtelfinale Partien, die es auch in einem Halbfinale hätte geben können. Dazu eine deutsche Mannschaft mit steigender Formkurve.

Die EM kann doch noch ein Fest werden.

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