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Paris - Mutige Iren bringen Schweden an den Rand der Niederlage, bis Ibrahimovic den Ausgleich erzwingt. Trotzdem ist der Superstar unzufrieden - mit sich und allen anderen.

Zlatan Ibrahimovic winkte genervt ab. Zornigen Blickes zog Schwedens Superstar von dannen, die blaue Kapitänsbinde riss er verächtlich von seinem linken Oberarm, als wäre sie ihm nur noch lästig.

Der lange Zeit pomadige Superstar hatte die Tre Kronor mit einer einzigen kraftvollen Aktion noch vor einer EM-Auftaktpleite bewahrt - doch das 1:1 (0:0) gegen Irland war ihm viel zu wenig.

Ibrahimovic: "Uns fehlt Qualität"

Der selbsternannte "Fußball-Gott" wusste, was das Stündlein geschlagen hat. "Es sind noch zwei Spiele - in denen müssen wir punkten. Aber uns fehlt Qualität", sagte Ibrahimovic. Den Gang in die schwedische Kurve brach er auf halbem Wege ab, immerhin klatschte er roboterhaft ein paar Mal in die Hände.

Emil Forsberg von RB Leipzig wollte seinem Kapitän nicht widersprechen.

"Wir haben in der ersten Halbzeit zu viele einfache Fehler gemacht. Da hatten wir nicht die Qualität, die richtigen Dinge zu tun", sagte der Deutschland-Legionär bei SPORT1: "In der zweiten Hälfte nach dem Gegentor wurde es besser. Aber ich denke, wir können es noch viel besser."

Eine Leistungssteigerung muss her, denn: Wollen Ibrahimovic und Co. das Achtelfinale erreichen, muss ein Sieg gegen einen Großen her - die weiteren Gegner in der anspruchsvollen Gruppe E sind der längst nicht mehr ganz so geheime Geheimfavorit Belgien und Vize-Europameister Italien. (Ergebnisse und Spielplan der EM)

"Immerhin haben wir nicht verloren", sagte Ibrahimovic. Dann hätte es richtig düster ausgesehen.

Hoolahan bringt mutige Iren in Führung

Dabei hatte Ibrahimovic gehandelt, als Schwedens Hoffnung schwand. Mit Unterstützung eines Geniestreichs von John Guidetti tankte er sich auf der linken Seite durch, spielte scharf in die Mitte - und erzwang damit das Eigentor von Ciaran Clark (71.) zum verdienten Ausgleich. Der kleine Wes Hoolahan (48.) hatte die mutigen und spielstarken Iren in Führung gebracht.

Ibrahimovic stemmte sich spät gegen die Niederlage - aber dann war wieder Verlass auf den Torjäger, der Schweden mit drei Toren in den Playoffs gegen Dänemark überhaupt erst zur EM geschossen hatte. (EM-Torjäger)

"Ich habe gekämpft und das getan, was ich kann, mit den Bällen, die ich bekommen habe. Aber ich kann mehr", sagte er.

Dass er nicht mehr zeigte, lag auch am mutigen Auftritt der Iren. Als wollten sie Majestätsbeleidigung betreiben, suchten sie schnurstracks den Weg zum schwedischen Tor - zumindest versuchten sie es. Ihre Mittel waren beschränkt, die Gelegenheiten spärlich, aber gut. (Das Spiel im TICKER zum Nachlesen)

Hendrick scheitert an Isaksson und Latte

Nach zehn Minuten hielt Jeff Hendrick vom englischen Zweitligisten Derby County drauf, Andreas Isaksson parierte. Nach 32 Minuten zog Hendrick ein zweites Mal ab, Isaksson konnte diesmal nicht parieren - der Ball aber klatschte an die Latte.

Erst als Hoolahan mit einem Dropkick die Führung für Irland erzielt hatte, drehte Ibrahimovic auf.

Seine erste Chance eröffnete sich ihm in der 60. Minute, gut zehn Minuten später profitierte er von einer unglücklichen Aktion von Clark: Nach feinem Hackenpass von Guidetti flankte Ibrahimovic so scharf kurz vors Tor, dass der irische Verteidiger den Ball ins eigene Netz bugsierte.

Glänzende Stimmung bei Fans in Paris

Die Stimmung in St. Denis war wie erwartet glänzend - und mehr. Vor dem Spiel sangen Iren und Schweden gemeinsam den ABBA-Hit "Dancing Queen".

Ein Ire wollte es dann so richtig wissen: Er kletterte nur in Unterhose auf einen Kleinbus und wurde von der bierselig grölenden Menge sogar noch zu mehr angespornt.

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